Wirtschaftsstandort: Aufbruch mit Fragezeichen

Neue Technologien wie KI eröffnen neue Chancen. Auch wirtschaftspolitische Weichen werden neu gestellt. Viele Fragen sind offen.
Seiltänzer

Zusammenfassung

  • Neue Technologien wie KI ermöglichen Start-ups schnellere Entwicklungen und eröffnen neue Chancen, erfordern aber weiterhin internationale Wettbewerbsfähigkeit.
  • Die österreichische Industriestrategie setzt gezielt auf neun Schlüsseltechnologien, um Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu fördern.
  • Herausforderungen bestehen darin, Forschungsergebnisse wirtschaftlich zu nutzen und Ausgründungen sowie Spin-offs stärker zu unterstützen.

Über den österreichischen Entwickler Peter Steinberger wurde in den vergangenen Wochen viel geschrieben. Mit seinem KI-Agenten OpenClaw, der selbstständig Aufgaben erledigen und etwa Reisen buchen oder  Kalender verwalten kann, sorgte der Oberösterreicher nicht nur in der Fachwelt für Aufsehen. Schließlich nahm er ein Jobangebot beim ChatGPT-Macher OpenAI in den USA an

Dass er Österreich jetzt den Rücken kehrt und seine Ideen  im Silicon Valley verwirklichen will, gilt in der Branche als Wermutstropfen. Steinberger ist aber auch Teil einer neuen Generation von Gründern, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz sehr weit kommen, sagt Hannah Wundsam vom Thinktank Austrian Startups. Denn der Code für den KI-Agenten des Programmierers wurde selbst weitgehend von KI geschrieben. 

"Es findet gerade ein Umbruch statt"

Durch die neuen technologischen Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz könnten junge Firmen schneller die ersten Schritte setzen, Prozesse beschleunigen und eine Zeit lang ohne große Finanzierungsrunden auskommen. Start-ups seien die Ersten, die neuen Technologien nicht nur bauen, sondern  sie auch nutzen, sagt Wundsam: „Es findet gerade ein Umbruch statt, in dem sehr viele Chancen liegen.“

Hannah Wundsam

Hannah Wundsam, Geschäftsführerin des Thinktanks Austrian Startups.

Viele Start-ups könnten ihre Entwicklungen heute  auch ohne hohe Summen zur Marktreife bringen, sagt Wundsam. Um aber  im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, brauche es dann aber doch Geld.

Schwerpunktsetzung

Szenenwechsel. Im imperialen Ambiente des Apothekertrakts im Schloss Schönbrunn lud Mitte Februar die österreichische Bundesregierung zur Investorenkonferenz „Meet Austria“.  

Vertreten waren dort  viele Unternehmen, die bisher eher unter dem Radar der österreichischen Politik stattfanden. Mit der im Jänner verabschiedeten Industriestrategie rücken sie aber ins Blickfeld.  Die Strategie definiert neun Schlüsseltechnologien, die von Künstlicher Intelligenz über Chips, Halbleitern und Robotik über Quantencomputer, Energie- und Umwelt-, Weltraum- und Luftfahrttechnologien bis hin zu den Life Sciences reichen. 

Das Innsbrucker Quantenunternehmen AQT (Alpine Quantum Technologies), das an Quantencomputern arbeitet, und ParityQC, das Betriebssysteme für  Quantenrechner entwirft, waren in Schönbrunn ebenso vertreten wie  zerothird, das abhörsichere  Kommunikationslösungen entwickelt und zuletzt auch eine große österreichische Bank als Kundin gewinnen konnte,  oder der Cloud-Softwareanbieter Fabasoft. Das Grazer Start-up Easelink präsentierte Ladematten für Elektroautos, das Wiener Unternehmen TTTech zeigte Lösungen für autonomes Fahren und für die Luft- und Raumfahrt. 

Werner Wutscher, Business Angel und Mitglied des österreichischen Start-up-Rates, begrüßt die Schwerpunktsetzung. Mit der Gießkanne herumzulaufen und alles zu fördern, sei für ein kleines Land fatal: „Alles, was zu einer Fokussierung führt, ist positiv“, sagt er. 

Werner Wutscher

Der Business Angel Werner Wutscher ist Mitglied des österreichischen Start-up-Rates.

Österreich sei bisher vor allem bei inkrementellen Innovationen gut unterwegs gewesen, also bei solchen, die bestehende Strukturen verbessert haben. Jetzt bemühe man sich auch, disruptive Technologien zu forcieren, die zu neuen Geschäftsmodellen führen können. 

Es gehe  darum, Technologien zu fördern, die in Zukunft bedeutsam seien, sagt Wutscher. Damit könnte das Wegbrechen früherer Innovationsmotoren, etwa im Automotive- oder Pharma-Bereich, kompensiert und Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Ländern wettgemacht werden.  

Herausforderungen

Als Herausforderung gilt es, die hierzulande in vielen Bereichen traditionell gute Forschung auch wirtschaftlich zu verwerten. Verstärkte Initiativen an heimischen Universitäten, um Ausgründungen zu fördern, und die Verankerung solcher Spin-offs im Leistungsabkommen heimischer Universitäten geben den Experten  durchaus Hoffnung.  

An der WU und der TU Wien wurden zuletzt  Fonds für Start-ups gegründet. An der Medizinischen Universität Innsbruck gibt es seit dem vergangenen Jahr  mit dem Medlifelab ein Innovationszentrum, das personalisierte Therapien und KI-gestützte Gesundheitslösungen unterstützt. „Das sind extrem wichtige Schritte“, sagt Wutscher.  „Wir müssen auf unseren Stärken aufbauen und eine unserer Stärken ist die Forschung“, meint Wundsam.

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