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Wirtschaft
03/18/2020

2.000 Milliarden Euro Schutzschild für die Wirtschaft

An die 1.000 Milliarden Euro werden in der EU bereitgestellt. Geld auf die Hand: USA starten Experiment mit Helikoptergeld.

von Ingrid Steiner-Gashi

Jeden Tag ein Stück tiefer – unausweichlich schlägt das Coronavirus Schneisen in die Wirtschaftswelt.

Mit nie da gewesenen Maßnahmen beginnen die Staaten multi-milliardenschwere Schutzschilde aufzubauen, um ihren Wirtschaftskreislauf vor einer tödlichen Infizierung zu schützen.

Rechnet man die angekündigten Hilfspakete von EU-Staaten und den USA zusammen, werden an die 2.000 Milliarden Euro als Rettungsbojen an die sinkenden Ökonomien ausgeworfen.

Geldregen

An den ungewöhnlichsten Schritt denken die USA: Bald könnte es – im übertragenen Sinne – Geld regnen, „Helikoptergeld“ genauer gesagt: „Amerikaner brauchen jetzt Cash“, sagt US-Finanzminister Steven Mnuchin. Deshalb solle jeder Amerikaner innerhalb der nächsten zwei Wochen finanzielle Hilfe erhalten.

Und zwar in Form von Schecks in der Höhe von rund 1.000 Dollar. Millionäre sollten nichts davon bekommen, versprach Mnuchin. Doch genau so funktioniert das Prinzip von Helikoptergeld – als würde von einem Hubschrauber aus das Geld auf die unten wartende Menge herab regnen.

Die Schecks sind nur ein Teil eines rund 1.200 Milliarden Dollar schweren Hilfsprogrammes, das die US-Regierung ausarbeitet. Darin vorgesehen: Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen, aber auch bis zu zehntägige Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Es wird das größte Rettungspaket der US-Geschichte.

Schutzwall mit Rekordausmaß

Auch Europa baut an seinem ökonomischen Schutzwall mit Rekordausmaßen – vorerst aber überwiegend jeder EU-Staat für sich. Die große gemeinsame Gegenstrategie der EU-27 lässt noch auf sich warten.

37 Milliarden Euro aus den EU-Strukturfonds liegen fürs Erste bereit. Den Europäischen Rettungsschirm ESM aufzurufen mit seinen gewaltigen 410 Milliarden Euro – dagegen stemmen sich noch die Niederlande und Deutschland.

Höhere Verschuldung

Vorerst machte die EU-Kommission daher nur möglich, was bisher streng verpönt war: Die Beihilfenkontrollen und die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes wurden ausgesetzt. Das gibt auch schwer verschuldeten Staaten wie Italien den Spielraum, riesige Hilfspakete für die Wirtschaft aufzulegen.

Beschlossen haben Europas Finanzminister: Jedes Land verpflichtet sich, rund zehn Prozent seiner Wirtschaftsleistung für staatliche Hilfen an bedürftige Unternehmen und Verbraucher aufzubringen.

Kredithilfen, Kurzarbeit, Steuerstundung

Für Deutschland allein entspricht dies einem Hilfspaket von rund 500 Milliarden Euro. Vorgesehen: Unbegrenzte Kredithilfen, Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld.

Frankreich wiederum erlaubt den Unternehmen, die Zahlung einiger Sozialabgaben und Steuern auszusetzen. Zusätzlich hat die Regierung in Paris staatlich subventionierte Kurzarbeitsprogramme aktiviert. Dafür sind vorerst 45 Milliarden Euro vorgesehen. Sie hat die staatliche Investitionsbank Bpi-france angewiesen, für Kredite in Höhe von 300 Milliarden Euro zu bürgen.

Italien hatte bisher 25 Milliarden Euro für die Stützung seiner schwer in Mitleidenschaft gezogenen Wirtschaft bereit gestellt. Schon jetzt ist klar: Es wird nicht reichen.

Spanien hat ein gewaltiges Hilfspaket im Volumen von 200 Milliarden Euro geschnürt: Es umfasst direkte Finanzhilfen, Kreditbürgschaften sowie Erleichterungen bei Hypothekenzahlungen. Das Paket entspricht 20 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Schweden setzt unter anderem ein Jahr lang Steuereinnahmen aus – das entspricht einem Einnahmenentfall von rund 27 Milliarden Euro. Weitere 31 Milliarden Euro werden in Schweden für Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

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