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Wirtschaft von innen
11/06/2019

Wie die Casinos-Chefin Gas gibt

Bettina Glatz-Kremsner plant Casinos und Online-Gaming im Ausland. Sie rechnet damit, dass sich Finanzvorstand Sidlo nichts zuschulden kommen ließ.

von Andrea Hodoschek

Bettina Glatz-Kremsner hatte sich ihr erstes halbes Jahr als neue Chefin der Casinos-Austria-Gruppe (Casag) vermutlich anders vorgestellt. „Es war für mich keine einfache Zeit, extrem intensiv und teilweise auch turbulent“, zieht die Spitzenmanagerin Zwischenbilanz.

Oberstes Ziel sei gewesen, Schaden vom Unternehmen fernzuhalten, das sei gut gelungen. Glatz-Kremsner stellt derzeit den teilstaatlichen Glücksspielkonzern (ein Drittel hält die Republik) effizienter auf, in Richtung internationale Expansion und neue Konzessionen.

Die Auslandstochter CAI, die ihr glückloser Vorgänger Alexander Labak verkaufen wollte, ist inzwischen saniert und wird heuer das beste Ergebnis seit zehn Jahren einspielen. „Es war gut, diese Perle im Konzern zu behalten“, sagte Glatz-Kremsner am Mittwoch im Rahmen eines Hintergrundgesprächs.

Als kleinerer Anbieter mit hervorragendem Know-how im Spielerschutz (Responsible Gaming) sieht Glatz-Kremsner international gute Chancen gegen die Branchenriesen. Die Casag-Gruppe sei weltweit einer der wenigen Player, der alle Glücksspielprodukte anbiete.

Im ersten Quartal 2020 wird ein neues Casino in Kopenhagen eröffnet, vor dem Sommer folgt ein Standort in Liechtenstein.

Ein „großes Thema“ ist das Online-Gaming. Die CAI werde sich um Online-Lizenzen in Dänemark und der Schweiz bewerben.

Geschlossen wurden Casinos in Tschechien, England und Australien.

Konzessionen

Mit einem erstmals den ganzen Konzern umfassenden Strategieprojekt („Weg“, Wachstum erfolgreich gemeinsam) soll die Casag fit für die Konzessionsvergabe werden. Die Lizenzen für Lotto, die Cash-Cow der Casag, laufen zwar erst 2027 ab und für die zwölf Inlandscasinos 2027 bzw. 2030, doch Glatz-Kremsner rechnet mit der Neu-Ausschreibung des Finanzministeriums spätestens 2022, 2023.

Die wichtigste Konzession ist die Lotto-Lizenz, daran hängen auch Online-Gaming und Automatenspiel. Anzunehmen, dass sich nicht nur die Casag-Großaktionäre Novomatic und Sazka bewerben könnten, sondern weitere internationale Konkurrenten.

Dem Konzern wird kein Sparprogramm verordnet, „aber die Abläufe müssen effizienter werden“. Im Vorjahr wurden 100 Arbeitsplätze abgebaut. Weitere strategische Schwerpunkte sind Unternehmenskultur und Kundenzentrierung.

Rauchverbot

„Tschik aus“ gilt auch in allen Casinos und den 19 Automatenstandorten der Gruppe. Glatz-Kremsner befürchtet auf der Basis der Erfahrungen in anderen Ländern für die ersten drei Jahre einen Umsatzeinbruch zwischen 10 und 30 Prozent.

Vor allem aus dem Casino Bregenz, nach Wien der zweitstärkste Standort, dürften Besucher in die Schweiz und nach Liechtenstein abwandern. Dort darf beim Zocken nach wie vor geraucht werden. Rauchverbot gilt auch in Tschechien und der Slowakei, dort würden Casinos-Betreiber allerdings die Strafen in Kauf nehmen und ihre Kunden weiter qualmen lassen.

Man versuche, mit Bonusprogrammen, Werbung und Freiflächen zum Rauchen dagegen zu halten.

Bei den Spielautomaten (Video Lotterie Terminals winwin) soll die Zahl der Standorte auf 26 ausgebaut werden.

Sidlo

Glatz-Kremsner rechnet damit, dass die internen Untersuchungen in der Casinos-Affäre Ende November abgeschlossen sein dürften. Nach heutigem Stand gehe sie davon aus, dass sich ihr Vorstandskollegen Peter Sidlo „nichts zuschulden kommen ließ“. Sidlo hat sich bis zum Ende der Prüfung selbst beurlaubt.

Die Justiz untersucht nach einer anonymen Anzeige, ob Sidlo aufgrund eines Deals zwischen FPÖ und Novomatic (Konzessionen gegen Vorstandsbestellung) Anfang Mai zum Finanzvorstand bestellt wurde. Die interne Prüfung im Auftrag des Aufsichtsrates, durchgeführt von KPMG und zwei Anwaltskanzlei (Schima, Mayer Starlinger und Frotz Riedl) beleuchet den Bestellungsprozess und mögliche Absprachen. FPÖ und Novomatic dementierten.

Die Casinos Austria seien „in keiner Weise Teil irgendwelcher Absprachen gewesen“, sagte Glatz-Kremsner. Sie selbst wurde bereits befragt und ihr E-Mail-Account durchleuchtet. Sollte Sidlo nicht entlastet werden, müsse sich der Aufsichtsrat damit auseinandersetzen.

Glatz-Kremsner attestierte Sidlo, seinen Job ordentlich zu machen und sprach von einer „professionellen und guten Zusammenarbeit“.

Privatisierung

Glatz-Kremsner spricht sich gegen die von Industrie-Präsident Georg Kapsch geforderte Vollprivatisierung der Casag aus. „Gerade in einem derart sensiblen Bereich wie dem Glücksspiel ist eine staatliche Beteiligung gut und wichtig“. Auch bei neuen Projekten spielt sei eine staatliche Beteiligung hilfreich.

Der Staat als Eigentümer habe ein ganz anderes Verständnis für Responsible Gaming. Es gehe nicht um den „maximalen Ertrag, sondern um den bestmöglichen Ertrag unter strengen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen“.

Geschäft läuft wieder rund

Im ersten Halbjahr 2019 legten die Spielerlöse des Konzerns (3345 Mitarbeiter) um 6,7 Prozent auf 2,257 Milliarden Euro zu. Das Konzernergebnis verbesserte sich um fast 12 Prozent auf rund 49 Millionen Euro.

Cash-Cow ist die Tochter Lotterien. Die Lotto-Einsätze sanken in den ersten neun Monaten 2019 um 0,9 Prozent auf 989,5 Millionen (weniger Jackpots). Das Online-Gaming (win2day) legte um 12,6 Prozent auf 1,456 Milliarden Umsatz zu, das Automatenspiel  (winwin) brachte 575 Millionen Euro Umsatz. 

Die internationale Tochter CAI spielte einen Betriebsgewinn von 11 Millionen ein. Die Inlandscasinos steigerten den Betriebserfolg um 60 Prozent auf 12,4 Millionen Euro. 

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