Donald Trump und Jerome Powell.

© REUTERS/Carlos Barria

Wirtschaft
09/18/2019

Warum die US-Notenbank Trump erneut fast sprachlos macht

Die Zinssenkung erfreut den US-Präsidenten nicht. Er wünscht sich viel mehr und übt verbal Druck aus. Eine Analyse.

von Robert Kleedorfer

Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch wie erwartet den US-Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Bandbreite zwischen 1,75 bis 2,0 Prozent gesenkt. Schon im Juli gab es eine erste Reduzierung im selben Ausmaß. Die Senkung im Sommer war die erste seit zehn Jahren. Grund ist die sich abschwächende Konjunktur. Sie brummte einige Jahre auf hohem Niveau, dieser Zyklus nähert sich nun langsam dem Ende. Soweit normal. Doch es gibt noch einen zweiten Grund. Donald Trump.

Der US-Präsident sieht in vielen anderen Staaten Feinde für die Wirtschaft seines Landes. Mit Strafzöllen versucht er, die Importe zu verteuern und so die US-Erzeugnisse konkurrenzfähiger zu machen. Doch das funktioniert nur in kleinen Ansätzen. Denn zum einen sind die US-Produkte einfach weniger begehrt – als etwa Autos aus Deutschland oder Elektronik aus Asien. Zum anderen benötigen viele US-Waren in der Herstellung Komponenten aus anderen Ländern. Werden diese bei der Einfuhr höher besteuert, steigen auch die Preise für die in den USA hergestellten Produkte.

Steigende Preise

Amerikaner müssen daher heute mehr für Waren ausgeben als vor Trumps Rundumschlägen. Für die Zölle auf Waschmaschinen etwa, verhängt im Jänner 2018, kamen Forscher der Universität von Chicago und der New Yorker Fed im April zu dem Schluss, dass US-Verbraucher im vergangenen Jahr insgesamt 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) mehr auf den Tisch legten. Der Preis für eine Waschmaschine erhöhte sich damit durchschnittlich um 86 Dollar; ein Trockner kostete sogar 92 Dollar mehr.

Die Beratungsfirma Trade Partnership rechnet damit, dass die Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren von 10 auf 25 Prozent für US-Normalbürger deutliche Mehrkosten bedeutet: Eine vierköpfige Familie müsse pro Jahr 767 Dollar mehr ausgeben. Bedroht seien dadurch eine Million Jobs.

Schimpftirade

Trump erkennt aber diese Zusammenhänge einer global vernetzten Wirtschaft nicht. Im Gegenteil. Er sucht die Schuld für die sich abzeichnende Konjunkturflaute bei anderen. Konkret auch bei der Fed. So fordert er von der Notenbank seit geraumer Zeit deutlichere Zinssenkungen und schimpft öffentlich über Chef Jerome Powell. So auch jetzt wieder.

Jay Powell und die Fed versagen schon wieder“, twitterte er unmittelbar nach der Bekanntgabe der Zinssenkung. „Keinen Mumm, keinen Verstand, keine Vision. Ein schrecklicher Kommunikator.“ Trump möchte einer weiteren Konjunkturabkühlung vorbeugen. Auch wegen der nächsten Präsidentenwahl im November 2020. Eine Wirtschaftsflaute wäre nicht förderlich für seine Wiederwahl.

Das Wachstum hat sich im Frühjahr bereits spürbar verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,0 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch 3,1 Prozent. Mit niedrigeren Leitzinsen können Volkswirtschaften versuchen, dieser negativen Entwicklung gegenzusteuern. Denn tiefere Zinsen helfen Unternehmen und Privaten, Geld zu leihen und damit Investitionen oder Käufe zu tätigen.

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