Wirtschaft 05.12.2011

WK: Schlussstrich unter Pensionsaffäre

Mit 108 Millionen Euro will die Kammer ihr Pensionsloch stopfen. Gleichzeitig verabschiedet sie sich vom System.

Stolze 7,5 Prozent jährliche Rendite versprach die Wirtschaftskammer einst ihren Mitarbeitern für ihre Firmenpensionen - mit den Finanzkrisen platzten die Versprechen aber wie Seifenblasen. Tatsächlich erreichte man nur 0,64 Prozent durchschnittliche Wertsteigerung. Nun will sich die Kammer von ihrer Pensionskasse trennen: "Wir wollen unsere Pensionskasse 2012 an eine überbetriebliche Kasse abgeben", erklärte Herwig Höllinger, stellvertretender Generalsekretär.

Wogen glätten

Wer neu kommt, erhält künftig keine Betriebspension mehr: Die Wirtschaftskammer zieht Lehren aus dem enttäuschenden Veranlagungsergebnis.
© Bild: KURIER/Christandl

Der Schritt ist der letzte in einem Versuch der Kammer, die Wogen zu glätten: Weil einstige Mitarbeiter aufgrund ausbleibender Veranlagungserfolge heuer erneut Kürzungen ihrer Zusatzrenten hinnehmen mussten, wollten sie die 1999 erfolgte Kammer-Pensionsreform (Umstieg in die Pensionskasse) gerichtlich anfechten. Anwälte sprachen von Kürzungen von bis zu 50 Prozent.

"Wir haben in der Pensionskasse nie etwas garantiert", betont Höllinger. Abgeltungen für erlittene Verluste gibt es für die Pensionisten daher nicht. Allerdings zahlt die Kammer 48 Millionen Euro in die Kasse, um das Problem für die Zukunft aus der Welt zu schaffen.

Damit wird die Kapitalbasis erhöht, im Gegenzug wird die Zinserwartung in den Rechenmodellen von aktuell sechs Prozent auf 4,75 Prozent abgesenkt. Weitere 40 Millionen Euro müssen fließen, weil laut Finanzmarktaufsicht Risiken wie Invalidität oder chronische Krankheit nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zusätzlich sollen bis 2021 insgesamt 20 Millionen in eine Schwankungsrücklage fließen.

Die Mittel werden laut Höllinger vorwiegend aus dem Pensionsfonds (der die vor 1999 entstandenen Pensionsansprüche verwaltet ) sowie aus Rücklagen kommen. Der Bundeswirtschaftskammer kostet die Lösung 18 Millionen, der Rest verteilt sich auf die Länder-Organisationen. "In Zukunft werden wir für neue Mitarbeiter keine Vorsorge dieser Art machen, weil die Volatilität der Märkte nicht überblickbar ist", erklärte Kammer-Präsident Christoph Leitl. Der Betriebsrat habe dies abgesegnet. Und Leitl meint: "Wir werden für die Lösung weder bei den Leistungen sparen noch die Beiträge erhöhen."

Kammerumlage

So ganz ohne Erhöhung geht es beim Budget 2012, das am Mittwoch im Wirtschaftsparlament diskutiert wurde, aber nicht. "Die Kammerumlage 1 und 2 werden leicht angepasst", erklärte Vizepräsident Richard Schenz. Der Voranschlag liegt bei plus 0,4 Prozent. Für die Abteilungen steigt das Budget um drei Prozent, der Sachaufwand wird gekürzt.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011