Wirtschaft
07.08.2018

Wie Arbeitnehmer zur 4-Tage-Woche kommen sollen

Gewerkschaft will Mitspracherecht bei Freizeitabgeltung sichern, die Wirtschaftskammer bremst

Schon seit 1998 ist es jederzeit möglich, dauerhaft eine 4-Tage-Woche im Unternehmen einzuführen. Nur einseitig anordnen geht nicht. Voraussetzung ist in Betrieben mit Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung, in Betrieben ohne Betriebsrat eine Einzelvereinbarung mit dem Arbeitnehmer. An welchen Tagen in der Kalenderwoche gearbeitet wird, ist egal, die Normalarbeitszeit darf auf maximal zehn Stunden und nur in Ausnahmefällen auf zwölf Stunden ausgedehnt werden. Drei Tage in der Woche müssen aber jedenfalls arbeitsfrei bleiben.

Wird an einem der freien Tage gearbeitet, müssen Überstunden bezahlt werden. Das am 1. September in Kraft tretende neue Arbeitszeitgesetz erleichtert die 4-Tage-Woche, weil durch die mögliche Ausweitung der Arbeitszeit die Mehrstunden auch durch Zeitausgleich – sprich größere Freizeitblöcke – abgegolten werden können.

Wenn schon länger gearbeitet werden soll, will die Gewerkschaft nun mehr Mitsprache der Arbeitnehmer, wann und in welcher Form dieser Zeitausgleich zu erfolgen hat. ÖGB-Boss Wolfgang Katzian will ein „Recht auf 4-Tage-Woche“ in allen 450 Kollektivverträgen (KV) verankern. „Wir wollen das verbindlich haben“, so Katzian, dafür brauche es keine Regierung. Die Kollektivverträge werden jährlich von den Sozialpartnern verhandelt, die Herbstlohnrunde startet mit den Metaller-KV am 20. September.

Vorbild Urlaubsrecht

AK-Wien-Direktor Christoph Klein nennt als Vorbild das Urlaubsgesetz, das Arbeitnehmern erlaubt, ihren Urlaubskonsum selbst einzuteilen. „Anfallende Zeitguthaben bei Überstunden sollen nicht auf den Sankt Nimmerleinstag aufgeschoben werden können“, so Klein.

Die Wirtschaftskammer (WKO) hält von einem einseitigen Recht auf ein verlängertes Wochenende wenig und will die Entscheidung auf Betriebsebene – wo die Gewerkschaft weniger Mitsprache hat– belassen. „Wo es Sinn macht, war es ja auch schon jetzt möglich“, meint WKO-Arbeitsmarktexperte Martin Gleitsmann. Die geplante 4-Tage-Woche bei der Post sei ein „Sonderfall“ eines einzelnen Unternehmens. „Eine 4-Tage-Woche wird nie für alle in einer Branche passen.“ Neben den Wünschen der Mitarbeiter gebe es schließlich auch noch betriebliche Notwendigkeiten.