US-Konzern GE Healthcare baut Produktion in Österreich aus
Zusammenfassung
- GE Healthcare erweitert den Standort Zipf in Oberösterreich und erhöht die Produktionskapazität für Ultraschallgeräte bis 2027 deutlich.
- Beim Wirtschaftskongress „Meet Austria“ präsentierten sich zahlreiche heimische Unternehmen und Zukunftstechnologien vor ausländischen Investoren.
- Die Bundesregierung kündigte Maßnahmen zur Förderung von Investitionen, Exportgarantien und beschleunigten Genehmigungsverfahren an.
Der kleine oberösterreichische Ort Zipf ist vor allem für das gleichnamige Bier bekannt. Aber auch der US-Konzern GE Healthcare stellt dort Ultraschallgeräte her. Jetzt soll der Standort kräftig ausgebaut werden, wie der Österreich-Chef des Unternehmens, Gerald Seifriedsberger, am Mittwoch beim Wirtschaftskongress „Meet Austria“ in Wien bekannt gab.
Zipf soll zum führenden globalen Zentrum für medizinische Bildgebungslösungen und für die Frauengesundheit werden, sagte Seifriedsberger. Dazu werden die Produktionskapazitäten deutlich aufgestockt. Von bisher 20.000 Geräten auf 30.000 Geräte Ende 2027. Ausgeweitet wird auch das Produktportfolio. Zur Gynäkologie kommen Kardiologie und Chirurgie. Zu bisher 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort seien seit Jahresbeginn 45 dazugekommen, so Seifriedsberger.
Wie viele es letztlich sein werden, blieb offen. Erweitert werden soll jedenfalls auch die Forschung und Entwicklung. Investiert wird u. a. in Digitalisierung und Automatisierung. Konkrete Summen wollten aber weder Seifriedsberger noch der aus den USA angereiste GE-Healthcare-Manager Ralston Baker verraten.
Investoren-Interesse bei Wirtschaftskongress
Die Ausbaupläne des US-Konzerns in Österreich wurden nicht zufällig bei dem Wirtschaftskongress der Bundesregierung bekannt gegeben. Im imperialen Ambiente des Schloss Schönbrunn präsentierten sich am Mittwochnachmittag heimische Unternehmen vor ausländischen Investoren. Das Interesse war durchaus gegeben. Mehr als 440 Anmeldungen wurden verzeichnet. Die Produktionserweiterung in Oberösterreich fungierte quasi als Demonstrationsobjekt und vorgezogene Erfolgsstory.
Ausländische Direktinvestitionen seien von zentraler Bedeutung für den Standort, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). Ein Viertel aller Beschäftigten in Österreich und ein Drittel des BIP seien darauf zurückzuführen.
Von der Standortagentur Austria Business Agency (ABA) betreute ausländische Unternehmen haben im vergangenen Jahr insgesamt 900 Mio. Euro in Österreich investiert, berichtete ABA-Chef René Tritscher. Mehr als 2.700 neue Arbeitsplätze sollen dadurch geschaffen werden. Heuer zeichne sich Ende Jänner bereits ein potenzielles Investitionsvolumen von 580 Mio. Euro ab, sagte Tritscher.
Die ABA wird gerade entlang der vor Kurzem von der Regierung im Rahmen der Industriestrategie definierten Schlüsseltechnologien neu ausgerichtet. Sie soll auch dabei helfen, Behördenwege bei Ansiedlungen und die Rekrutierung von ausländischen Fachkräften durch Digitalisierung zu vereinfachen.
Zukunftstechnologien
Quantencomputer und Quantentechnologie der Firmen Alpine Quantum Technologies (AQT), Parity QC und zerothird waren im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn ebenso zu sehen wie Ladematten für Elektroautos des Grazer Start-ups Easelink oder Lösungen der auf autonomes Fahren und Luft- und Raumfahrtlösungen spezialisierten Wiener TTTech Gruppe. Auch Windräder von Bosch, Sensoren von ams Osram und Drohnen des Herstellers NXP wurden untermalt von Walzerklängen präsentiert. Der Cloud-Software-Anbieter Fabasoft, die Firma Artvive, die Augmented-Reality-Lösungen für Museen anbietet, und BMW, das in Steyr u. a. Elektromotoren produziert, waren ebenso vertreten.
Wettbewerbspaket
Hattmannsdorfer stellte bei der Veranstaltung Vereinfachungen für sogenannte Dual-Use-Güter in Aussicht, also für Produkte, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke genutzt werden können. Die Rüstungs- und Sicherheitsindustrie biete enorme Chancen für die heimische Wirtschaft, sagte der Minister. Er kündigte auch Exportgarantien für Geschäfte mit der Ukraine an, um die Chancen heimischer Firmen beim Wiederaufbau des von Russland angegriffenes Landes zu erhöhen.
Daneben sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Das dürfte nach Meinung vieler Firmen notwendig sein. „Verfahren dauern immer noch sehr lange“, sagte GE-Healthcare-Manager Seifriedsberger. Das müsse schneller gehen, denn Österreich konkurriere mit Ländern, in denen sechs Monate nach der Investitionsentscheidung mit dem Bau begonnen werden könne.
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