Wirtschaft
14.03.2014

Wie Sparer die lokale Wirtschaft fördern können

In OÖ finanzieren Kleinanleger Ökoprojekte, in Südtirol geben sie Geld für Investitionen von Biobauern.

Wenn Banken die Kreditbremse ziehen und nur noch die bonitätsstärksten Unternehmen finanzieren wollen, schaut es für Kleinstunternehmen auf dem Land düster aus. Ihre Investitionspläne werden mangels Kredit aufgeschoben und aufgeschoben – bis sie irgendwann aufgeben.

"Mehrwertgeld" in Kirchdorf

Im oberösterreichischen Bezirk Kirchdorf an der Krems hat sich eine Gruppe von Menschen gefunden, die dem Austrocknen der lokalen Wirtschaft nicht länger zusehen wollen. Sie haben das Projekt " Mehrwertgeld" (zur Website) entwickelt, das den lokalen Kleinunternehmern wieder Investitionen ermöglichen soll. Die Grundidee ist schnell erklärt: Sparer können bei der lokalen Raiffeisenkasse und bei der Sparkasse ihr Geld in einem Mehrwert-Sparbrief anlegen, über den speziell für ein Projekt Mittel aufgebracht werden. Die Anleger akzeptieren dafür eine sehr geringe Verzinsung, der Kreditnehmer bekommt eine billige Finanzierung.

Drei Investitionsprojekte wurden auf diese Weise bereits finanziert. 19.000 Euro wurden für die Gründung einer Projektgemeinschaft vergeben, die ein Kleinwasserkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage errichten will. Der Kredit läuft fünf Jahre, der Zinssatz beträgt 1,8 Prozent. 25.000 Euro bekam ein Nahversorgungsgeschäft und 23.000 Euro stehen für einen Biobäcker zur Verfügung, der damit ein E-Auto zur Auslieferung des Gebäcks kaufen will.

Null Ausfälle

Das Projekt Mehrwertgeld kann auf die langjährige Erfahrung einer Südtiroler Initiative zurückgreifen. "Ethical banking" heißt das dort und wurde vor 14 Jahren von Helmut Bachmayer, damals Mitarbeiter der Raiffeisenbank Bozen, ins Leben gerufen. Mittlerweile haben sich 24 Südtiroler Raiffeisenbanken dem Projekt angeschlossen, 30 Millionen Euro haben sie für lokale Investitionen bereitgestellt.

"In der sehr schwierigen Wirtschaftslage in Italien ist das Geld aus dem Ethical-banking-Projekt besonders wichtig. Die Banken sind bei der Kreditvergabe extrem zurückhaltend", sagt Bachmayer. Finanziert wurden Projekte im Bereich fairer Handel, Investitionen von Biobauern oder erneuerbare Energien. Zuletzt hat sogar ein "Termingeschäft" ins Ethical banking Einzug gefunden: Ein Biobauer verkauft Käse für zehn Jahre im voraus. Die Anleger, die ihm das Geld dafür geben, bekommen jährlich eine bestimmte Menge an Käse dafür.