Wifo-Chef: Preise für Flugtickets werden "stark steigen"

Wegen Kerosinmangels steigen die Preise bei Flugtickets, das wiederum lasse die Nachfrage und somit in weiterer Folge das Angebot sinken, so Wifo-Chef Felbermayr.
AUA - BETRIEBSVERSAMMLUNGEN SORGEN FÜR FLUGAUSFÄLLE

Zusammenfassung

  • Wifo-Chef Felbermayr erwartet durch den Iran-Krieg stark steigende Flugticketpreise und sinkende Nachfrage nach Flügen.
  • Die blockierte Straße von Hormuz führt zu Kerosin- und Dieselknappheit, was auch an Tankstellen für wenig Entlastung sorgt.
  • Felbermayr lehnt Tankrabatte ab und empfiehlt stattdessen Entlastungen am Strommarkt.

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr erwartet infolge des Iran-Kriegs deutlich höhere Kosten für Flugreisende. "Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen", sagte der Ökonom dem Deutschlandfunk in seiner Funktion als deutscher "Wirtschaftsweiser". Wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.

Grund sei die im Zuge des Iran-Kriegs blockierte Straße von Hormus, die zu einer Knappheit von Kerosin und Diesel auf dem Weltmarkt führe, so Felbermayr. Daher erwarte er auch an den Tankstellen in den nächsten Monaten wenig Entlastung. Das sei der geringen Produktion von Diesel und Kerosin in Europa geschuldet.

Felbermayr gegen Tankrabatte

Auf diese Lage nun mit einem Tankrabatt zu reagieren, wie es die deutsche Bundesregierung plant, hält der Wifo-Direktor allerdings für einen Fehler. Wenn man den Sprit vergünstige, gebe es weniger Anreize, weniger oder langsamer zu fahren, wie es in einer Knappheit angemessen wäre, betont er. "Das wiederum bedeutet, dass wir zu viel Nachfrage nach den knappen Rohstoffen haben und das treibt erst recht die Marktpreise von Diesel und Benzin nach oben."

Stattdessen wäre es besser, das Geld am Strommarkt einzusetzen, schlägt Felbermayr vor. So könne man dafür sorgen, "dass dauerhaft die Steuerbelastung in diesem Bereich geringer wäre". Felbermayr wurde vor wenigen Wochen in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland berufen, den sogenannten Rat der Wirtschaftsweisen.

IWF warnt Europa vor zu breiten Energiehilfen

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt die EU-Länder vor übermäßigen Staatshilfen als Reaktion auf die stark gestiegenen Energiepreise. Breite Entlastungen verfälschten das Preissignal, das eigentlich zur Senkung des Verbrauchs führen sollte, sagte der Direktor der IWF-Europa-Abteilung, Alfred Kammer, der Nachrichtenagentur Reuters. "Viele der diskutierten Maßnahmen schwächen dieses Signal ab", erklärte er.

Falls Regierungen eingriffen, sollten sie sich auf die ärmsten Haushalte konzentrieren. Breite Eingriffe kämen tendenziell einkommensstärkeren Haushalten zugute, die mehr Energie verbrauchten. Kammer empfahl stattdessen Pauschalzahlungen gezielt an die ärmsten Haushalte, was auch weniger kosten würde.

Breite Entlastungen könnten die Staatskassen dagegen enorm belasten, mahnte Kammer. Zudem müssten alle Maßnahmen ein klares Enddatum haben. Einige Länder hätten noch immer "vorübergehende" Maßnahmen aus der letzten Krise in Kraft, was eindeutig zu lang sei. Haushaltsdisziplin sei von entscheidender Bedeutung, da die europäischen Länder einem enormen Ausgabendruck bei der Verteidigung, bei Pensionen und der Gesundheitsversorgung ausgesetzt seien.

Druck auf Politik sehr hoch

Kammer räumte ein, dass der Druck der Wähler auf die Politik sehr hoch sei. Die Europäer hätten sich seit der Corona-Pandemie 2020 und dem Energieschock durch den russischen Einmarsch in der Ukraine 2022 daran gewöhnt, bei jeder Krise staatliche Unterstützung zu erwarten.

Die EU-Kommission will den Mitgliedstaaten erlauben, mehr öffentliche Mittel einzusetzen, um Unternehmen bei den Kosten für Treibstoff und Düngemittel zu unterstützen. Europas starke Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten hat die Region anfällig für Preissprünge gemacht. Auslöser der jüngsten Krise ist der Iran-Krieg und in dessen Folge die Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl und Gas.

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