OMV-Chef Rainer Seele

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Wirtschaft von innen
03/24/2020

Aufregung bei OMV: Wo steckt der Boss?

Angeblich flog Rainer Seele trotz Sicherheits-Warnung ins Feriendomizil nach Irland. Vermutlich Kurzarbeit - aber Rekord-Dividende.

von Andrea Hodoschek

Soviel ist sicher: Am Freitag, den 13. März, war OMV-Boss Rainer Seele noch in der Konzernzentrale in Wien. Auf einer Pressekonferenz gab er die Details des vier Milliarden Euro schweren Borealis-Deals bekannt.

Seitdem wird im Unternehmen aufgeregt gerätselt, wo sich Seele aufhält. Der Chef habe sich in sein Feriendomizil in Irland verabschiedet und sei immer noch dort, wird kolportiert.

OMV-Sprecher Alexander Rinofner will dazu keine Stellungnahme abgeben und erklärt lediglich, Aufenthaltsorte von Vorständen gebe man prinzipiell nicht bekannt. Seele habe drei Wohnsitze, Irland sei kein Feriendomizil. Alle vier OMV-Vorstände arbeiten derzeit vom Home Office aus. Der Vorstand sei voll handlungsfähig, auch wenn physische Präsenz notwendig sein sollte.

Es gibt ja Vertretungsregeln und Seele ist im Normalbetrieb auch oft im Ausland. Doch in Zeiten wie diesen ist die Lage wesentlich sensibler. Die teilstaatliche OMV ist immerhin Österreichs größtes börsenotiertes Unternehmen und der wichtigste Energieversorger des Landes.

Hohes Sicherheitsrisiko

Die Vorbildwirkung wäre alles andere als positiv. Bereits am Donnerstag, den 12. März, hatte das Außenministerium in einem außergewöhnlichen Schritt die ganze Welt zu einem Gebiet mit „hohem Sicherheitsrisiko“ für Österreicher erklärt. Und Seele könnte frühestens am 13. März in ein Flugzeug nach Irland gestiegen sein. Da musste ihm das Risiko einer solchen Reise schon bewusst gewesen sein. Sollte der OMV-Boss vor dem Ende der Corona-Beschränkungen ins Headquarter müssen, bliebe nur der Privatjet. Fragt sich, ob die OMV dann die Kosten übernehmen würde.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die OMV in den nächsten Tagen Kurzarbeit anmeldet. Noch aber ist laut Rinofner keine Entscheidung gefallen. Der Konzern beschäftigt in Österreich rund 4.000 Mitarbeiter.

Kurzarbeit?

Im Unternehmen wird allerdings die Kritik immer lauter, wie staatlich großzügig geförderte Kurzarbeit und eine Rekorddividende für die Aktionäre zusammenpassen. Der Vorstand beschloss, Aufsichtsrat und Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende von 1,75 auf 2 Euro je Aktie vorzuschlagen. Seele erklärte zuletzt, die „progressive Dividendenpolitik“ werde beibehalten.

Man kann es aber auch so sehen, dass sich die OMV die Kurzarbeit teils selbst bezahlt. 31,5 Prozent der Dividende von insgesamt rund 650 Millionen Euro holt sich der Finanzminister. 24,9 Prozent der Dividende fließen zum Syndikatspartner Mubadala nach Abu Dhabi. Der wie berichtet unter Kapitalknappheit leidet und daher Anteile an Borealis an die OMV verkauft.

Gerlinde Tumpel-Gugerell

Noch ist fraglich, ob die Hauptversammlung wie geplant am 19. Mai stattfindet oder wegen der Corona-Krise verschoben wird. Fix ist jedenfalls, dass entgegen anderer Gerüchte die SPÖ-nahe Ex-Notenbankerin Gertrude Tumpel-Gugerell im Aufsichtsrat bleibt. Der Konzern profitiere sehr von ihrer volkswirtschaftlichen Expertise, sie leite den Prüfungsausschuss höchst professionell, hört man im Unternehmen. Tumpel-Gugerell ist auch im Aufsichtsrat von Commerzbank, Vienna Insurance Group (VIG) und AT&S.

Trotz Kritik hält sich der 77-jährige Wolfgang Berndt an der Spitze des Aufsichtsrates. Er ist bereits das zehnte Jahr in dem Gremium und hat sich mit seinem Vorgehen in Zusammenhang mit Borealis keine Lorbeeren geholt. Berndt setzte den Mega-Deal ziemlich voreilig zur Abstimmung auf die Tagesordnung. Da jedoch zu viele Fragen offen waren, musste er die Causa auf die nächste Sitzung verschieben. Dort wurde der Borealis-Deal dann abgesegnet.

profil 37/15, Seite 37

Schelling-Vertrag

Der Berater-Vertrag des Ex-Finanzministers für das Pipeline-Projekt Nordstream 2 der russischen Gazprom mit Beteiligung der OMV lief übrigens Ende 2019 aus.