Wirtschaft
08.12.2017

Was in Zukunft auf den Teller kommt

Ob vegetarisch, vegan oder bio: Ernährung ist längst zu einem Lebensstil geworden.

Den Anhängern der veganen Ernährung sind die Vegetarier nicht konsequent genug. Wie kann man nur Eier essen? Die Frutarier hingegen sind überzeugt, dass es nur eine vernünftige Ernährungsweise geben kann. Erlaubt sind lediglich pflanzliche Produkte, deren Konsum keine Beschädigung der Pflanze zur Folge hat. In diese Kategorie fallen Obst und Samen. Der Lohn für die Einhaltung von strikten Ernährungsvorschriften ist vor allem ein moralischer. Man darf sich zu den besseren Menschen zählen.

Der Zugang der Nahrungsmittelproduzenten ist da deutlich pragmatischer. Auf welche Produktionsbedingungen sollen sich die Landwirte einstellen?, lautet die Frage von Stefan Kast, Obmann der ÖVP-Jungbauern. "Wir erwarten uns Ansagen für die Rahmenbedingungen der Zukunft." Daher haben die Jungbauern eine Enquete zum Thema Ernährung der Zukunft organisiert.

Immerhin sind einige Trends in Österreich seit Jahren konstant. Mehr Obst , Gemüse und Käse, aber weniger Fleisch und Milchprodukte. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse ist laut Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria, von 1974 bis 2016 von 149 Kilo auf 195 Kilo gestiegen. Der Verbrauch von Schweinefleisch im selben Zeitraum von monatlich 1,6 Kilo auf 0,9 Kilo gesunken.

Mehr Fleisch

Daraus den Schluss zu ziehen, die Welt sei auf dem Weg zum Verzicht auf Fleisch, ist allerdings ein Irrtum. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der United Nations (FAO) geht davon aus, dass der weltweite Fleischkonsum bis 2050 um etwa 40 Prozent steigt. Dafür gibt es zwei Gründe: Die steigende Weltbevölkerung und der zunehmende Fleischkonsum in Schwellenländern. Die FAO verzichtet in ihrem Bericht auf jegliche moralische Bewertung. Den Schwellenländern zu erklären, sie dürfen nicht so viel Fleisch verbrauchen wie die Industriestaaten, riecht nach Öko-Kolonialismus.

Ähnlich ist es auch bei biologischer Landwirtschaft und Gentechnik. Was in Europa passiert, kümmert die Regierenden in den anderen Kontinenten nicht. Die EU ist für sie kein Vorbild. China setzt massiv auf Gentechnik. Brasilien ist mit Gentechnik zu einem der größten Nahrungsmittelexporteure geworden. In Österreich ist Gentechnik nur bei der Pflanzenzucht verboten. Sowohl in der Medizin als auch für Lebensmittelzusatzstoffe ist Gentechnik erlaubt. Das gilt für Impfstoffe ebenso wie für Viamainpräparate.

Insekten auf dem Teller

Einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgt Christoph Thomann, Gründer des Start-ups "Insektenessen". Es ist davon überzeugt, dass der Verzehr von Insekten die Zukunft ist. Zumal das ja auch in vielen Ländern der Welt üblich sei. In Wien-Ottakring werden die Tiere für den Verzehr gezüchtet. Thomann organisiert Kochkurse und Verkostungen. Bei entsprechender Zubereitung würden die Tiere wie knusprige Chips oder Nüsse schmecken.

Er ist überzeugt, dass Insekten einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Ernährung liefern können. Der Lebensmitteltechniker Udo Pollmer sieht das anders. Für ihn sind Ernährungstrends vor allem Ideologie und nicht neue Wege zur Rettung der Welt oder Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung. Seine Aussagen sorgen immer wieder für beträchtliche Aufregung. Rohkost ist für Pollmer nicht gesund, sondern lediglich essbar, hat er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erklärt. "Wenn Mütter sagen: Mein Kind bekommt weder Milch noch Fleisch, sondern Rohkost und Smoothies, dann frage ich mich, ob das Kind wohl von einer Gurke abstammt. Dann sind rohe Gurken sicher ein vollwertiges Lebensmittel."

Geringerer Ertrag

Auch der Behauptung, man könne mit biologischer Landwirtschaft die Welt ernähren, kann Pollmer nicht viel abgewinnen. Oft seien die Annahmen über die Ertragsverluste durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel viel zu gering. Als bei einer Veranstaltung der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) ein Biobauer die Erträge gemäß den realen Erntemengen deutlich nach unten korrigiert hat, setzte es heftige Kritik.