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Wirtschaft
12/26/2021

Wie es der Teekanne im Homeoffice geht

In Salzburg füllt das Unternehmen rund 1 Milliarde Teebeutel im Jahr ab. Pandemie sorgt für mehr Absatz, doch weltweite Beschaffung der Rohstoffe wird zur Herausforderung.

von Simone Hoepke

Abwarten und Tee trinken. In Zeiten von Lockdown und Homeoffice ist vielen scheinbar gar nichts anders übrig geblieben. Sehr zur Freude von Thomas Göbel. Er ist Österreich-Chef des deutschen Familienunternehmens Teekanne und damit auch für 15 Länder in Zentral- und Osteuropa verantwortlich, die von Österreich aus gesteuert werden.

210 Tonnen Tee lagern im Teekanne-Werk in Salzburg, jede Woche werden etwa 55 Tonnen im Drei-Schicht-Betrieb verarbeitet, normalerweise an fünf, im Winter fallweise an sechs Tagen pro Woche. Die Rohwaren kommen von 150 Lieferanten aus 50 verschiedenen Ländern, und damit ist das allgegenwärtige Problem auch schon auf dem Tisch: Corona und seine Auswirkungen auf die globalen Rohstoffmärkte.

Knappe Hagebutte

„Wie alle Lebensmittelproduzenten haben auch wir mit Verknappungen und Teuerungen bei vielen Rohstoffen zu kämpfen“, sagt Göbel. Etwa bei Hagebutte, die zentraler Bestandteil der meisten Früchtetees ist.

Diese bezieht Teekanne vor allem aus Chile, da in den Hochlagen der Anden gute klimatische Bedingungen herrschen, die eine hohe Qualität sicherstellen. Aufgrund von Lockdowns und strengen Quarantäne-Maßnahmen konnten dort jedoch viele Sammler, die für die Ernte der wild wachsenden Hagebutte benötigt werden, überhaupt nicht oder erst verspätet ihrer Arbeit nachgehen. „Dadurch ergaben sich Ernteverluste von bis zu 80 Prozent, was zu Engpässen bei der Beschaffung und enormen Preissteigerungen geführt hat“, erläutert Göbel.

Weitere Faktoren

Die Rohstoffe sind nur ein Aspekt. Dazu kommen gestiegene Frachtkosten in der Containerschifffahrt und generell Probleme beim Nachschub von Papier und Karton. In Zeiten des boomenden Onlinehandels brauchen Versandhändler mehr Karton, die Ware wird knapp, der Preis steigt. „In unserem Werk in Polen, das den dortigen Heimmarkt bedient, konnten wir kurzzeitig nicht produzieren, weil wir zu wenig Verpackungsmaterial hatten“, sagt der Teekanne-Chef.

Ausschließlich in Salzburg produziert Teekanne übrigens auch Tees unter der Marke Willi Dungl. Vor 20 Jahren hatte das Unternehmen mit dem Verfechter einer gesundheitsbewussten Lebensweise einen Lizenzvertrag abgeschlossen. 2010 hat Teekanne von Dungls Töchtern (Dungl selbst ist im Jahr 2002 gestorben) sämtliche Markenrechte für Willi Dungl übernommen.

Heute ist die Marke des Gesundheitspapstes laut Unternehmensangaben mit einem Marktanteil von 16,5 Prozent die Nummer zwei am österreichischen Teemarkt und die Nummer eins bei Kräutertees (28,6 Prozent Marktanteil).

Skurriles um Willi Dungl

Unter der Marke werden mittlerweile auch Säfte, Bonbons und Rohkostriegel produziert. Skurriles Detail am Rande: Seit diesem Jahr ist Willi Dungls Tochter, Claudia Dungl-Hochleitner, mit ihrer Kosmetik-Linie Lizenznehmerin der Marke ihres Vaters, die sie einst verkauft hat.

2020 wurde übrigens das gesamte Willi-Dungl-Sortiment auf Bio umgestellt und damit auf eines der Wachstumsfelder der Branche. Bei Teekanne liegt der Bio-Anteil aktuell bei rund 40 Prozent, er hat sich damit binnen zwei Jahren fast verdreifacht. Generell hat Corona das Geschäft beflügelt, 2020 sind die Teekanne-Umsätze um zehn Prozent gestiegen. Göbel: „Wir haben gedacht, dass es 2021 eine Rückentwicklung geben wird, aber das Gegenteil war der Fall, der Umsatz steigt weiter.“

Exportquote: 50 Prozent

Die Exportquote von Teekanne Österreich liegt übrigens bei 50 Prozent. Neben dem florierenden Geschäft in Supermärkten war es der Export, der die Gesamtbilanz gerettet hat. Traditionell kommt nämlich ein Fünftel vom Geschäft aus der Gastronomie, ein Absatzkanal der bei 9,5 Monaten Lockdown in Pandemiezeiten mehr oder weniger versiegt ist.

  • Weltmarkt

In den  vergangenen 100 Jahren soll sich der globale Teemarkt mehr als verzehnfacht haben. Die größten Produzentenländer sind China, Indien, Kenia, Sri Lanka und Indonesien.

  • Teegeld

Bis in 20. Jahrhundert wurde in Teilen Südchinas oder Tibet auch mit Teegeld gezahlt. Dabei handelte es sich um zu Barren gepresste Teeblätter.

  • Marktführer

Teekanne ist laut eigenen Angaben  die Nummer 1 in Österreichs Lebensmitteleinzelhandel  (54 Prozent Marktanteil). Allerdings haben die Diskonter und Supermärkte zuletzt ihr Eigenmarkensortiment stark ausgeweitet.

  • 51 Prozent

der in Österreich verkauften Tees sind Kräutertees, gefolgt von Früchtetee (32 Prozent), Schwarz- und Grüntee (11 bzw. 6 Prozent).

  • 78,7 Millionen Euro

hat der Lebensmittelhandel laut Nielsen Daten 2020 mit Tee umgesetzt. Nur sechs Prozent des in Österreich getrunkenen Tees wird lose verkauft, allerdings Tendenz steigend.

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