Köst-Senkungen sind kein Österreich-Spezifikum: Die Raten sind von 2000 bis 2018 in 76 Ländern gesunken.

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Wirtschaft
05/13/2019

Wie sich Österreich weltweit nach der KöSt-Senkung einreiht

Die Regierung plant weniger Steuer auf Gewinne: Wird so der Standort attraktiver? Kritiker sind skeptisch.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Von der Steuerreform werden auch Unternehmen profitieren. Sie brauchen allerdings Geduld: Erst 2022 soll der Satz der Körperschaftsteuer (KöSt) in Österreich von aktuell 25 Prozent auf 23 Prozent sinken. Die volle Entlastung käme nach den Regierungsplänen 2023 zu tragen: ab dann gelten 21 Prozent. Begründet wird die Senkung mit dem Gerangel um Firmenansiedlungen: Niedrigere Gewinnsteuern machten den Standort attraktiver.

Eine Abwärtsspirale

Aber wie viel Boden macht Österreich so wirklich gut? Eine Analyse mit Hilfe der OECD-Datenbank zeigt: Mit 25 Prozent liegt Österreich im Ranking der „Hochsteuerländer“ knapp im oberen Drittel, konkret auf Platz 32 von 94 Staaten weltweit. Nach der ersten Etappe der Steuerreform würde sich Österreich hinter Platz 44 (Malaysia) einreihen. Und mit 21 Prozent würden im Endausbau auf Platz 54 sogar Schweiz und Slowakei abgehängt.

Das alles gilt freilich unter einer Voraussetzung: Dass die anderen nicht nachziehen. Was eher unwahrscheinlich ist, denn die Abwärtsspirale dreht sich kräftig, wie die OECD analysiert.

Österreich selbst hatte 2005 seinen KöSt-Satz von 34 auf 25 Prozent gesenkt. Und war damit nicht allein: Die Raten sind in den Jahren 2000 bis 2018 in gleich 76 Ländern gesunken. Konstant geblieben sind sie in zwölf Staaten, gestiegen in sechs.

Und die Tendenz ist weiter fallend. Bestes Beispiel sind die USA: Ihr Steuersatz war mit 35 Prozent KöSt auf Bundesebene einer der weltweit höchsten. Im Vorjahr wurde das von Präsident Trump radikal auf 21 Prozent gestutzt. Rechnet man Aufschläge der Bundesstaaten ein, ergibt das jetzt nominell laut OECD 25,8 Prozent.

Die Prozentsätze alleine sagen freilich wenig über den Standort aus, wie Deutschland beweist. Dort summieren sich die Körperschaft- und Gewerbesteuer auf stolze 29,8 Prozent. Was der Attraktivität offenbar keinen Abbruch tut.

Die Prozentsätze sind ohnehin das eine, die echte Steuerleistung das andere. Deshalb wertet die OECD auch den Anteil der (gewinnabhängigen) Unternehmenssteuern am gesamten Steuerkuchen aus. Verblüffendes Ergebnis: Österreich reiht sich hier schon jetzt mit 5,6 Prozent Anteil ganz weit hinten ein. Nur in 13 der 94 Länder ist der Anteil der Gewinnsteuern noch kleiner – darunter just in Deutschland mit 5,2 Prozent (OECD-Durchschnitt 9,0 Prozent).

Die jetzige Besteuerung begünstige Großunternehmen, kritisiert die kapitalismuskritische NGO Attac. Diesen stünden viele (legale) Optionen offen, ihre Steuerbasis zu verringern, die Klein- und Mittelbetriebe nicht hätten.

Progressive Sätze

Attac schlägt eine „progressive“ Unternehmenssteuer vor. Das kennt man von der Einkommenssteuer – je höher der Verdienst, umso höher die Steuerstufe. In Südkorea gebe es das schon jetzt.

Fazit der Attac-Modellrechnung: Wenn Österreich auf Unternehmensgewinne bis 40.000 Euro nur 22 Prozent, über 500.000 Euro jedoch den einstigen Satz von 34 Prozent einheben würde, so wären die KöSt-Einnahmen für das Jahr 2018 um 2,4 Mrd. Euro höher ausgefallen. Und das, obwohl 93 Prozent der Firmen gleich viel oder weniger gezahlt hätten. Der Mehrbetrag wäre allein von den gewinnstärksten Unternehmen gekommen.