Wirtschaft
07.02.2017

Wasserstoff statt Kohle für Stahlproduktion

Die Emissionen bei der Eisen- und Stahlproduktion sollen deutlich reduziert werden © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

EU finanziert Einstieg in die Wasserstofftechnologie am Voest-Werksgelände in Linz.

Bis zur Umsetzung der Energiewende ist es noch ein weiter Weg. Denn zwei entscheidende Frage sind nach wie vor ungeklärt. Wohin mit dem Strom, wenn Sonnen- und Windkraftwerke mehr liefern, als gebraucht wird? Woher kommt der Strom, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?

Derzeit werden als Ersatz für erneuerbare Energieträger Gaskraftwerke benötigt. Vor allem im Winter, wenn die Wasserkraftwerke weniger Leistung liefern. Der CO2-Ausstoß ist in diesem kalten Winter deutlich gestiegen.

Für Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber sind Stromspeicher für erneuerbare Energieträger daher das "Missing Link" der künftigen Energiepolitik. Eine mögliche Lösungsvariante könnte die Wasserstoff-Technologie sein.

Zuschlag

Ein Konsortium von Verbund, voestalpine und Siemens hat den Zuschlag der EU-Kommission für ein Wasserstoff-Pilotprojekt am Werksgelände der voestalpine in Linz bekommen. Die EU beteiligt sich mit 12 Millionen Euro an den Gesamtkosten von 18 Millionen Euro.

Die Idee ist leicht erklärt. Mit dem überschüssigen Strom von Solar- oder Windanlagen wird mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Wasserstoff kann gespeichert werden. Seit mehreren Jahren laufen Tests für Autos mit Wasserstoffantrieb. Für Konzernen wie die voestalpine könnte die Wasserstofftechnologie ein Weg sein, die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren. Das ist derzeit nicht einfach. Ein völliger Ausstieg der voestalpine aus der Kohle würde bedeuten, dass etwa 30 zusätzliche Großkraftwerke für den Stromproduktion notwendig wären, rechnet voestalpine-Chef Wolfgang Eder vor. Dazu kommt, dass der Konzern im internationalen Wettbewerb mit Konkurrenten in Asien steht. Der Preisdruck ist groß.

Es gibt noch keine erprobte Technologie, wie Wasserstoff als Ersatz für Kohle und Erdgas bei der Eisen- und Stahlerzeugung eingesetzt werden kann.

Zielvorgabe

Das Ziel des Pilotprojektes am Werksgelände in Linz ist es, eine kostengünstige Methode zur CO2-Reduktion zu finden. Laut Siemens-Chef Wolfgang Hesoun wird die Anlage in vier Jahren in Betrieb gehen. Es werde allerdings noch 15 bis 20 Jahre dauern, bis man eine technische Antwort gefunden hat, beschreibt Eder den Zeithorizont für das Pilotprojekt. Der Erfolg hängt auch von Rahmenbedingungen ab, die derzeit nicht vorhersehbar sind. Dazu gehört etwa auch der künftige Preis für die CO2-Zertifikate.

In Brüssel ist man jedenfalls davon überzeugt, dass sich die Investitionen in die Wasserstofftechnologie lohnen. Sonst würde die EU das Projekt nicht fördern.