Wirtschaft
29.03.2017

Wohnen im Eigentum wird zu Luxus

Seit 2010 kam es in Österreich zu einer Verteuerung von mehr als 40 Prozent.

Wer heutzutage eine Wohnung neu mieten will, findet unter tausend Euro monatlicher Belastung nicht mehr viel. Auf lange Sicht betrachtet wird so ein Eigentumsobjekt interessant. Hier fallen nur die Betriebskosten plus Rücklage an, die Wohnung gilt als Wertanlage auch für die nächsten Generationen. Doch sind in den vergangenen Jahren nicht nur die Mietpreise, sondern auch jene für Eigentum stark nach oben gezogen.

Laut dem seit 2010 erhobenen Häuserpreisindex der Statistik Austria legten die Kaufpreise alleine im Vorjahr um 8,5 Prozent zu, der höchste Anstieg seit dem Jahr 2010. Seit 2010 kam es zu einer Teuerung von durchschnittlich 41,3 Prozent.

In Wien stiegen die Wohnungspreise im Vorjahr um 10,9 Prozent (seit 2010 um 71,8 Prozent) und damit am stärksten von allen Städten Österreichs. Bei Häusern gab es im Vorjahr das größte Plus im Burgenland (13,8 Prozent), gefolgt von der Steiermark (12,0 Prozent).

Einen relativ geringen Zuwachs weist Niederösterreich aus (plus 5,0 Prozent). In Salzburg gab es sogar eine leichte Entspannung (minus 3,2 Prozent). "2015 gab es dort im Vergleich zum Vorjahr im großen Umfang hochpreisige Transaktionen", erklärt Josef Auer von der Direktion Volkswirtschaft. "Das ist eher ein Ausreißer als eine Trendumkehr."

Mit dem Preisschub seit 2010 reiht sich Österreich unter die Top-5 in Europa und liegt auch drastisch über dem Durchschnitt der EU (plus 5,4 Prozent) bzw. des Euroraums (plus 1,6 Prozent). Stärker verteuerte sich Wohnraum nur in Estland (plus 62,1 Prozent), Island (49,2 Prozent) und Schweden (45,9 Prozent).

Tiefe Zinsen

Als einen Grund für die starken Anstiege nannte Statistik-Chef Konrad Pesendorfer die niedrigen Zinsen. Diese würden die Nachfrage nach Immokrediten ankurbeln sowie Sparer dazu verleiten, ihr Geld lieber dort anzulegen. Mit der Hoffnung auf einen hohen Gewinn bei späterem Verkauf. Nicht zuletzt heize der starke Zuzug nach Österreich die Nachfrage an.

Für heuer rechnet Pesendorfer mit weiteren Preissteigerungen, jedoch nicht mehr im Ausmaß früherer Jahre. Eine Preisblase wie etwa in Spanien vor der Finanzkrise sieht er nicht: "Das ist nicht vergleichbar." Die durchschnittlichen Preise in Wien seien noch immer von jenen in München oder London weit entfernt. "Aber wir unterliegen sicher einem Aufholprozess."

Mieten steigen mit 1. April

Auch bei den Mieten gab es im Vorjahr einen Preissprung, allerdings fiel dieser mit 3,1 Prozent weitaus geringer aus als für Eigentumsobjekte. Zudem gilt der Wert nur für Neumieten.

Eine Teuerung steht aber auch Altbaumietverträgen, die ab 1. März 1994 abgeschlossen wurden, und Wiener Gemeindewohnungen mit Verträgen ab 2004, ab April ins Haus. Dann werden die Richtwerte erhöht (siehe Grafik). Zwei Drittel der rund 300.000 Haushalte, die diesem Mietensystem unterliegen, befinden sich in Wien.

Eigentlich wäre die Erhöhung schon 2016 erfolgt, wurde aber dann von der Koalition um ein Jahr verschoben. Das brachte den Haushalten in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 150 Euro. Dafür fällt jetzt die von der Inflation abhängige Anpassung höher aus.

Kommentar dazu: https://kurier.at/wirtschaft/wahnsinn-wohnen/254.922.095