Weltwirtschaftsforum Davos: Eiertanz um Donald Trump zu erwarten
Donald Trump in einer Videobotschaft beim WEF-Treffen 2025.
Zusammenfassung
- Das Weltwirtschaftsforum in Davos steht im Zeichen der Spannungen zwischen Trumps "America First"-Politik und dem konsensorientierten Ansatz des WEF.
- Geoökonomische Konflikte, politische Polarisierung und Angriffe auf Institutionen wie die US-Notenbank werden die Agenda und Diskussionen prägen.
- Klimawandel bleibt laut Risikobericht die größte langfristige Gefahr, während die Ölindustrie sich im Aufwind sieht.
Von 19. bis 23. Jänner findet im Schweizer Ort Davos das traditionelle Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum – WEF) statt. Politiker, Wirtschaftsexperten, Wissenschafter und andere Führungspersönlichkeiten sind dabei eingeladen, über die Lage der Welt und die Lösung ihrer größten Probleme zu diskutieren. 2026 werden 3.000 Teilnehmer aus 130 Ländern erwartet. Auch Bundeskanzler Christian Stocker wird dabei sein. Der Stargast ist US-Präsident Donald Trump, der mit einer riesigen Delegation anreisen wird.
So sieht Konsens nicht aus
Der für Mittwoch erwartete Auftritt von US-Präsident Trump in dem Schweizer Bergort verdeutlicht die Kluft zwischen seiner Agenda und dem konsensorientierten Ansatz des WEF. Trumps "America First"-Politik hat beispielsweise bewirkt, dass Handelszölle als Strafmaßnahme eingesetzt wurden und die USA in dem an Erdöl reichen südamerikanischen Land Venezuela militärisch interveniert haben.
Wirtschaftskonflikte als größtes Risiko gesehen
Geoökonomische Konflikte und bewaffnete Konflikte zwischen Staaten wurden zuvor als die größten aktuellen weltweiten Risiken identifiziert. Im „Global Risks Report 2026“, der als Arbeitsgrundlage für das Treffen gesehen wird, liegen diese beiden Punkte noch vor Extremwetterereignissen, gesellschaftlicher Polarisierung sowie Falschinformationen. Trump verkörpert all diese Risiken eigentlich wie kaum jemand sonst. Die in Davos immer wieder beschworene Vision einer regelbasierten globalen Wirtschaftsordnung wird so auf eine harte Probe gestellt.
Attacken auf Fed-Chef werden für Gesprächsstoff sorgen
Die Unabhängigkeit der Notenbanken kommt in der Risikoanalyse zwar nicht vor, dieses Thema beschäftigt derzeit allerdings viele Vertreter der Finanzelite. Aktueller Anlass ist, dass die US-Justiz den international renommierten US-Notenbankchef Jerome Powell ins Visier genommen hat. In einer gemeinsamen Erklärung stellten sich Zentralbanken aus aller Welt jüngst hinter den in Bedrängnis geratenen Fed-Chef. Dieses Thema dürfte in Davos in den Konferenzräumen und auf den Gängen großen Raum einnehmen, geht es doch letztlich um die Unabhängigkeit der einflussreichsten Notenbank der Welt und damit ihre Glaubwürdigkeit.
KI, Resilienz und neue Arbeitswelten im Fokus
Die vordergründig größten Themen sind wohl andere. Laut der Unternehmensberatung McKinsey wird Künstliche Intelligenz ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Die Fortschritte bei KI sind rasant. Das wirtschaftliche Potenzial der Technologie wird mit bis zu 2,9 Billionen Dollar beziffert. Wie man KI einsetzen kann, welche Arbeitsabläufe sich damit verbessern lassen und welche Vorteile sich Unternehmen damit verschaffen können, dazu wird es regen Austausch geben. Auch Resilienz gegenüber externen Einflüssen und die Veränderungen des Arbeitsmarktes zählen zu den Hauptthemen.
Europäische Vertreter stehen unter Druck
Unter besonderem Druck beim diesjährigen Treffen stehen Politiker aus Europa. Wie sie auf die Herausforderungen der USA reagieren - darunter Trumps Anspruch auf Grönland und die Angriffe auf europäische Bemühungen zur Regulierung von US-Technologieunternehmen – wird genau beobachtet werden. "Die Politiker müssen standhaft bleiben", sagt etwa Christy Hoffman, Generalsekretärin der UNI Global Union, die weltweit 20 Millionen Beschäftigte im Dienstleistungssektor vertritt.
Öindustrie kommt mit großem Aufgebot
Im Aufwind wähnen sich unterdessen Vertreter der Ölindustrie. Sie warten gespannt darauf, Trumps Agenda der Energiedominanz zu hören. Diese ermutigt sie, mehr Öl und Gas zu fördern und gleichzeitig Alternativen wie Wind- und Solarenergie zu vernachlässigen. Die CEOs von Exxon Mobil, Shell, Total Energies, Equinor und ENI werden erwartet.
Klimawandel ist langfristig größte Gefahr
Dass viele der Gäste mit dem Privatjet anreisen, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Vorfeld bereits scharf kritisiert. „Derzeit jetten erneut die Reichen und Mächtigen in ihren Privatjets nach Davos, um über die geopolitischen Krisen zu diskutieren. Dabei sind sie es, die mit ihrem klimaschädlichen Verhalten die größte Bedrohung von allen - die Klimakrise - massiv anfeuern", so Jasmin Duregger von Greenpeace Österreich. Im „Global Risks Report“ werden die Folgen des Klimawandels weiterhin als größte langfristige Bedrohungen gesehen. Neben Extremwetterereignissen sind es etwa der Verlust von Biodiversität und der Kollaps von Ökosystemen.
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