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Wirtschaft
01/06/2019

Wie ein Tiroler Millionär Menschen bewegen will

Christian Jäger entwickelt Muskelstimulator Easy Motion Skin für Sportler und Menschen mit Muskelproblemen.

Seefeld in Tirol, Mitte der 80er-Jahre. Der Jugendliche Christian Jäger gilt als nicht besonders guter Schüler. Im letzten Schuljahr bricht er die Ausbildung ab, schaut sich im Ausland um, ehe er wieder zurückkehrt und – zur Überraschung seiner Eltern – die HAK-Matura nachmacht. Doch statt des von den Eltern gewünschten Studiums leiht er sich vom Vater 50.000 Mark und macht sich mit dem Vertrieb von Zeitschriften in Deutschland selbstständig.

Das Glück ist auf seiner Seite – die DDR öffnet die Grenzen. Die Menschen hinter dem Stacheldrahtzaun gieren nach West-Medien. Schnell gründet er ein Unternehmen und vertreibt bis heute zwei Millionen Zeitschriften-Abos. Und er beginnt Immobilien zu kaufen.

Hotels

Diese sind bis heute ein wesentliches Standbein der mittlerweile 27 Unternehmen seiner Gruppe, wobei er vor allem in Deutschland aktiv ist. So gründete er das erste Leonardo Hotel, um es dann später an ein israelisches Unternehmen samt Namensrechten zu veräußern. Derzeit betreibt er ein Hotel in Seefeld, ein weiteres übernimmt im zweiten Quartal die Hotelkette Amedia zum Betrieb, wie er im KURIER-Gespräch verrät. „Amedia ist für mich ein verlässlicher Partner und Garant für professionelle Umsetzung. Ich schätze den Gründer und Pionier Udo Chistée als Unternehmer sowie als Freund und Wegbegleiter.“

„Ich scheue das Risiko für neue Dinge nicht“, verrät er sein Erfolgsgeheimnis. Wobei nicht immer alles super gelaufen sei, er habe auch Flops produziert, aber keine Pleite hingelegt. Der Start-up-Financier ist stets interessiert an Chancen und nutzt Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. Auswahlkriterium ist – neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit – die Verbesserung von Lebensqualität. Medizinische Innovationen schlagen für ihn genau in diese Kerbe. So investierte Jäger beispielsweise in das Unternehmen Quanta, das Geräte für Dialyse-Patienten herstellt.

Easy Motion Skin

Neu in Jägers Sammlung ist Easy Motion Skin. Dabei handelt es sich um einen Fitness- und Trainingsanzug, der auf Elektromuskelstimulation (EMS) basiert. Eingebaute Elektroden stimulieren laut Jäger mit niederfrequenten elektrischen Impulsen bis zu 90 Prozent der Körpermuskulatur und sorgen so für erhöhte Sauerstoffaufnahme, Leistungssteigerung und Aufbau von Muskelmasse.

Dank Bluetooth bietet Easy Motion Skin kabellose Bewegungsfreiheit. Gesteuert werden die acht verschiedenen Programme mittels App und Touchscreen auf dem iPad oder Smartphone.

 

 

„Ich will die Welt fitter machen“, sagt der Selfmade-Millionär. „Die Menschen haben immer weniger Zeit, aber zugleich auch höhere Ansprüche an ihren Körper.“ Die Entwicklung richte sich nicht nur an Spitzensportler (Golfer Markus Brier oder Boxweltmeisterin Christine Hammer sind Testimonials), sondern auch an all jene mit Muskelproblemen. „Nachdem ich meine Kinder in die Schule gebracht habe, trainiere ich selbst eineinhalb Stunden damit“, sagt der ehemalige Spring- und Dressurreiter.

Ab 2500 Euro netto

„Einige Tausend Stück“ von Easy Motion Skin seien bereits verkauft worden, der Preis liege ab 2500 Euro netto. „In naher Zukunft will ich davon 10.000 Stück im Jahr verkaufen“, sagt Jäger und hat dabei vor allem die USA und Asien im Visier. Die aufwendige Fertigung des Anzugs erfolge in Handarbeit in Thüringen.

Jäger hat bereits das nächste Projekt, das die Lebensqualität verbessern soll, in Arbeit. Dieses Mal geht es um Inkontinenz, ein zunehmendes Problem in einer alternden Gesellschaft. Eine spezielle Hose unterhalb der normalen Straßenkleidung soll die entsprechenden Muskeln so stimulieren, dass der Urin gehalten werden kann.