Wirtschaft
05.07.2018

Wienwert: Mit maroden Zinshäusern Anlegergeld verbrannt

Der Masseverwalter klagt jetzt die zwei Firmengründer und erhebt Missmanagement-Vorwürfe

Vor fünf Monaten ist der Wiener „Zinshaus-Sanierer“ Wienwert mit Bomben und Granaten in die Pleite geschlittert. Jetzt stellt sich heraus, dass der Bankrott viel umfangreicher ist als bisher angenommen. Laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform wurden im Insolvenzverfahren der Wienwert Holding (WW Holding) bisher 79,05 Millionen Euro und im Verfahren der Wienwert AG rund 13,2 Millionen Euro Forderungen angemeldet. Die Schulden der unzähligen Tochtergesellschaften sind dabei aber noch nicht eingerechnet. Mehr als 35 Millionen Euro entfallen auf geschädigte Anleihezeichner und rund 34,5 Millionen Euro auf Banken.

„Nicht zu erwarten waren Forderungsanmeldungen der Wienwert-Gründer und -Aktionäre Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzoglu in Höhe von 11,36 Millionen Euro“, schreibt Masseverwalter Norbert Abel in einem Bericht. Freies Vermögen soll de facto keines vorhanden sein.

„Der Masseverwalter muss ein enormes Chaos aufarbeiten“, sagt Gerhard Weinhofer von Creditreform zum KURIER. „Wir drängen darauf, dass alles lückenlos aufgeklärt wird und die Verantwortlichen zu Rechenschaft gezogen werden.“

Fakt ist, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen drei ehemalige Wienwert-Vorstände wegen des Verdachts der Untreue, der betrügerischen Krida, des Betruges und der Bilanzfälschung ermittelt. Anfang April 2018 wurden sämtliche Geschäftsunterlagen der Wienwert-Gruppe durch die Kripo sichergestellt. Die Vorwürfe werden bestritten.

Schwere Mängel

Masseverwalter Norbert Abel hat vier Juristen engagiert, um Loch für Loch bei Wienwert aufarbeiten zu können. Zugleich lässt er die Konzernverrechnung „auf Plausibilität und Schlüssigkeit“ von einem Sachverständigen prüfen. Spätestens Ende 2015 war Feuer auf dem Dach. Außerplanmäßige Abschreibungen (14,8 Millionen Euro) führten zu einem negativen Eigenkapital von fast zehn Millionen Euro. Zwei Jahre später hatte es sich sogar fast verdreifacht.

„Die Insolvenz ist auf immobilienwirtschaftliche Planungs- und Umsetzungsfehler zurückzuführen“, hält Abel fest. „Der Zustand der verbliebenen Immobilien indiziert ein über den Einzelfall hinausgehendes Missmanagement.“ Das erscheint eher diplomatisch ausgedrückt. Die Liste der Problem-Projekte ist nämlich lang:

So sind ein Zinshaus und ein Rohdachboden in Wien-Währing mit rund elf Millionen Euro Hypothekar-Pfandrechten belastet, der Verkehrswert der Immobilien wird von Sachverständigen bloß auf 3,5 Mio. Euro geschätzt.

So ist ein Gewerbeobjekt (Supermarkt) in der Steiermark mit 1,5 Millionen Euro an Hypotheken belastet, der Wert wird aber laut Masseverwalter mit lediglich 300.000 Euro beziffert.

So wurde ein Zinshaus (50 Wohnungen) in Wien-Neubau zum Teil verkauft, doch die Grundbucheintragen stimmen nicht mit den einzelnen Kaufverträgen überein. Der Dachbodenausbau weist schwere Mängel auf. Die Bauarbeiten wurden mangels Geld „irgendwann einmal eingestellt“. „Das Gebäude befindet sich faktisch in einem unverkäuflichen Zustand“, meint der Verwalter.

Bei einzelnen Zinshäusern sind die zwei Gründer nach wie vor persönlich beteiligt. Sie werden bei einem Verkauf am etwaigen Erlös mitnaschen. Indes nimmt der Konkursverwalter die zwei Gründer unter Beschuss. In einem ersten Schritt klagt er sie auf Rückzahlung eines Darlehens (1,37 Mio. Euro).

„Meine Mandanten hatten niemals die Absicht, Anleger zu schädigen. Wenn das passiert ist, wird zu prüfen sein, wie es dazu gekommen ist“, sagt Ewald Scheucher, Anwalt der zwei Wienwert-Zampanos. „Sie haben sich nicht bereichert. Sie haben sich auf anerkannte und teure Berater verlassen.“