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Wiener Börse sieht noch weiteres Aufholpotenzial bei Investoren

Anreize für private Anleger fehlen. Rekordergebnis im Vorjahr.
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Österreichs Aktienmarkt befindet sich auf einem Allzeithoch. Gegenüber zahlreichen internationalen Indizes wurde im Vorjahr und auch im ersten Halbjahr 2026 eine deutliche Überrendite erzielt. Bereits 31 Prozent der heimischen Bevölkerung besitzen Wertpapiere. Und dennoch ist für Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, bei Weitem nicht alles Eitelwonne. Vor allem die politischen Rahmenbedingungen wertet er als herausfordernd. Er wünscht sich den „dringenden Rückbau der Diskriminierung der Aktienanlage“.

Konkret geht es Boschan um die private Altersvorsorge. Während in anderen Ländern seit vielen Jahren Gelder auch am Kapitalmarkt veranlagt werden und so das System finanziell entlasten, fehlen in Österreich nach wie vor großteils entsprechende Entlastungen. Auch das von der Vorgängerregierung geplante Vorsorgedepot gibt es bisher nicht. Anders in Polen: Dort gibt es seit Neuestem dafür steuerliche Begünstigungen und in Tschechien sind Kursgewinne auf Aktien nach drei Jahren steuerfrei. 

Christoph Boschan

Lediglich auf betrieblicher Ebene (Pensionskassen) ist eine Verbreiterung der Basis der Anspruchsberechtigten geplant. Allerdings ohne eine automatische Anmeldung für die betriebliche Vorsorge. Das ist laut Boschan aber in anderen Ländern üblich und für den Erfolg des Modells entscheidend. „Bloß nichts neu erfinden, schlicht in die Welt schauen, Österreich unterscheidet sich durch nichts von diesen Ländern“, ruft er die Regierung dazu auf, diesbezüglich in die Gänge zu kommen.

Boschan ist zwar bewusst, dass das Umlageverfahren bei der Altersvorsorge in Europa der Schwerpunkt sein werde, aber in homöopathischen Dosen mittels Wertpapieren auch vorzusorgen, sei das Gebot der Stunde.

Mit einer Verbreiterung der Investmentbasis könne auch die Marktkapitalisierung (Börsenwert eines Unternehmens) der an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen gehoben werden. Aktuell beträgt er in Wien 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Griechenland sind es zum Vergleich 32 Prozent, in Spanien und Deutschland je 44 Prozent, in China 63 Prozent und in der Schweiz sogar 210 Prozent.

Bilanz

Die Wiener Börse selbst hat im Vorjahr sowohl Umsatz als auch Gewinn erneut gesteigert. Der Umsatz kletterte von 81,8 auf 90,1 Millionen Euro nach oben, das Ergebnis vor Steuern von 50,1 auf 53,4 Millionen Euro. Aktien im Wert von 84 Milliarden Euro (Vorjahr 74 Mrd.) wurden gehandelt. „Gott sei Dank gibt es eine Weltkonjunktur“, sagt Boschan. Österreichs Unternehmen verfügten über stabile und anpassungsfähige Geschäftsmodelle, bei denen es auf die Lage im Heimatland nicht ankomme.

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