Wirtschaft
12/16/2018

Wo ist unser Platz? Österreichs Gewicht in der Welt

2019 erwirtschaften Herr und Frau Österreicher erstmals mehr als 400 Milliarden Euro. Wie sich Rot-Weiß-Rot sonst so schlägt.

Wer mit Österreichs Wirtschaftsleistung Rechnungen anstellt, muss bald umlernen. 2019 wird das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals die Marke von 400 Milliarden Euro übersteigen.

Darunter können Sie sich wenig vorstellen? Vielleicht hilft es Ihnen zu wissen, dass Österreichs Wirtschaftsleistung reichen würde, um alle Aktien des chinesischen IT-Konzerns Alibaba (Wert: 346 Mrd. Euro) zu kaufen. Oder, falls Ihnen ein US-Unternehmen mehr behagen sollte, von Facebook (367 Mrd. Euro).

Wo reiht sich Österreichs BIP in einem globalen Vergleich ein?

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Unter den 193 Ländern, die der Internationale Währungsfonds zählt, wäre es Platz 27. Das ist beachtlich: Gemessen an der Einwohnerzahl oder Fläche stünde uns nur Platz 96 bzw. 116 zu.

Österreichs Wirtschaftskraft liegt sogar über jener des Iran, der zehn Mal so viele Einwohner, jede Menge Erdöl und große Probleme mit US-Präsident Donald Trump hat.

Ändern wird sich der 27. Platz übrigens nicht so bald. Österreich dürfte zwar bis 2023 das kriselnde Argentinien überholen. Dann hat uns jedoch Nigeria (heute Platz 31) überflügelt, und auch die Philippinen (jetzt Platz 40) rücken bedrohlich nahe.

Umwelt

Wachstum ist aber nicht alles. Schon gar nicht, wenn es zulasten der Umwelt geht. Die Liste der größten Klimasünder führen Erdöl-Moloche wie Katar, Kuwait und die Karibikinsel Trinidad und Tobago an.

Beim Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid landet aber auch Österreich unrühmlich weit vorn: Platz 37. Den Schlusslichtern nachzueifern wäre indes keine gute Idee: Es sind Armenhäuser wie Tschad, Somalia und Burundi, die fast gar kein ausstoßen.

Sinnvoller ist deshalb der Vergleich des -Ausstoßes bezogen auf die Wirtschaftsleistung. Demnach ist Österreichs Industrieproduktion schon recht weitreichend von Klimagasen entkoppelt. Bei uns fallen 0,16 Kilogramm pro Dollar Wertschöpfung an: ein guter Wert, Österreich rutscht so auf Platz 136 der Klimasünder zurück.

Schweden (0,10 Kilogramm) und Schweizer (0,08) schneiden aber noch besser ab. Wobei es eigentlich logisch ist, dass die Großbanken der Eidgenossen relativ wenig emittieren.

Lebensqualität

Ist Österreich irgendwo Spitze? Ja. Wien wurde 2018 vom Economist auf Platz eins der lebenswerten Städte gereiht. Das britische Magazin gab Wien in allen Kategorien die höchste Punktezahl, außer bei „Kultur und Umwelt“ (ausgerechnet).

Die junge nigerianische Autorin Chibundu Onuzo protestierte allerdings heftig, weil ihre Heimatstadt den vorvorletzten Platz belegt. „Wien ist Lagos in Sachen Kultur nie und nimmer 43 Punkte voraus“, schrieb sie im britischen Guardian.

Denn wer lege eigentlich fest, dass Museen und Opernhäuser mehr wert sind als die Musik von Fela Kuti, die drittgrößte Filmindustrie oder Nigerias lebensfrohe Owambe-Partys?

Unstrittig ist: In Österreich lebt man lange und sicher. 81,8 Jahre Lebenserwartung und eine Mordrate von 0,7 Fällen pro 100.000 Einwohner reichen für Platz 18 bzw. 23 in der Welt.

Steuern

So viel Lebensqualität hat ihren Preis. Wie hoch der in Form von Steuern und Abgaben ist, ermitteln die Weltbank und die Beratungsfirma Pwc, die für eine fiktive Firma, deren 60 Mitarbeiter Blumentöpfe erzeugen, die Gesamtsteuerlast errechnet.

In Österreich sind das 51,5 Prozent des Gewinns: Platz 44 der Hochsteuerländer unter 211 Ländern und Regionen. In der EU heben sonst nur Griechenland, Frankreich, Belgien und Italien noch höhere Steuern ein.

Allerdings: Wer würde seine Topfproduktion ins günstigere Georgien, auf die Pazifikinseln Vanuatu oder ins Sultanat Brunei verlegen? (Dass die Last für Firmen auf den Komoren übrigens mehr als doppelt so hoch sein soll wie ihr Gewinn, sagt mehr über den Vergleich selbst aus als über das Steuersystem der Insel in Ostafrika).

Ungleichheit

Ein UNO-Ziel sieht vor, dass die niedrigsten Einkommen bis 2030 stärker steigen sollen als im Durchschnitt der Bevölkerung; nur so können Ärmere aufholen. Dieses Ziel hat Österreich zwischen 2005 und 2017 verpasst, die Schere ist aufgegangen – nur Platz 107 von 124 Ländern.

Bolivien oder gar Venezuela: Die Spitzenreiter in dieser Statistik sind ebenfalls nicht gerade leuchtende Vorbilder, an denen man sich orientieren sollte. Wenn alle gleich arm sind bzw. werden, gibt es auch keine Ungleichheit.

Das soll aber keine Ausrede sein, denn es gibt laut UNO-Daten auch in der EU zwölf Länder, in denen die Einkommen jetzt gerechter verteilt sind als 2005. Dazu zählen zum Beispiel Finnland, Estland, Polen, Belgien oder überraschenderweise auch Großbritannien.

Gewicht

Die Österreicher sind also alles in allem ein erstaunlich gewichtiges Völkchen. Auch auf der Waage? Die zeigt Platz 113 der „schwersten“ Länder an.

Unser Body Mass Index liegt laut WHO mit 25,6 übrigens leicht über der Empfehlung – das betrifft den Bevölkerungsdurchschnittswert. Also, raus mit der Wahrheit: Wer ist schuld?