Wirtschaft 13.06.2018

„Wir freuen uns auf gute Spiele, heiße Tage und Durst“

Wohl bekomm’s: Handel und Brauereien freuen sich über regen Zuspruch ihrer Kunden © Bild: Pamela A. Moore/Istockphoto

Für den Elektronikhandel ist eine Fußballweltmeisterschaft wie ein zweites Weihnachten

Für Wolfgang Krejcik ist die Fußball-WM wie ein zweites Weihnachtsfest. Der Bundesobmann des Elektro- und Einrichtungsfachhandels hofft, dass sich seine Branche rund um die Weltmeisterschaft „dem Weihnachtsumsatz annähert“. Dieser ist in etwa doppelt so hoch wie in einem normalen Monat.

Zwischen 800.000 und 900.000 Fernsehgeräte verkaufen Österreichs Händler im Jahr, in vielen Haushalten gibt es längst zwei bis drei Geräte. „Im Fachhandel werden jetzt besonders hochwertige Modelle gekauft“, weiß Krejcik. Die Anschaffungskosten liegen zwischen 2000 und 3000 Euro. „Sehr begehrt sind heuer große OLED- und 4K-Geräte, Samsung liegt hier unter anderem mit Geräten mit 82 Zoll Bilddiagonale stark im Trend“, beobachtet auch Jörg Bauer, der Vertriebsleiter von MediaMarkt Österreich.

Ein Prost auf die WM

Mit dem Fußball kommt traditionell auch Bewegung ins Geschäft der Bierbrauer. „Wir freuen uns auf gute Spiele, heiße Tage und den Durst“, sagt Sigi Menz, Sprecher der Brauereien und langjähriger Ottakringer-Chef. Auf konkrete Umsatzprognosen will er sich nicht einlassen, aber die Verbindung von Fußball-Großereignissen und Bier sei nicht wegzudiskutieren. Ähnliches ist von den anderen Brauereien zu hören. „In der Regel liegen die Umsätze in WM-Zeiten rund zehn Prozent über dem normalen Niveau“, schätzt Gabriela-Maria Straka, Sprecherin der Brau Union. „Am Ende zählt aber das Jahresergebnis, und für dieses ist ein heißer Sommer entscheidender als die Weltmeisterschaft.“

Dennoch lohnt sich für Österreichs Brauereien ein Blick gen Moskau. 2017 haben sie 853.000 Liter nach Russland geliefert, um 58 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Markt schrumpft aber seit 2007. Als Gründe werden die Wirtschaftskrise sowie zunehmende Regulierungen und Verbote angeführt.

Viele Ökonomen sind skeptisch, dass das Großereignis die russische Wirtschaft spürbar und dauerhaft ankurbelt. „Das Ereignis ist wirtschaftlich zu klein, um einen nachhaltigen Einfluss auf das Wachstum zu haben“, sagt Gert Wagner vom Berliner DIW-Institut. Auch Sportartikelriesen wie Adidas halten sich mit ihren Umsatzerwartungen auffallend zurück.simone hoepke

( kurier.at , sh ) Erstellt am 13.06.2018