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Wirtschaft
10/22/2021

Sportartikelhandel: Volle Lager und trotzdem zu wenige Ski am Markt

Die Sportartikelhändler rechnen mit einer guten Saison. Einziger Unsicherheitsfaktor ist die Verfügbarkeit von Waren

von Simone Hoepke

So viele Ski wie Christoph Bründl hat österreichweit wohl kein zweiter lagernd: 36.000 Paar. Bründl ist Sportartikelhändler, nennt 31 Geschäfte sein eigen. Viele davon in Tourismushochburgen wie Ischgl (3 Standorte), Mayrhofen (4) oder Zell am See (5). Er ist überzeugt, dass einer guten Saison nichts im Wege steht: „Ich habe heuer so viele Langlauf- und Tourenski gekauft wie überhaupt noch nie und hätte gern noch viel mehr gehabt, aber sie waren ausverkauft“, sagt Bründl. Die Industrie habe sogar Aufträge stornieren müssen, weil sie mit der Produktion nicht nachgekommen sei.

Am Kitzsteinhorn sei die Skisaison – dank der Herbstferien in Teilen Deutschlands und den Niederlanden – schon gut angelaufen. Der einzige Unsicherheitsfaktor der Saison sei aus seiner Sicht die Warenverfügbarkeit. „Nicht nur Skitouren-Schuhe sind ausverkauft, auch im Bekleidungssektor ist einiges in der Lieferkette hängen geblieben“, verweist er unter anderem auf Lauf- und Freizeitschuhe. Einer der Hauptgründe: Corona legt Fabriken im Vietnam lahm, dazu kommen Rückstaus in der weltweiten Container-Schifffahrt.

Ähnliches berichtet auch Holger Schwarting, Chef der Einkaufsgenossenschaft Sport 2000, an die mehr als 23 Händler mit insgesamt knapp 400 Geschäften angeschlossen sind: „Die Menschen wollen wieder Skifahren“, ist er überzeugt. Seine Händler haben entsprechend großzügige Bestellungen für die Winterware aufgegeben. „Österreich ist mit rund 400.000 verkauften Paar Ski im Jahr traditionell der größte Markt in Europa“, sagt Schwarting. Bereits drei von vier Paar Ski gehen in den Verleih, doch dieser ist vorigen Winter mehr oder weniger völlig zum Erliegen gekommen. Zumindest in den Tourismusorten, die Lockdown-bedingt verwaist waren. Die Folge: Tausende Brettln blieben völlig ungenutzt in den Verkaufs-, Verleih und Lagerräumen liegen. Das wiederum hat zu einem ungewöhnlichen Schulterschluss zwischen Handel und Industrie geführt: Die Bestände vom vergangenen Jahr sollen abverkauft werden, bevor die Industrie die nächsten Neuigkeiten in den Markt presst.

Bleibt die Frage, wie es der Ski-Industrie zum Saisonstart geht. Wolfgang Mayrhofer, Geschäftsführer von Atomic, gibt sich zuversichtlich. Während im vorigen Winter die Skiumsätze entlang des Alpenbogens eingebrochen sind, haben sie in anderen Regionen so richtig Fahrt aufgenommen, sagt Mayrhofer. „In den USA oder Kanada gab es keinen Lockdown, die Umsätze sind um 50 Prozent in die Höhe geschnellt.“

Parallel dazu habe der Langlauf- und Tourenski-Boom in Skandinavien die Umsätze von Herstellern wie Atomic oder Fischer weiter beflügelt. Ein Trend, der gekommen ist, um zu bleiben. Tourenski machen laut Branchenkennern bereits zehn bis 15 Prozent des Marktes aus.

Hoffnungsmarkt China

Europa bleibt mit einem Weltmarktanteil von 60 Prozent der größte Wintersportmarkt, weit vor Nordamerika und Asien (25 bzw. 15 Prozent). Als Wachstumsmarkt gilt China. Die bevorstehende Olympiade in Peking 2022 soll im 1,4-Milliarden-Einwohnerland die Werbetrommel für den Skisport trommeln. „In drei bis vier Jahren könnten in China so viele Ski verkauft werden wie jetzt in Österreich“, hofft Mayrhofer.

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