Wie die Regierung das Lotto-Monopol weiterhin schützt
Geschätzte 40 Prozent der Österreicher spielen Lotto, das mit Abstand für Anbieter lukrativste Glücksspiel. Verständlich, dass die teilstaatlichen Casinos Austria (Casag) das Monopol ihrer Lotterien-Tochter nicht verlieren wollen. Die Neuvergabe dieser Lizenz wird zweifellos der spannendste Teil der Neuregelung des heimischen Glücksspiel-Marktes.
Die derzeitige Lotto-Konzession läuft Ende September 2027 aus. Im Entwurf der Regierung, Basis für alle Konzessionsvergaben, ist die fixe Verlängerung bis Ende 2028 festgeschrieben. Sollte es bis zu diesem Stichtag allerdings keine rechtsgültige Neuvergabe geben, kann die jetzige Lizenz um bis zu weitere zwei Jahre verlängert werden.
Es ist anzunehmen, dass alle unterlegenen Bieter – das können auch die Lotterien sein – die Vergabe der Lizenz bis zur letzten Instanz anfechten werden, weshalb mit einem langwierigen Verfahren zu rechnen ist.
„Das würde bedeuten, dass der jetzige Konzessionär (die Lotterien) durch Einsprüche selbst seine Konzession verlängern kann“, konstatiert Oliver Schmerold, Österreich-Sprecher von Brightstar Lottery. Bestenfalls, für die Lotterien, um mehr als drei Jahre.
Oliver Schmerold, Sprecher von Brightstar-Österreich
Der US-britische Lotto-Gigant, nach eigenen Angaben international die Nummer eins, begrüßt in seiner Stellungnahme den Entwurf grundsätzlich, doch es sollte „vermieden werden, dass Übergangsregelungen faktisch zu einer kontinuierlichen Verlängerung ohne Wettbewerb führen“. Brightstar will wie berichtet mit einem österreichischen Vertriebs- und Medienkonsortium ins Rennen gehen. Auch die weltweite Nummer fünf, die französische FDJ United, bereitet sich auf die Lotto-Ausschreibung des Finanzministeriums vor.
Das habe mit der späten Ausschreibung zu tun, meint Casag-Sprecher Patrick Minar. Und sei eine Vorkehrung, „dass es ein Lotto-Angebot gibt, auch wenn der Vergabeprozess noch läuft“.
Eine Sonderregelung fordern die Betreiber von Automaten-Casinos, dem „kleinen Glücksspiel“. Sie wollen bereits Anfang 2027 eine Lizenz für Online-Gaming, nicht erst neun Monate später, wenn die Konzessionen auslaufen.
„Gut gemeint“
Sie wollen damit einen Startvorteil gegenüber jenen Anbietern haben, die mit EU-Lizenzen, aber illegal, nach Österreich hereinspielen. Derzeit darf nur die Lotterien-Tochter win2day Online anbieten. „Der Entwurf ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht“, kritisiert Monika Racek, Branchensprecherin in der Wirtschaftskammer und Vorständin von Admiral. Die Automatenbetreiber würden seit Jahren alle Auflagen einhalten, aber genauso behandelt wie die Anbieter ohne Lizenz.
„Wir würden dagegen massiv rechtlich vorgehen. Das wäre ein Eingriff in unsere bestehende Konzession“, warnt Minar.
Derzeit würden 70 Prozent des Online-Glücksspiels im Schwarzmarkt stattfinden, schätzt Racek. In einem geöffneten Markt würden laut Branchenradar 85 Prozent zu legalen Anbietern fließen und die Steuereinnahmen verdoppeln. Legale Angebote dürften aber nicht mit unpraktikablen Regeln überladen werden, sonst würden die Konsumenten wieder am Schwarzmarkt spielen.
Sport will mehr Geld
Die Bundessport-Organisation mit 2,1 Millionen Mitgliedern und 15.000 Sportvereinen will künftig an den höheren Glücksspiel-Steuereinnahmen teilhaben. Man regt an, die Sportförderung entsprechend anzupassen. Auch die Sportwetten sollten künftig zahlen. Die Sportförderung ist gesetzlich geregelt.
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