APA4811208-3 - 05082011 - KIRNBERG AN DER MANK - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT WI - THEMENBILD - Illustration zum Thema Ernte / Getreideernte: Ein Mähdrescher aufgenommen bei der Ernte von Weizen am Mittwoch, 03. August 2011, auf einem Feld (Acker) in Kirnberg an der Mank, Niederösterreich. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER

© APA/HELMUT FOHRINGER

Saatgut-Züchter
07/11/2015

"Wir leben sehr gut mit dem Verbot der Gentechnik"

Heimische Saatgut-Produzenten trotzen der übermächtigen Konkurrenz.

von Andreas Anzenberger

Es ist eine Geschichte wie David gegen Goliath. Die Probstdorfer Saatzucht aus dem Marchfeld kommt auf einen Jahresumsatz von etwa 14 Millionen Euro. Der gesamte Saatgutmarkt in Österreich beträgt rund 120 Millionen Euro. Diese Kennzahlen sind im internationalen Vergleich ohne Bedeutung. Allein der weltweit agierende Saatgutkonzern Monsanto erreichte 2014 einen Umsatz von fast zwölf Milliarden Euro.

Trotzdem ist Michael Gohn, Geschäftsführer der Probstdorfer Saatzucht und Obmann der Saatgut Austria, guter Dinge. Die Mitglieder der Saatgut Austria warten nicht einfach ab, was die Zukunft so bringt. Probstdorfer hat mit der Saatbau Linz einen gemeinsamen Zuchtbetrieb gegründet.

Das Tochter-Unternehmen Saatgut Donau ermöglicht "Züchtungen auf einem Niveau, wie wir es uns alleine nicht hätten leisten können", verweist Gohn auf die Vorteile. "Wir haben 11.000 Parzellen Weizen im Zuchtgarten. Wegen des genetischen Materials für Qualitätsweizen wären wir für Übernahmen interessant. Aber wir verkaufen nicht."

Erst kürzlich wurde ein mittelständischer Saatgutproduzent von einem Branchenriesen um das Sechsfache seines Marktwertes übernommen. "Die Großen kaufen Genetik", kommentiert Gohn diese Marktstrategie.

Mutation

Dafür gibt es Gründe. Die vielfältigen Anforderungen wie Klima, Boden oder die Mutation von Pflanzen-Schädlingen machen immer neue Züchtungen notwendig. Je größer der Gen-Pool, der dafür zur Verfügung steht, desto größer die Erfolgsaussichten.

Wegen der milden Winter ist derzeit der Befall von Getreide durch den Pilzschädling Gelbrost besonders stark. Es wurden bereits Gelbrost-resistente Sorten gezüchtet. Doch wenn der Pilzschädling mutiert, müssen die Sorten entsprechend nachjustiert werden. Probstdorfer hat mit regionalen Partnern ein Zuchtprogramm aufgebaut, das die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an den Klimawandel prüft. An mehreren Standorten in Europa wird die Resistenz gegen Hitze getestet.

Dass Probstdorfer Spezialist für Qualitätsweizen wurde und etwa 30 Prozent des heimischen Weizenmarktes versorgt, ist kein Zufall. Wegen der geringeren Niederschläge würden besonders ertragreiche Sorten, wie sie etwa in Deutschland angebaut werden, in Österreich nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Daher wird hierzulande insbesondere Qualitätsweizen angebaut. Wenn schon ein geringerer Ertrag, dann wenigstens eine hohe Qualität.

Anbauverbot

Das diese Woche im Nationalrat beschlossene Anbau-Verbot für gentechnisch veränderte Pflanzen ist ein Vorteil für die österreichischen Saatgutzüchter. "Wir leben sehr gut mit dem Verbot der Gentechnik", bestätigt Gohn. Die extrem teure Gentechnik können sich nur die großen Konzerne leisten.

In Amerika werden gentechnisch veränderter Mais und gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut. Wegen des starken Unkrautbefalls auf den riesigen Feldern wird gleichzeitig angebaut und gespritzt. Bei gentechnisch veränderten Sorten fällt die Wartezeit von drei Wochen zwischen Anbauen und Spritzen weg. Gohn schätzt, dass dadurch der Ertrag um 15 bis 20 Prozent gesteigert werden kann.

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