Wirtschaft
15.04.2012

Weltbank muss sich für neue Leitung entscheiden

Wer folgt auf Robert Zoellick? Erstmals matcht sich ein Kandidat der USA mit der Konkurrenz.

Ein US-Amerikaner oder doch nicht – das ist die große Frage, wenn die Weltbank heute entscheidet, wer ihr neuer Präsident wird. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt: An der Spitze der Weltbank sitzt ein US-Amerikaner, die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird von Europa aus besetzt. Als Kandidat mit den besten Aussichten, nächster Chef der Weltbank zu werden, gilt daher der Wunschkandidat von US-Präsident Barack Obama: Der 52-jährige Jim Yong Kim, der in Seoul (Südkorea) geboren wurde und mit fünf Jahren mit seiner Familie in die USA ausgewandert war. Kim ist Arzt und medizinischer Anthropologe und derzeit Präsident der US-Eliteuniversität Dartmouth College in New Hampshire.

Kritik

Kims Nominierung überraschte viele, weil er weitgehend unbekannt ist. Dann folgte auch gleich lautstarke Kritik. Ein Mediziner an der Spitze einer Finanzinstitution sei keine gute Wahl, lautete der Tenor. Auf die Unterstützung durch Japan und die EU dürfen die Amerikaner dennoch zählen. Schließlich hatten die Amerikaner im Vorjahr die Wahl der Französin Christine Lagarde zur IWF-Chefin unterstützt.

Und dennoch hat erstmals seit Gründung der Weltbank 1944 der US-Kandidat Konkurrenz. Ebenfalls zur Wahl steht Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala. Der ehemalige Finanzminister Kolumbiens, José Antonio Ocampo, zog hingegen am Freitag seine Kandidatur zurück. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Schwellenländer in der Weltwirtschaft stellen Staaten wie China, Brasilien und Indien immer lauter die Frage, warum es den USA zustehe, die Weltbank-Spitze zu stellen. Sie könnten sich daher hinter Okonjo-Iweala stellen und die Wahl doch noch spannend machen.

Wer auch immer zum Zug kommt: Der Führungswechsel erfolgt Ende Juni, wenn der derzeitige Boss Robert Zoellick nach fünf Jahren Amtszeit abtritt.

Zu den Kernaufgaben der Weltbank gehört es, die Armut in der Welt zu bekämpfen und ärmeren Ländern bei der wirtschaftlichen Entwicklung zu helfen. Gegründet wurde die Weltbank eigentlich, um den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen.