Wirtschaft
21.05.2017

"Wir haben die Schulden für das Falsche gemacht"

Zukunftstalk in Bad Aussee: Androsch und Cernko fordern Umkehr.

"Wo ist der Politiker, der sagt, wir müssen sparen", fragte Ex-Raiffeisenbanker Herbert Stepic. Er war einer Meinung mit den Managern und Forschern beim "Medien.Mittelpunkt Ausseerland" (veranstaltet vom Presseclub Concordia und dem Verband der Auslandskorrespondenten). Sie alle wünschten sich eine Neuausrichtung des Landes.

Medizin wird zum Gift

So lobte der Industrielle Hannes Androsch das gut ausgebaute Sozialsystem. Aber jedermann wisse, dass sich ein Zuviel einer Medizin leicht in Gift verwandeln könne. "Wir haben die Schulden für den falschen Zweck gemacht." Also für Beamtenpensionserhöhungen zum Beispiel, statt für Jungunternehmer- und Universitätsförderung.

Schon eine einprozentige Zinssteigerung verteuere den österreichischen Zinsendienst um zwei Milliarden, warnte er. Tatsächlich neige sich die Niedrigzinspolitik dem Ende zu, ergänzte Ex-EZB-Bankerin Gertrude Tumpel-Gugerell.

Risikokapital aus Spareinlagen

Doch die Finanzbildung, kritisierte Erste Group-Risikovorstand Willibald Cernko, komme in Österreich viel zu kurz. Was auch die Politik davon abhalte, das Geld sinnvoll arbeiten zu lassen. Laut Cernko liegen hierzulande 600 Milliarden Euro auf privaten Sparkonten. Würde man steuerliche Anreize schaffen, damit nur sechs Milliarden davon als Risikokapital in Gründer investiert würden, wäre schon viel getan. Von den Politikern höre er dazu jedoch nur: "Wir können doch keine Anreize für Vermögende schaffen."

Wie man junge Start ups fördert, zeige die Schweiz vor, sagte der in Zürich lebende Ausseer und Chef eines Schweizer Technologie-Inkubators, Gerhard Plasonig: Dort könne man zum Beispiel mit den Steuerbehörden einen Deal schließen, um in den ersten Jahren keine Steuer zahlen zu müssen. Und hier gebe es auch genügend Käufer für Firmen. In Österreich hingegen müssten sich alle "bei Mateschitz und Haselsteiner anstellen".