Warum die Sommersaison heuer wohl ins Wasser fällt

Warum die Sommersaison heuer wohl ins Wasser fällt
Wie viel Zeit und Geld für Urlaub bleibt, ist fraglich. Experte rechnet mit bis zu 22 Prozent weniger Gästenächtigungen

Was der kommende Sommer aus touristischer Sicht bringt, traut sich in der Branche kaum jemand zu prognostizieren. Ein Gäste-Rekord wird es aber wohl nicht werden.

Im Luftraum über Europa sind derzeit um drei Viertel weniger Flugzeuge unterwegs als vor einem Jahr. Ein Land nach dem anderen macht seine Grenzen dicht und ein Ende der Corona-Krise ist nicht in Sicht. Damit ist die Zeit der Nächtigungsrekorde vorerst Geschichte. Auch, weil in Österreich 70 Prozent der Gästenächtigungen traditionell auf das Konto ausländischer Urlauber gehen. Damit kann das Minus in der Nächtigungsbilanz mit inländischen Gästen bestenfalls abgefedert werden.

Oliver Fritz, Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), schätzt, dass sich jeder Monat, in dem die Betriebe geschlossen haben, mit einem Minus von fünf Prozent in der Nächtigungsstatistik niederschlägt. „Sind die Betriebe bis Ende April zu, rechne ich mit einem Minus von zwölf Prozent. Sind sie bis Juli zu, von 22 Prozent“, sagt Fritz.

Freilich gibt es in seinen Prognosen Unsicherheiten. „Wenn jetzt alle Urlaub abbauen müssen und die Sommerferien vielleicht heuer gekürzt werden, stellt sich die Frage, wer überhaupt noch Zeit haben wird, auf Urlaub zu fahren.“ Dazu kommt der unsichere Jobmarkt. „Nicht nur den Selbstständigen brechen Einkommen weg, es gibt mehr Arbeitslose und Menschen in Kurzarbeit, die sich keinen Urlaub mehr leisten können.“

228 von 365 Hotels zu

Schnell von der Krise erfasst war die Bundeshauptstadt Wien, die in den vergangenen Jahren hauptverantwortlich für Österreichs Tourismusrekorde war. „Wir sind als Stadt international aufgestellt und damit anfälliger für Krisen“, sagt Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. „In der Regel erholen sich Städte aber auch schneller.“ Ob diese Regel auch diesmal greift, ist allerdings noch offen. Wann die Airlines ihren Betrieb wieder aufnehmen können, steht in den Sternen. Derzeit haben in Wien 228 von 365 Hotels geschlossen. Kettner: „Um operativ wieder auf Betriebstemperatur zu kommen, braucht es nach einem Shutdown vier bis fünf Wochen.“

Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher setzt derzeit auf Kurzarbeit: „Damit können wir Mitarbeiter halten und die Betriebe irgendwann wieder hochfahren“, sagt die Branchensprecherin, die ein Hotel in St. Johann im Pongau hat. Sie hofft, dass nach Ende der Corona-Krise mehr Österreicher Urlaub im eigenen Land machen. Beobachtern zu folge eine berechtige Hoffnung. In unsicheren Zeiten stehen die Nahmärkte traditionell hoch im Kurs. In den Urlaub fahren dann viele lieber mit dem Auto als mit dem Flugzeug – auch, um die Rückreise selbst steuern zu können.

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