© Getty Images/iStockphoto/KangeStudio/iStockphoto

Wirtschaft
08/15/2019

Warum Klimaanlagen teuer kommen können

Für nur wenige Wochen Betrieb im Jahr fallen rund 100 Euro an. Hinzu kommen Wartungskosten.

Am Wochenende steht eine weitere Hitzewelle bevor. Kein Wunder, dass angesichts der heißer werdenden Sommer das Geschäft mit Klimaanlagen auch in Mitteleuropa boomt. Sogar Diskonter verkaufen sie mittlerweile palettenweise. Für eine gute Klimaanlage muss man laut Experten inklusive Einbau rund 2.000 Euro zahlen. Hinzu kommen Wartungs- und Stromkosten. Für Andreas Eigenbauer, Vorstand der E-Control, ist das ein Anlass, eine Warnung auszusprechen: „Eine Klimaanlage gehört zu den großen Stromfressern. Das spürt der Verbraucher sofort in seiner Rechnung“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

Alternative Abdunkeln

Durchschnittlich 500 Kilowattstunden brauche so eine Anlage. Das koste etwa 100 Euro an Stromkosten in der Saison. Daher: Gut überlegen, ob man so eine Klimaanlage braucht oder besser nachts lüftet, die Räume abschattet und ähnliche Kühlmaßnahmen ergreift, so der Experte.

Zentral ist es also, den Kühlbedarf möglichst gering zu halten. „Am Land kann man Bäume vor die Fenster setzen, in der Stadt muss man einen Rollladen montieren“, rät Eigenbauer.

Zudem alles, was Abwärme abgebe, ausschalten. Ganz falsch seien Innenraum-Klimaanlagen. „Die blasen nach vorne kalt und hinten geht die Abwärme raus. Das ist nicht zu empfehlen.“

Zu den Stromkosten kommen noch Wartungskosten in Höhe von rund 100 bis 350 Euro. Denn Klimaanlagen werden nur wenige Wochen im Jahr gebraucht. In den Stehzeiten lagert sich laut Eigenbauer Staub an, aber auch Bakterien könnten ein Problem sein. Daher: eine Wartungsfirma holen, die die Anlage reinigt. Zunehmend im Trend liegt auch Fernkälte, die über eigene Leitungen Kälte ins Haus bringe.

Für den Energiemarkt-Aufseher sind Klimaanlagen aber aus einem besonderen Grund interessant: Sie können als großer Stromfresser für Innovationen am Strommarkt genutzt werden. „Mit den neuen digitalen Stromzählern können wir den Verbrauch steuern, Daten einlesen, Tarifmodelle ausarbeiten.“

Große Verbrauchslasten können also zeitlich verschoben werden. Der Kunde könne aber auch die Leistung der Klimaanlage an eine Plattform melden. Diese steuert dann den Einsatz. Das klinge kompliziert. „Der Kunde muss am Formular aber nur ein Kreuzerl machen. Das ist alles“, sagt Eigenbauer. Dafür bekomme er dann einen günstigeren Stromtarif. Der Kunde lässt damit zu, dass die Klimaanlage am Tag eine bestimmte Anzahl von Stunden läuft, aber nicht genau wann.

Versorgung gesichert

Trotz der Hitze im heurigen Sommer sei die Versorgung besser gesichert als vor einem Jahr, betont Eigenbauer. Das Besondere im laufenden Jahr sei, dass es im Winter viel Schnee gegeben hat. Wegen des Schmelzwassers sei die Wasserführung der Flüsse gut, die Kraftwerke laufen.

„Das müssen die Versorger lernen. Es gibt nicht mehr wie früher Aussagen, die Jahre gelten. Man kann nur noch sagen: Heuer geht es. Das heißt nicht, dass es auch im nächsten Jahr genug Strom gibt“, betont Eigenbauer. Dass Österreich wie auch Deutschland Kraftwerke schließe, ohne gleichzeitig neue zu errichten, hält der Experte für einen Fehler.