Wirtschaft 04.01.2012

"Wichtig ist, dass man sein Geld zurückbekommt"

© Bild: FREMD

Staatsanleihen erfreuen sich auch unter Europas Bürgern immer größerer Beliebtheit.

Das muss den Belgiern so süß wie ihre berühmten Pralinen vorgekommen sein. Als sich das Land am Dienstag mit der Ausgabe von drei Monate laufenden Staatsanleihen Geld ausgeborgt hat, war die Nachfrage nach den Papieren fulminant. Statt 2,2 wurden 2,44 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült. Und das zu einem Zinssatz von nur 0,264 Prozent. Mitte Dezember waren noch drei Mal so hohe Zinsen nötig, um an frisches Geld zu kommen. Belgien ist immerhin ein Land, das eine Staatsverschuldung von 99 Prozent der Wirtschaftsleistung aufweist, auf ein Budgetdefizit von voraussichtlich 4,6 Prozent kommt und erst seit Kurzem – eineinhalb Jahre nach der Parlamentswahl – endlich eine neue Regierung hat. An billiges Geld kommt Belgien, das ein Rating von „nur“ AA aufweist, trotzdem.

Die Schuldenkrise im Euroraum, die Diskussionen um die Kreditwürdigkeit von Staaten und die Angst der Investoren um die Sicherheit ihres Geldes hat zu teilweise aberwitzigen Entwicklungen geführt. Das Triple-A-Land Niederlande etwa hat am Dienstag ebenfalls drei Monate laufende Anleihen ausgegeben und damit 2,99 Milliarden Euro eingenommen. Die Rendite dieser Papiere: exakt 0,0 Prozent. Bei Anleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr müssen die Niederländer den Investoren 0,05 Prozent zahlen.

Auf der verzweifelten Suche nach sicheren Häfen akzeptieren Anleger mittlerweile sogar leichte Verluste. Das zeigte die jüngste Versteigerung von kurz laufenden Anleihen kurz vor Jahreswechsel in Dänemark . Die Investoren gaben dem Land nicht nur zinsenlose Kredite, sondern legten auch noch zusätzlich Geld drauf. Für die Anleger ergab sich dadurch eine Negativrendite bei Papieren mit drei Monaten Laufzeit von 0,21 Prozent. Die Anleger schauen auf Qualität, Zinsen seien nicht so wichtig, sagte der für das Schuldenmanagement in der Zentralbank zuständige Ove Jensen. „Wichtig ist, dass man sein Geld zurückbekommt.“ Im Nicht-Euro-Land Dänemark können die Anleihenkäufer zumindest auf Währungsgewinne hoffen, wenn der Kurs der Krone zulegt.

Das krasse Gegenbeispiel ist nach wie vor Griechenland . Die Kurse von zehnjährigen Staatsanleihen sind derart eingebrochen, dass die Rendite (Verzinsung im Verhältnis zum Kurs) bei fast 35 Prozent liegt.

Heuer wird noch heftig um die Gunst der Investoren gekämpft werden. Die sieben führenden Industrienationen (G-7) sowie die Schwellenländer Brasilien, China, Indien und Russland müssen heuer alte Schulden in Höhe von 7600 Milliarden Dollar (rund 5860 Mrd. Euro) zurückzahlen und daher frisches Geld in dieser Höhe aufnehmen. Dazu kommen noch weitere Milliarden für Zinszahlungen und Budgetdefizite.

 

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Erstellt am 04.01.2012