Wirtschaft
23.10.2018

Warum Italien nicht Griechenland werden darf

Schuldenkrise: Die Ausgangslage ist zwar deutlich besser, die Pleite-Folgen wären aber noch dramatischer.

Sind Italiens Probleme mit jenen der Griechen im Jahr 2010 vergleichbar?

Nein, das sind sie (noch) nicht – die Ausgangslage ist viel besser. Während Griechenland rasch die Kontrolle über seine Staatsfinanzen verloren hatte, haben es die Italiener in der Hand, welchen Kurs sie einschlagen. Der Weg in Richtung Pleite wäre eine bewusste politische Entscheidung. Deshalb sieht man aktuell auch keine Ansteckung für Spanien oder Portugal wie 2010.

Wo liegen wirtschaftlich die Unterschiede?

Klingt seltsam, aber gerade weil Italien schon sehr lange mit hohen Schulden leben muss, war es zu solider Finanzplanung gezwungen. Die Griechen hatten ab dem Eurobeitritt über ihre Verhältnisse gelebt und sich massiv gegenüber dem Ausland verschuldet. Italiens Wirtschaft als Ganzes erzielt recht konstant Überschüsse (positive Leistungsbilanz). Dafür wiegen die Altlasten schwerer. Italiens Staatsschulden sind mit 2310 Milliarden Euro sieben Mal so groß wie die griechischen. Da würde kein Rettungsschirm mehr vor einer Pleite schützen.

Wie sehen die Bedrohungsszenarien aus?

Italien muss seinen hohen Schuldenberg laufend umschulden – ablaufende Kredite müssen also durch neue Kredite abgelöst werden. Das wird mit jeder provokanten Wortmeldung aus Rom teurer, weil die Zinsen auf die Staatsanleihen steigen. Irgendwann wird das Ganze (siehe Griechenland) unleistbar, Italien wäre pleite.

Um Hilfe der Eurozone oder seitens der Europäischen Zentralbank zu bekommen, müsste sich Rom einem strikten Spardiktat unterwerfen. Das wird die Regierung aber nicht tun.

Die Bewertung der Anleihen liegt jetzt nur noch eine Stufe über „Ramsch“ – weitere Absenkungen könnten den Banken Probleme bereiten, die auf Papieren im Wert von Dutzenden Milliarden Euro sitzen.

Wohlhabende Bürger überlegen, zur Sicherheit ihr Vermögen außer Landes zu bringen. Ein Ansturm auf die Sparguthaben wäre fatal.

Tatsächlich wächst Italiens Wirtschaft kaum. Warum räumt die EU-Kommission nicht mehr Spielraum ein?

Diesen gibt es, wenn eine Regierung einen an sich soliden Kurs verfolgt, siehe Spanien. Wer jedoch wie Roms Populisten eine Glaubensfrage daraus macht, EU-Regeln zu brechen, beißt auf Granit.

Noch dazu, wo die Maßnahmen die Probleme nicht beheben. Die gestiegenen Staatsausgaben sollen sich durch höheres Wachstum selbst finanzieren? Dass ältere Italiener in Frühpension gehen, soll jungen Arbeitslosen zu Jobs verhelfen? So simpel funktioniert die Wirtschaft nicht. Am Ende blieben wohl nur noch höhere Schulden übrig.