© APA/dpa/Daniel Karmann

Wirtschaft
04/26/2021

Wie Österreichs Konzerne um den Impfstoff rangeln

Austro-Unternehmen, die weltweit tätig sind, verfolgen unterschiedliche Impfstrategien. Manche sind für Einzelgänge, andere dagegen.

von Thomas Pressberger, Michael Bachner

Österreichs Konzerne haben keinen einheitlichen Zugang zur aktuellen Impf-Debatte. Manche ergreifen Eigeninitiative, andere nicht. Dass Mitarbeiter in einigen Ländern bereits geimpft sind und in anderen noch darauf warten, erschwert das Wirtschaften zusätzlich.

"Impfungen sind der einzige Weg, um nachhaltig aus dieser Krise zu kommen. Außer Streit steht, dass die vulnerablen Gruppen Vorrang haben", sagt Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung und Chef der Knill Gruppe. Dann müsse es aber auch eine Impfmöglichkeit für Schlüsselarbeitskräfte der Industrie geben.

Nachteile

Gerade für exportintensive Unternehmen sei das zentral. "Wir sehen bereits Wettbewerbsnachteile zu Unternehmen aus Ländern, in denen bereits geimpft wird", sagt Knill. Wer nicht zu seinen Kunden reisen könne, verliere Umsätze, und das gefährde Arbeitsplätze und Wohlstand in Österreich.

Der Kranherstelle Palfinger fällt durch einen offensiven Zugang zur Impfthematik auf. "Palfinger schöpft alle Möglichkeiten aus, so rasch wie möglich wieder voll handlungsfähig zu werden. Dazu prüfen wir im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch die Option, über unsere Standorte am Balkan Impfungen auf freiwilliger Basis für unsere Schlüsselarbeitskräfte zu organisieren", sagt Vorstandschef Andreas Klauser.

Zu wenig Aufwand

Allerdings werden die Vakzine nicht nach Österreich gebracht, sondern in der Region verabreicht. „Eine erste Gruppe von 40 Mitarbeitern ist in Serbien mit Biontech/Pfizer und AstraZeneca geimpft worden“, so Klauser. Weitere Impfungen sollen in Abstimmung mit der Industriellenvereinigung und dem Land Salzburg durchgeführt werden.

Ebenfalls das Heft selber in die Hand nehmen möchte KTM-Finanzvorstand Viktor Sigl: "In den USA ist der Impffortschritt größer als bei uns, Teile der Belegschaft sind dort schon geimpft. In Österreich kann man leider nicht von einem Impffortschritt sprechen." Besuche bei Importeuren seien für KTM-Mitarbeiter nicht möglich, auch das Dokumentationssystem "Grüner Impfpass" funktioniere noch nicht wirklich.

KTM habe im Betrieb die nötige ärztliche Infrastruktur und eine Impfstraße, es scheitere nur am Auftreiben des Impfstoffes. "Es gibt derzeit keinen Markt für Covid-19-Impfstoffe", sagt Sigl. Es sei aber schwer zu glauben, dass es nicht genug Impfstoff gebe. Er glaubt, dass der logistische Aufwand nicht breit genug betrieben würde und Impfstoffe teilweise in Lagern liegen würden. Könnte auch in Betrieben geimpft werden, wäre das eine Win-win-Situation, sagt Sigl: "Das würde das öffentliche System entlasten und für eine schnellere Durchimpfung sorgen."

Keine Reisetätigkeit

Probleme oder gar Chaos bei der internationalen Reisetätigkeit seiner Mitarbeiter sieht AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer – mit oder ohne Impfen – nicht. Der Grund ist simpel: Die Reisetätigkeit findet coronabedingt einfach nicht statt. Dabei wäre sie für die Kontakte zu den eigenen Standorten in China, Indien und Korea sowie zu den Kunden in aller Welt von enormer Bedeutung, betont der Top-Manager. Er hält es für eine "vorrangige Aufgabe" der Politik, so rasch wie möglich zumindest die Geschäftsreisen wieder zu ermöglichen.

Rosenbauer-Chef Dieter Siegel ist gegen Eigeninitiativen. Er hält es für keine gute Entwicklung, wenn sich einige 100.000 Unternehmen Impfkontingente besorgen würden, während sich auch 190 Länder weltweit darum bemühten. Da werde man "unterm Strich die Gesellschaft nicht geordneter durchimpfen können", so Siegel: "Es ist viel wichtiger, dass die Gesellschaft eine hohe Durchimpfungsrate erreicht." In den USA seien an einzelnen Standorten von Rosenbauer schon fast alle geimpft, er strebe aber keinen Impftourismus an.

Anpassungsfähigkeit

Mit den unterschiedlichen Fortschritten in den Hauptmärkten Österreich, Ungarn und Rumänien, kommt SW-Umwelttechnik-Vorstand Klaus Einfalt gut zurecht: "Wir haben Anpassungsfähigkeit bereits in der Lehman-Krise gelernt." Mitarbeiter in Ungarn seien bereits geimpft, jene in Österreich und Rumänien noch nicht. Wichtig seien in dieser Zeit motivierte Mitarbeiter, Kommunikation über Videotools und regelmäßiges Testen.

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