Wirtschaft 05.12.2016

Warum die Miteigentümer aus Abu Dhabi Milliarden von der OMV wollen

OMV-Chef Rainer Seele soll bei Miteigentümer Abu Dhabi kräftig investieren © Bild: REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Internationalen Multis ist der Deal zu wenig lukrativ. Daher soll die OMV einspringen.

OMV-Chef Rainer Seele gibt sich gerne geheimnisvoll. Er erklärt immer nur, wofür er die Gelder aus dem Abverkauf von Assets nicht benötigt. 1,5 Milliarden Euro hat Seele bereits durch die Teilveräußerung des heimischen Gasnetzes und den Verkauf der Großbritannien-Tochter auf der hohen Kante. Dazu kommen bald an die 1 bis 1,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der türkischen Tankstellen-Tochter.

Für die Reduzierung von Schulden kann’s nicht sein, Österreichs größter Energieversorger ist mit Eigenkapital gut aufgestellt.

In der Ölindustrie sowie in Finanzkreisen glaubt man zu wissen, wofür Seele die Milliarden bunkert. Einerseits, um den russischen Energie-Giganten Gazprom bei der Finanzierung der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2 zu unterstützen.

Und um in ein gigantisches Ölförderprojekt in Abu Dhabi zu investieren.

Adco, die On-Shore-Tochter der nationalen Ölgesellschaft Adnoc, will die Produktion ausweiten und die 15 größten am Festland liegenden Ölfelder des Emirates erschließen. Die Größenordnung von 1,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag entspricht mehr als der Hälfte der Gesamtproduktion der Vereinigten Arabischen Emirate. 40 Prozent sollten an internationale Ölgesellschaften abgegeben werden. Die müssten eine Art Eintrittsgebühr von rund acht Milliarden Dollar hinlegen.

Ölmultis blocken ab

Klingt auf den ersten Blick bestechend. Eine Beteiligung an den letzten großen Ölreserven im Mittleren Osten bei niedrigen Förderkosten. Trotzdem spießt sich der Plan der Araber. Die Großen der Ölindustrie halten die Konditionen für ziemlich unwirtschaftlich und zeigen keine Lust, einzusteigen.

Daher kommt die OMV ins Spiel. Die Araber sind über ihre Staatsholding IPIC mit knapp 25 Prozent hinter der Republik Österreich der zweitgrößte Kernaktionär des heimischen Öl- und Gaskonzerns.

" Abu Dhabi will, dass sich die OMV beteiligt und dürfte ziemlich Druck machen", erzählen Brancheninsider. Seine intensive Reisetätigkeit führt den OMV-Boss neben Moskau auffallend oft nach Abu Dhabi. Seele müsse den Großaktionär bei Laune halten, um sich dessen Zustimmung für die Russland-Deals und die Verlängerung seines Vertrages als OMV-Boss zu sichern, wird vermutet.

Beteiligung bis zu zehn Prozent

Die Verhandlungen mit Adco dürften bereits seit einigen Monaten laufen. Im Gespräch ist eine Beteiligung von fünf oder zehn Prozent. Wäre eine Investition von einer oder zwei Milliarden Dollar. In der OMV stößt man dazu auf eine Mauer des Schweigens. Kein Kommentar, heißt es.

Eine zehnprozentige Beteiligung wäre für die OMV mit 160.000 Barrel Öl ein wirklich großer Deal. Zum Vergleich: Russland beläuft sich auf 30.000 Barrel Gas.

Bis dato hat sich lediglich Total beteiligt. Die Franzosen, die in der Region historisch bedingt auch andere Interessen haben, unterschrieben eine Lizenz-Vereinbarung über zehn Prozent. Gegen eine Vorausgebühr von zwei Milliarden Dollar. Total erhält dafür pro verkauftem Barrel Öl lediglich 2,85 Dollar. Unabhängig, ob der Ölpreis wie derzeit bei 50 oder bei 100 Dollar steht.

Abu Dhabi macht Druck

Fixpreise seien unüblich, erklären Experten. In der Regel werden vom Ölpreis abhängige Spannen vereinbart. Adnoc versucht jetzt, Shell und BP unter Druck zu setzen, dieselben Konditionen wie Total zu akzeptieren. Die Multis weigern sich jedoch. Man sei zwar grundsätzlich interessiert, aber nicht zu diesen Bedingungen. Es gebe anderswo lohnendere Investments mit besseren Gewinnaussichten. Shell könnte sich überhaupt schon zurückgezogen haben.

Ganz sicher ein Geschäft ist das Projekt für Abu Dhabi. Während die ausländischen Partner mit niedrigen Fixpreisen abgespeist werden sollen, kassiert Adco die volle Differenz zum jeweiligen Ölpreis.

"Wir fokussieren uns auf hochprofitable Barrels", gibt Seele als Konzernstrategie 2016 vor. Akzeptiert die OMV allerdings dieselben Bedingungen wie Total, würde das Unternehmen bei steigenden Ölpreisen auf ein enormes Gewinnpotenzial verzichten. "In wessen Interesse ist ein solcher Deal? Profitiert die OMV oder profitiert nicht vielmehr der Aktionär Abu Dhabi?", wundert man sich in der Branche.

( kurier.at ) Erstellt am 05.12.2016