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Wirtschaft von Innen
05/22/2016

Wolfgang Kulterer: Arm wie eine Kirchenmaus oder ...

... hat der Ex-Chef der Kärntner Hypo mithilfe einer Firma in der Schweiz doch noch Vermögen gebunkert?

von Andrea Hodoschek

Mindestens 12,5 Milliarden Euro wird die Kärntner Hypo die Steuerzahler kosten. Es können aber noch 14 Milliarden werden. Einer, der mitverantwortlich für das Desaster war, ist in Privatkonkurs, sitzt hinter Gittern und besitzt nur noch die von seinen Eltern überschriebene Landwirtschaft. Oder ist Wolfgang Kulterer, langjähriger Chef der Hypo, doch nicht ganz so mittellos?

Bei der Aufarbeitung des Hypo-Skandals sind Ermittlungsberichte des Bundeskriminalamtes (SOKO Hypo) ans Tageslicht gekommen, die Kulterers Version von der armen Kirchenmaus bezweifeln lassen. Die zentrale Frage ist, ob der ehemalige Bank-Chef mithilfe eines Treuhänders in der Schweiz Vermögen verschleiert hat. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Deutsche Frank Michael Siewert geriet bei den Ermittlungen gegen Kulterer ins Visier der SOKO Hypo. In Deutschland mit der Pleite eines Spaßbades amts- und justizbekannt geworden, logiert der Geschäftsmann mittlerweile in der Schweiz. Siewert schien als Eigentümer der "Future Property Invest AG" auf, von der Gelder zu Kulterers Firma WBG flossen.

"Es gibt mehrfach Auffälligkeiten, dass die Future Property immer wieder bei Projekten eingesetzt wurde und Transaktionen ermöglichte, deren wirtschaftlich Begünstigter Kulterer war", argumentiert Rainer Hable, Finanzsprecher und Vertreter der Neos im Hypo-U-Ausschuss. "Starke Indizien" würden darauf hinweisen, "dass Siewert der Mittelsmann von Kulterer war".

"Ich habe Herrn Kulterer nur ein Mal kurz gesehen", beteuert Siewert gegenüber dem KURIER. Da er gleich eine wichtige Sitzung habe, ersucht er um die Fragen per Mail. Die er später mit dem Hinweis, er sei in die Untersuchungen des U-Ausschusses nicht involviert, lieber doch nicht beantworten will, um "dieser wichtigen Aufarbeitung nicht vorzugreifen".

Ein Treuhandverhältnis für Kulterer dementiert er entschieden. "Zu keinem Zeitpunkt" hätten er persönlich oder die Future Property als Treuhänder für Dritte agiert. Einer Nennung seiner Person stimme er nicht zu.

Ganz so distanziert, wie Siewert weismachen will, war das Verhältnis zu Kulterer allerdings nicht.

In Kulterers Terminkalender fanden sich immerhin 15 Termine mit Siewert, 31 Anrufe und 13 Notizen.

2008 schloss Kulterers WBG einen exklusiven "Kooperationsvertrag" mit der im schweizerischen Zug domizilierten storeforyou AG, vertreten durch "deren Direktor Herrn Frank Michael Siewert". Der Zweck des Vertrages ist recht vage formuliert. Man beabsichtige, "Erträge und Provisionen aus gemeinsam entwickelten und abgewickelten Projekten zu teilen". Für Siewert wird eine monatliche Pauschalvergütung von 9000 Euro vereinbart.

Siewert spielte auch beim Dienstl Gut eine Rolle. Kulterers ehemalige Ehefrau erhielt den idyllischen Reiterhof in St. Georgen im Zuge der Scheidung. Sie hatte wirtschaftliche Probleme, die Bank machte Druck. Siewert kam zu Hilfe. Er zahlte über die Future Property Kredite bei der Bank Austria über 202.000 Euro zurück und ließ sich dafür 40 Prozent des Gutes überschreiben. Die Ex-Gattin wollte nicht ausschließen, dass Siewert von Kulterer vorgeschoben sein könnte. Und erinnerte sich daran, dass Siewert ihr gegenüber erwähnte, sie könnte sich bei Kulterer für die finanzielle Unterstützung bedanken.

Ihr gegenüber habe Siewert gejammert, wie arm Kulterer wäre. Pech, dass ausgerechnet die Ex-Gattin im Frühsommer 2010 versehentlich ein Mail von Siewert, abgeschickt vom Account der Future Property, bekam, das für Kulterer bestimmt war. Über ein Offert für Ackerflächen in Rumänien um rund 2,4 Millionen Euro. Abschiedsgruß von Siewert an Kulterer: "Kopf hoch, du gehst da durch ...".

Am 15. August 2010 wurde Kulterer in U-Haft genommen.

Mit einem Darlehen der Future Property über eine Million Euro investierte Kulterers WBG ins Firmenkoglomerat der German Pellets, das heuer in die Großinsolvenz schlitterte und die Staatsanwaltschaft in Deutschland beschäftigt. Vier Werke wurden obendrein über einen 68-Millionen-Kredit der Hypo finanziert, für den sich Kulterer bei der Bank eingesetzt hatte.

Bemerkenswert ist ein Mail vom Juni 2009. Eine Mitarbeiterin von Kulterers WBG schickte Siewert den IBAN "vom Euro Konto von Herrn Kulterer bei der HSBC Bank".

Der Banker war nach London übersiedelt. Zwei Wochen bevor er in U-Haft musste, überlegte er für das "Suffield Farm House" südwestlich von London eine dreijährige Mietvorauszahlung (120.000 Euro im Jahr) mit einer Kaufoption. Gabi W. (Name der Redaktion bekannt) hätte die Miete bezahlen sollen, Kulterer hätte ihr den Betrag dann ersetzt. Warum wollte der Banker nicht selbst als Mieter auftreten?

Nur wenige Tage vor der U-Haft erstand der leidenschaftliche Military-Reiter Kulterer um 110.000 Dollar ein Pferd in den USA. Die Bezahlung lief über ein Klagenfurter Konto des Waffenproduzenten Gaston Glock. Kulterer erklärte dazu, er wollte den Kauf vor seinen Angestellten verheimlichen. Glocks Anwalt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Industrielle kaufte Kulterer später ausgedehnte Immobilienflächen ab.

Der tief gefallene Banker ist für Juni nochmals vor den U-Ausschuss geladen. Hable will ihn zur Vermögenssituation befragen. Kulterer habe einen "erheblichen Erklärungsbedarf, wenn er einen Mittelsmann in der Schweiz benötigt". Hable stellt die Frage, woher sich die Future Property finanzierte. Denn "jemand mit einem Hintergrund wie Siewert kann nicht über derartige Mittel verfügt haben".

Kritik an der Klagenfurter Staatsanwaltschaft: "Warum ist das Justizministerium dem Weg des Geldes nicht gefolgt, obwohl klare Hinweise vorlagen?". Der Leiter der SOKO Hypo, Bernhard Gaber, hatte kürzlich im U-Ausschuss bezweifelt, dass Kulterer mit seinem Einkommen als Bankchef all seine Vermögenswerte und seinen aufwendigen Lebensstil finanzieren konnte. Fragt sich dann bloß, woher hatte Kulterer die Mittel dafür?

Kulterers Anwältin Ulrike Pöchinger widerspricht der Strohmann-These: "Siewert und Kulterer haben zusammengearbeitet, aber dass Siewert Treuhänder war, ist absolut auszuschließen." Im Schuldenregulierungsverfahren (Privatkonkurs) sei das gesamte Vermögen ihres Mandanten offengelegt worden, "alles, was zu verwerten war, wurde verwertet".

Kulterer bot nun der HETA einen Vergleich an. Die Hypo-Abbaubank hat 600 Millionen Euro eingefordert.

Offiziell besitzt der einst strahlende Kärntner Bankmanager nur noch, wie erwähnt, die elterliche Landwirtschaft. Die mit einem Wohnrecht und einem Belastungs- sowie Veräußerungsverbot belegt ist. Masseverwalter Stefan Riehl hat bis jetzt nur rund 2,5 Millionen an HETA-Forderungen anerkannt. Die Landwirtschaft dürfte drei bis vier Millionen Euro wert sein. Nicht anerkannt wurde auch eine Anwalts-Rechnung an Kulterer über sechs Millionen Euro. Da hatte ein Advokat akribisch nach Tarif verrechnet, was bei solchen Verfahren ziemlich unüblich ist.

Strafrechtlich laufen übrigens immer noch Ermittlungen gegen Kulterer. Der Stammakt (10St273/09G) ist 1,9 Millionen Seiten dick.

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