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Wirtschaft
04/09/2021

Zukunftsforscher John Naisbitt gestorben

Der 92-jährige Autor des Bestsellers "Megatrends" lebte zuletzt in Wien und am Wörthersee und beschäftigte sich mit China

von Simone Hoepke

Der US-Trendforscher und Wahlösterreicher John Naisbitt ist am Donnerstag an seinem Zweitwohnsitz am Wörthersee gestorben. Der Politikwissenschaftler war 1982 mit seinem Bestseller „Megatrends“ rund um den Globus berühmt geworden. Das Buch kam in knapp 60 Ländern auf den Markt, dominierte über Wochen  die Bestsellerlisten und verkaufte sich insgesamt 14 Millionen Mal.

In  diesem Erstlingswerk erklärte Naisbitt am Beispiel der Autoindustrie, wie die globalisierte Wirtschaft funktioniert und welche „Megatrends“ (das Wort gilt mittlerweile als Erfindung Naisbitts) das Potenzial haben, die Welt nachhaltig zu verändern. Der US-Wissenschafter machte mit seinem Bestseller den Begriff „Globalisierung“ populär und machte sich selbst zum gefragten Vortragenden bei internationalen Veranstaltungen.

In den vergangenen Jahren hat sich Naisbitt – gemeinsam mit seiner Ehefrau Doris – verstärkt mit der aufstrebenden Supermacht China beschäftigt und unter anderem 2018 ein Buch zur Seidenstraße publiziert.

„China ist das einzige Land mit einer langfristigen geopolitischen Strategie. Es verbindet die Elemente der Zentralwirtschaft mit einer Marktwirtschaft. Wer im internationalen Geschäft dabei sein will, muss sich mit China auseinandersetzen. China wird bald ein stärkeres wirtschaftliches Netzwerk haben als je ein Land zuvor. Die EU verschläft hier eine Entwicklung. Sie ist keine echte Union, sie spricht nicht mit einer Stimme“, sagte er anlässlich der Buchbesprechung in einem KURIER-Interview.

John F. Kennedy

An der Tianjin Universität in China hatte er ein gemeinnütziges und unabhängiges Institut gegründet, das sich der sozialen, kulturellen und ökonomischen Transformation von China widmen sollte.

In seiner Heimat USA war Naisbitt schon lange vor seinem Durchbruch als Bestseller-Autor – der ihm übrigens im Alter von 53 Jahren gelang – bekannt.

Der 1929 in Salt Lake City geborene Politikwissenschaftler war nämlich zuvor unter anderem stellvertretender Bildungsminister unter John F. Kennedy und später auch für dessen Nachfolger Lyndon B. Johnson tätig, bis er im Jahr  1967 dem Weißen Haus den Rücken kehrte und sich mit seiner „Urban Research Corporation“ ins Unternehmertum verabschiedete. Auch als Künstler hatte sich der kunstsinnige Weltenbürger zwischenzeitig versucht.

Seine Frau Doris, die aus Bad Ischl stammt, lernte Naisbitt über seine Rolle als Buchautor kennen. Sie war Chefin des Signum Verlages und konnte ihren späteren Ehemann 1994 als  Autor  gewinnen.  Sechs Jahre später haben die beiden geheiratet. Seitdem publizierten sie gemeinsam.

 

Naisbitt lebte in den vergangenen Jahren mit seiner Frau im 9. Wiener Gemeindebezirk und in Velden am Wörthersee. Gemeinsam verbrachten sie auch viel Zeit  in China, wo   sie unter anderem mit Universitäten zusammenarbeiteten.
Die Zukunft von Europa hat Naisbitt übrigens nicht gerade rosig gesehen. Gegenüber dem deutschen Magazin Spiegel sagte er einst, Europa sei eher auf dem Weg „zu einer Art Erlebnispark für reiche Asiaten und Amerikaner als zur wirtschaftlich dynamischsten Region der Welt“. Zuletzt beschäftigte er sich verstärkt mit der Entwicklung Chinas.

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