AUSTRALIA-ECONOMY-COMMODITIES-MARKETS-METAL-GOLD

© APA/AFP/DAVID GRAY / DAVID GRAY

Wirtschaft
09/11/2020

Warum mündelsichere Investments nur selten Rendite bringen

Kaum Auswahl bei Anlagemöglichkeiten. Ausweitung auf Gold & Co. lehnen die Parteien ab.

von Robert Kleedorfer

Wer für seine Kinder oder Schutzbedürftige (besachwaltete Menschen) Geld unter deren Namen veranlagen will, der hat dabei nicht freie Hand. Es ist streng geregelt, wie das zu geschehen hat, schließlich handelt es sich um das Geld anderer.

Laut Gesetz ist das Vermögen sicher und möglichst fruchtbringend anzulegen. Vorrang genießt der Grundsatz der Sicherheit. Und hier beginne das Dilemma, wie Christian Ebner, Obmann von FreeMarkets.at, einer parteiunabhängigen Interessensvertretung für Unternehmer und Manager, kritisiert.

Denn laut Gesetz dürfen Gelder der Mündel nur in Spareinlagen, heimische Staatsanleihen, Hypothekarforderungen mit entsprechender Sicherheit (durch die Immobilie), Immobilien selbst oder auch Wertpapiere fließen.

Strenge Vorschriften

Bei Letzteren kommen allerdings ausschließlich diejenigen infrage, die durch besondere gesetzliche Vorschriften zur Anlage von Mündelgeld geeignet erklärt worden sind. Das sind nur rund 20 Investmentfonds (teilweise schon im Namen erkennbar, zum Beispiel Mündel Bond), die entweder in Immobilien oder in Staatsanleihen Gelder anlegen.

Nicht nur die geringe Auswahl, sondern vor allem auch die geringe Aussicht auf Kapitalerhalt, geschweige Rendite, stören Ebner. „Die Regelungen sind gut gemeint, aber hoffnungslos veraltet.“ Denn die Geldpolitik führe zu einer Verzinsung von Mündel-Veranlagungen, die deutlich niedriger als die Inflation sei. Auf Sparbücher und Euro-Staatsanleihen trifft dieser Vorwurf definitiv zu.

Fonds stehen besser da

Bei Mündelfonds nicht zwingend. Hier gibt es neben Fonds mit nur rund einem Prozent Durchschnittsrendite in den vergangenen zehn Jahren auch welche, die zwischen 2 und 3 Prozent erzielt haben. Und Immobilien erleben, wie bekannt, ohnehin seit der Finanzkrise einen starken Wertzuwachs.

Wie auch immer, Ebner wünscht eine Ausweitung der Anlageklassen auf etwa Gold oder andere Investmentfonds. Doch die Politik ist, so zeigt eine KURIER-Umfrage, nicht gewillt, etwas zu ändern.

OGH-Urteil

„Wir sind der Meinung, dass die vom Gesetz umfassten Veranlagungsformen adäquat sind“, so ÖVP-Finanzsprecher Karlheinz Kopf. „Auch wenn sich vielleicht kurzfristig bestimmte Anlageformen als lukrativ darstellen können, bedeutet dies nicht, dass diese gleichzeitig auch den Kriterien der Sicherheit und Risikoabwägung ausreichend gerecht werden.“

Bezüglich Gold weist Kopf auf ein OGH-Urteil aus 2009 hin. Damals wurde einem Minderjährigen und seinem gesetzlichen Vertreter durch die Höchstrichter vereinfacht gesagt beschieden, dass Gold zu spekulativ sei und zudem die Aufbewahrung ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Zu spekulativ

Auch vom Koalitionspartner kommt eine Absage. „Wir halten alle Anlageformen ohne Kapitalgarantie für spekulative Wagnisse“, sagt Grüne-Finanzsprecherin Nina Tomaselli. „Das Risiko von Kapitalverlust ist sehr wahrscheinlich. Das steht im krassen Widerspruch des Grundgedankens von mündelsicheren Papieren.“ Die SPÖ teilt diese Einschätzung, während sich die Neos zumindest einen Diskurs über eine Ausweitung vorstellen können.

Wer unbedingt Geld für Mündel anders anlegen möchte, kann dies über Antrag beim Pflegschaftsgericht versuchen. Dies ist jedoch mit Aufwand und meist geringem Erfolg verbunden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.