Wirtschaft
26.11.2018

Warum der Benzinpreis weiter hoch bleibt

Sprit ist laut ÖAMTC zu teuer. Die Mineralölbranche verweist auf ein knappes Angebot.

Gemäß dem ÖAMTC wurde Superbenzin seit Montag vergangener Woche um rund ein Cent je Liter billiger und Diesel um 0,6 Cent je Liter. „Der Eindruck der Autofahrer, dass steigende Ölpreise rasch weitergegeben werden und sinkende Preise nur langsam, ist korrekt“, sagt ÖAMTC–Experte Martin Grasslober. Diesel sei trotz des deutlich gesunkenen Ölpreises den vergangenen Wochen sogar teurer geworden. „Diesel und Benzin sind um mindestens 10 Cent pro Liter zu teuer“, ist Grasslober überzeugt.

Die Mineralölindustrie hat einen anderen Zugang. Wegen „logistischer Herausforderungen“ sei die Lage „angespannt“, heißt es auf der Homepage des Fachverbandes. „Wann eine Entspannung der Situation erwartet werden kann und wie sich der Kraftstoffmarkt kurzfristig entwickeln wird, ist nach wie vor schwer abzuschätzen.“

Als „logistische Herausforderungen“ gelten „das Niedrigwasser am Rhein“ und „bis vor Kurzem auch das Niedrigwasser auf der Donau“. Da die Bahn die Ausfälle nicht kompensieren könne, sei die Transportkapazität deutlich gesunken. Für eine Verknappung des Angebots habe zusätzlich der Ausfall der Raffinerie Vohburg in Bayern gesorgt. Außerdem sei wegen der nach wie vor guten Konjunktur die Nachfrage vor allem bei Diesel weiter hin hoch.

Pipeline aus Triest

Laut dem Geschäftsführer des Fachverbandes der Mineralölindustrie, Christoph Capek, werden jährlich etwa 3,5 Millionen Tonnen Benzin und Diesel aus Deutschland importiert. Etwa sieben Millionen Tonnen Rohöl kommen über eine Pipeline aus Triest nach Österreich.

Bei Superbenzin beträgt der Anteil der Abgaben an den Staat 56 Prozent. Acht Prozent betragen die Kosten für den Vertrieb. Schwankungen beim Ölpreis sollten daher nur in geringerem Ausmaß auf die Spritpreise durchschlagen.

Im EU-Vergleich hat Österreich eher günstige Spritpreise. Billiger tanken kann man nur in Polen, Luxemburg, Tschechien, Spanien und Slowenien. Deutlich teurer sind die Niederlande, Dänemark, Italien und Deutschland. Der Tanktourismus bringt dem Finanzminister jährlich rund eine Milliarde Euro an Einnahmen.