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Wirtschaft
06/15/2020

Was kommt nach der Kurzarbeit? Vier mögliche Szenarien

Analyse: Die Krise hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Wie es nach dem Sommer mit der Beschäftigung weitergeht

von Anita Staudacher

1.161.000 Arbeitnehmer befinden sich derzeit auf Kurzarbeit. Weil die Wirtschaft langsam in die Gänge kommt und vor allem Dienstleister wieder mehr Personal benötigen, sank die Zahl zuletzt erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise um 200.000. Über die Sommermonate dürfte die Zahl saisonbedingt unter eine Million sinken. Nur eine kurze Entspannung vor einem düsteren Herbst.

Mit 30. September läuft die jetzige, nochmals adaptierte Regelung zur Corona-Kurzarbeit aus. Aber wie geht es dann weiter? Vier Szenarien:

1. Personalabbau

Wie viele Kurzarbeiter in der Arbeitslosigkeit landen werden, vermag derzeit niemand seriös zu prognostizieren. Die einmonatige Behaltefrist nach Auslaufen der Kurzarbeit wurde mit der Neuregelung aufgeweicht und gilt nicht mehr, wenn der Betrieb wirtschaftlich in Schieflage ist. Auch mit mehr Pleiten ist zu rechnen. Laut Umfrage des Wiener Consulters Kienbaum unter 188 Betrieben will ein Viertel der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nach Auslaufen der Kurzarbeit Personal kündigen.

Bei Klein- und Mittelbetrieben (KMU) planen dies nur 12 Prozent. Kienbaum-Berater Alfred Berger verweist auf die enge Personalbindung bei KMU. Grundsätzlich hält er Kurzarbeit ob der Komplexität besser für Großunternehmen geeignet, weil sie eigene HR-Abteilungen haben. „Kündigen ist für viele Betriebe halt immer noch die einfachere Lösung.“

2. Kurzarbeit-Verlängerung mit Auflagen

Alles spricht derzeit für eine Verlängerung der Kurzarbeitsregelung weit über den Herbst hinaus. Das hilft vor allem der Industrie, weil sie Unterauslastung damit gut abfangen kann. Um das jetzt schon ausufernde Kurzarbeits-Budget von 12 Mrd. Euro nicht weiter in die Höhe zu treiben, werden wohl Auflagen kommen.

Die Sozialpartner wollen die Kurzarbeit auch zur Weiterqualifizierung nutzen. Wer während der Kurzarbeit Kurse absolviert, erhält mehr Geld. So sinnvoll die Regelung ist, sie ist nicht für alle Branchen und Beschäftigten geeignet. Der Thinktank Agenda Austria brachte zuletzt „leistungsgerechtere“ Modelle ins Spiel, etwa Gegenrechnung mit der Körperschaftssteuer oder die Beihilfenhöhe an die Dauer der Kurzarbeit zu binden. Klingt nach noch mehr Bürokratie.

3. Lohnsubvention für Wiedereinsteiger

Mehr Arbeitslose wieder zurück in den Job bringen soll auch der sogenannte „Neustartbonus“. Das ist ein speziell für den Tourismus gedachter, aber nicht auf diese Branche beschränkter, Kombilohn. Er kann laut Ministerium ab sofort beantragt werden. Das AMS stockt dann das Teilzeitgehalt eines zuvor arbeitslos Gemeldeten auf 80 Prozent der Vollzeitsumme auf. Betriebe müssen also für eine bestimmte Zeit nur ein Teilzeitgehalt bezahlen, was die Jobaufnahme ankurbeln soll. Auch die Arbeitnehmer sollen einen finanziellen Anreiz erhalten, lieber als Teilzeitkraft zu arbeiten als in der Arbeitslosigkeit zu bleiben. Skeptiker sehen hier große Mitnahme-Effekte und warnen davor, Teilzeit allzu attraktiv zu machen.

Zur Senkung der Arbeitslosenzahlen dürfte die – sehr teure – Maßnahme positiv beitragen. Auch zur Schaffung von Lehrplätzen wurden bereits Subventionen beschlossen. Was noch fehlt, sind spezielle Maßnahmen bzw. Job-Projekte (zum Beispiel Aktion 20.000) für die steigende Zahl an Langzeitarbeitslosen.

4. Neue Arbeitszeitmodelle in den Kollektivverträgen

Niemand weiß, wie lange und heftig diese Wirtschaftskrise wird. Es braucht daher auch langfristige Maßnahmen für den Arbeitsmarkt. Im Herbst starten mit der stark exportorientierten Metallerbranche die alljährigen Kollektivvertrags-Verhandlungen, die heuer ganz im Zeichen der Corona-Krise stehen.

Die Regierung hat angekündigt, die Sozialpartner im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit stark einzubeziehen. Schon im Vorfeld ist zu hören, dass es diesmal weniger um das Feilschen um Prozentzahlen, sondern um gemeinsame Krisenbewältigung gehen wird. Innovative Arbeitszeitmodelle (z.B. flexible Zeitkonten, temporäre Arbeitszeitverkürzung, Freizeit-Ausgleich, praktikable Homeoffice-Lösungen) sind gefragt.

Die Sozialpartner sind in Sachen Arbeitsmarktpolitik gefordert wie nie – und müssen jetzt ihre Lösungskompetenz beweisen.

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