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Rückblick
12/28/2014

Wirtschaftsjahr 2014: Von Rekorden und Tiefschlägen

Die Krise ist zurück und trifft Konzerne, Jobmarkt und die Sparer. Sie sind die großen Verlierer.

Anfang des Jahres war die Welt aus heimischer Sicht noch halbwegs in Ordnung: Die Wirtschaftsforscher prognostizierten ein Wachstum von 1,7 Prozent. Zwölf Monate später ist – wie so oft – Ernüchterung eingetreten. Österreichs Wirtschaftsleistung wächst nur um 0,3 Prozent und schrammt zu Jahresende sogar an der Rezession (zwei Minus-Quartale in Folge) entlang. Die Gründe sind hausgemacht (keine Reformen) sowie in geopolitischen Krisen und einer weltweiten Wachstumsdelle zu suchen.

Zu spüren bekommen dies Jobsuchende. Die Zahl der Arbeitslosen steigt auf mehr als 400.000, den höchsten Wert in der zweiten Republik. Die Konzerne leiden unter geringerer Nachfrage, Investitionen werden verschoben und somit fehlen Impulse für den Arbeitsmarkt.

Viele Unternehmen im In- und Ausland müssten 2014 ihre Gewinnprognosen kürzen, allen voran die Banken. Auch abseits des Sonderfalls Hypo Alpe Adria sind Institute mit Kreditausfällen, rückläufigen Geschäften und harten Vorgaben der Bankenaufseher konfrontiert.

Den Bankkunden geht es kaum besser. Denn um die lahme Konjunktur in Schwung zu bringen, hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Der Effekt auf die Realwirtschaft ist endenwollend; die Sparer sind die großen Verlierer. Sie bekommen de facto für kürzere Bindungsfristen gar keine Zinsen mehr. Immerhin sind Kredite günstig, ebenso Treibstoffe infolge der Tiefpreise bei Öl.

OMV-Chef Roiss muss vorzeitig den Hut nehmen

Für Gerhard Roiss (62), Generaldirektor des Öl- und Gaskonzerns OMV, war 2014 kein gutes Jahr. Nach internen Streitigkeiten beschloss der Aufsichtsrat am 14. Oktober sein vorzeitiges Ausscheiden. Er geht Mitte 2015. Auch OMV-Gas-Chef Peter Floren scheidet aus. Der interne Zwist war nicht das einzige Problem. OMV-Großaktionär IPIC aus Abu Dhabi soll mit der Strategie der OMV unzufrieden gewesen sein. Ein Rückschlag für Roiss war auch der Stopp der russischen Pipeline South Stream.

DiTech: Mega-Pleite eines Vorzeigebetriebs

Größenwahn sowie der verschlafene Trend zu Smartphones und Tablets als PC-Ersatz trieben den Wiener Computerhändler DiTech Ende März in die Insolvenz. Der einstige Vorzeigebetrieb von Damian Izdebski und seiner Frau Aleksandra Izdebska häufte Schulden in Höhe von 30 Millionen Euro an. Der oberösterreichische IT-Händler e-Tec übernahm die Marken- und Domainrechte und führt seit September drei Filialen weiter. Izdebska ist nun Marketing-Chefin bei Novomatic.

Karstadt-Eigner Benko baut Bank Austria-Campus

Der Tiroler Immobilien-Unternehmer Rene Benko, Gründer der Signa Holding, übernahm im August den maroden deutschen Karstadt-Konzern. In Wien startete Signa den Bau des Bank-Austria-Campus im zweiten Bezirk. Das neue Headquarter soll Mitte 2018 stehen. Die Projektkosten: 490 Mio. Euro. Nicht gut lief es für Benko vor Gericht. Der OGH bestätigte ein Urteil wegen Korruption. Er wird rechtskräftig zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt.

bauMax verkauft Kunst und erste Subunternehmen

Die Baumarktkette kämpft ums Überleben. 2014 wurden die Tochterunternehmen in Rumänien und Bulgarien verkauft, der Rückzug aus der Türkei hat begonnen. Dem deutschen Konkurrenten Obi wird Interesse an bauMax nachgesagt. Die Eigentümerfamilie Essl wollte ihre Kunstsammlung zur Rettung des Unternehmens an den Staat verkaufen, dieser winkte ab. Anfang September hat der Industrielle Hans Peter Haselsteiner die Sammlung für rund 100 Millionen Euro gekauft.

Danièle Nouy: "Alle Banker fürchten sie"

Am 4. November 2014 nahm die Europäische Bankenaufsicht ihre Arbeit auf. Die Feuertaufe, der Stresstest für die 120 größten Banken des Euroraums, wurde als Erfolg gewertet. Chefaufseherin Danièle Nouy (64) eilt der Ruf voraus, dass Banker vor ihr strammstehen. „Alle hier fürchteten sie“, heißt es aus Frankreich. „Ein Aufseher muss nicht beliebt sein, sondern streng“, sagt sie selbst. Die mit einem Versicherungsmakler verheiratete Mutter zweier erwachsener Töchter ist fest überzeugt, dass ein Finanzsystem nur mit Regeln funktioniert.

Chlorhuhn wird zum Anti-TTIP-Symbol

In keinem anderen Land wird das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU emotionaler diskutiert als in Österreich. Die Gegner machten das „Chlorhuhn“ zum Symbol. Beim Abkommen geht es um die Abschaffung von Handelsbarrieren. Sowohl in den USA als auch in Europa fürchten Kritiker niedrigere Standards. Umstritten ist auch der geplante „Investitionsschutz“ – also Schiedsgerichte, bei denen Firmen gegen rückwirkende Gesetzesänderungen klagen können, die ihr Geschäftsmodell untergraben.

Alibaba und die 25 Milliarden: Der größte Börsegang

Rund um den Globus gingen heuer mehr als 1200 Unternehmen neu an die Börse. Insgesamt 257 Mrd. Dollar holten sie sich so von Kleinanlegern und großen Investoren. Märchenhafte zehn Prozent davon entfielen auf einen Neuzugang: Bei der Börsenpremiere in New York am 19. September sammelte der chinesische Internethändler Alibaba 25 Mrd. Dollar ein. Alibaba-Gründer Jack Ma, ein ehemaliger Englischlehrer, wurde schlagartig zum reichsten Chinesen und mittlerweile auch zum reichsten Mann ganz Asiens. Alibaba ist auch als Unternehmen ein Gigant – mit mehr als 300 Mio. Kunden und 8,5 Mio. privaten Händlern, die über Alibaba-Plattformen verkaufen.

Die Menschen des Jahres 2014: Welche Persönlichkeiten das ablaufende Jahr noch geprägt haben, lesen Sie hier.

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