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Diskussion zum Wirtschaftsstandort: "Neues wird hier erst einmal abgelehnt"

Drei Firmenchefs sprechen über den Fachkräftemangel, aktuelle Chancen für den Standort und die Skepsis der Österreicher vor Neuem.
Drei Personen sitzen an einem Tisch und diskutieren, auf dem Tisch stehen Wassergläser, Karaffen und ein Buch mit dem Titel „Henkel“.

Der heimische Standort hat seine Vorzüge. In vielen Bereichen gibt es aber Nachholbedarf, sind sich die CEOs von Henkel, der Sacher-Gruppe und Eli Lilly einig.

Eine der größten Herausforderungen sei der Fachkräftemangel, sagt Sacher-Chef Matthias Winkler bei einer Diskussionsrunde anlässlich des 150-jährigen Bestehens der drei Unternehmen. „Das Anwerben von Mitarbeitern ist schwieriger als von Gästen“, berichtet Winkler. Auch Mario Haller, Chef des Pharmakonzerns Eli Lilly Österreich spricht  von einem „großen internationalen Wettbewerb um Arbeitskräfte“. 

Henkel-Chefin: "Wien ist attraktiv für Arbeitskräfte aus Osteuropa"

Henkel-Österreich-Chefin Birgit Rechberger-Krammer hat kaum Probleme, Fachkräfte zu finden, wie sie sagt. „Wien ist lebenswert und attraktiv für Arbeitskräfte – vor allem aus Osteuropa.“ Neben dem Verhältnis zu den Mitarbeitenden sei auch die Beziehung zwischen Produzenten und Händlern in Österreich „insgesamt ein konstruktives Miteinander“. „In anderen Ländern – etwa in Frankreich – gibt es faktisch kein Miteinander von Industrie und Handel. Und das, obwohl wir grundsätzlich dieselben Ziele verfolgen.“ 

Belastend sei am heimischen Standort der hohe Industriestrompreis. Wegen diesem sei man vor allem gegenüber Produzenten aus den USA klar im Nachteil. „Europa ist teuer, deshalb wird der Export vom hier in den Mittleren Osten oder die Türkei immer uninteressanter“, sagt die Henkel-Chefin. Wegen der hohen Lohnkosten stellt das Unternehmen mittlerweile nur noch wenig arbeitsintensive Produkte in Österreich her. „Wir haben in den vergangenen Jahren auch viel automatisiert“, sagt die Henkel-Chefin.

Drei Personen in Businesskleidung stehen nebeneinander vor einem Bildschirm mit der Aufschrift „Manager Forum“.

Die Unternehmenschefs Mario Haller (li.), Birgit Rechberger-Krammer und Matthias Winkler (re.) sehen sich alle mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert.

Im Hotel Sacher setzt man auf Künstliche Intelligenz

Auch Sacher-Chef Winkler setzt in seinem Unternehmen  auf neuartige Technologien. Selbst wenn das in Österreich nicht immer einfach ist. “Für ihre Innovationsfreude gewinnen die Österreicher keinen Preis. Was neu ist, wird grundsätzlich erst einmal kritisch betrachtet und abgelehnt.“ Bei Sacher setzt man trotzdem auf Künstliche Intelligenz (KI) – und das schon seit mehreren Jahren. 

Jährlich investiert das Unternehmen mehrere Hunderttausend Euro  in Technologieprojekte. Mittlerweile ist das Hotel etwa  international zu Randzeiten über mehrsprachige KI-Chatbots erreichbar. Auch Prognosen über die Buchungslage für die kommenden Wochen berechnet die KI. „Seit Corona wird immer kurzfristiger gebucht. Durch dieses Tool können wir einschätzen, wie viele Zimmer belegt sein werden und wie viel Personal wir brauchen“, erzählt Winkler.

Sacher-Chef: "Die Bürokratie erschlägt uns in allen Bereichen"

Belastend ist für den Sacher-Chef die Bürokratie. Diese „erschlägt uns in allen Bereichen“, sagt er. Entkommen gebe es für sein Unternehmen naturgemäß keines: „Wir können uns den Standort aus historischen Gründen nicht aussuchen. Wenn wir auch den 200. Geburtstag von Sacher feiern wollen, müssen die Politiker bei der Bürokratie zu Vernunft kommen.“

Ein Thema, das immer mehr in den wirtschaftlichen Fokus rückt, ist die Resilienz. „Wir sind in den vergangenen Jahren von einer Krise in die nächste gekommen“, sagt Winkler. So folgten auf die Coronapandemie eine starke Teuerung und der Krieg in der Ukraine. Zuletzt machten der Irankonflikt und die Sperre der Straße von Hormus auch heimischen Unternehmen zu schaffen. 

Gestörte Lieferketten führen zu höheren Preisen

Wegen der gestörten Lieferketten für einige Rohstoffe ist man bei Henkel etwa mit höheren Kosten konfrontiert, erzählt Rechberger-Krammer. Diese müsse der Konzern weitergeben. „Wir wollen unsere Preise nicht erhöhen, aber es geht nicht anders. Die nächste Herausforderung für uns ist, wie die Konsumenten darauf reagieren.“

Resilienz und Unabhängigkeit von internationalen Märkten ist auch in der Pharmaindustrie ein großes Thema, bestätigt Haller. Er fordert von der heimischen Politik, dass sie Rahmenbedingungen schafft, die Innovation vorantreibt. „Vor allem aktuell mit dem wissenschaftsfeindlichen Klima in den USA sehe ich da eine große Chance für Österreich und Europa.“  

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