Milliardenaufträge: Flugzeugbauer fliegen auf voestalpine
Zusammenfassung
- Großaufträge aus der Luftfahrt bringen voestalpine rund eine Milliarde Euro.
- Der Konzern sieht trotz Iran-Krieg keine Versorgungsengpässe und setzt weiter auf Investitionen in grünen Stahl.
- Im Bahnbereich bleibt voestalpine Weltmarktführer und erwartet durch internationale Infrastrukturprojekte weiteres Wachstum.
Ursprünglich sollten bei der voestalpine an den Standorten Kindberg und Mürzzuschlag 340 Stellen gestrichen werden. Jetzt sollen es nur noch „ein bisschen unter 300“ sein, wie Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch im Club der Wirtschaftspublizisten in Wien sagte. Zur steigenden Auslastung des Werkes in Mürzzuschlag dürften auch Großaufträge aus der Luftfahrt im Gesamtwert von einer Mrd. Euro für die nächsten fünf Jahre beigetragen haben.
Hightech-Bleche für Flugzeuge werden dort gefertigt. Der Großteil der Aufträge, die u. a. vom Hersteller Airbus kommen, umfasst Schmiedeteile für Trieb- und Fahrwerke, die am Standort in Kapfenberg und in Sumare in Brasilien produziert werden.
Grund für den Jobabbau in der Steiermark waren vor allem die US-Zölle, die Absatzmengen in den USA deutlich zurückgehen ließen. Die Kosten für Voest beziffert Eibensteiner im höheren zweistelligen Millionenbereich. Mit den konzernweiten Stellenstreichungen sei man zu drei Viertel durch, erläuterte Eibensteiner.
Keine Engpässe wegen Iran-Krieg
Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten hält der voestalpine-Chef für „managebar“. Engpässe bei Gas habe es in Europa wegen der Behinderungen in der Meerenge von Hormus bisher keine gegeben. Die Voest beziehe ihr Gas aus Norwegen oder über Italien aus Nordafrika, sagte Eibensteiner. Flüssiggas kommt aus den USA und immer noch aus Russland
Wie sich die Situation im Nahen Osten längerfristig auswirke, werde man zum Halbjahr wissen, so der voestalpine-Chef. Wenn die Energiepreise hoch bleiben, werde von dem leichten Rückenwind, den man Anfang des Jahres gehabt habe, aber nicht mehr viel zu spüren sein.
Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner.
Bei grünem Stahl im Plan
Die voestalpine will im kommenden Jahr die ersten beiden Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz für die Produktion von grünem Stahl in Betrieb nehmen. Insgesamt sollen fünf Hochöfen durch die umweltfreundlicheren Alternativen abgelöst werden. Bis 2030 sollen zwei weitere Elektroöfen die Stahlproduktion aufnehmen und die Emissionen um 50 Prozent reduziert werden. Bis 2050 will man klimaneutral produzieren. 1,5 Mrd. Euro hat der Konzern investiert. Rund die Hälfte davon wurde bereits ausgegeben, sagte Eibensteiner.
Er mahnte eine Verlängerung der CO2-Freizertifikate ein, die 2034 auslaufen sollen. Ausreichend grüner Strom und Wasserstoffnetze seien noch nicht verfügbar. Weil die Energiethemen nicht gelöst seien, brauche man mehr Zeit für die Umsetzung, sagte Eibensteiner. Den ab Anfang nächsten Jahres geplanten günstigeren Industriestrompreis begrüßt der Voest-Chef. Es werde eine gewisse Verbesserung geben. Die voestalpine produziert den Großteil ihres Stroms aber selbst aus Abgasen des Hochofens. „Für uns ist Gas relevant“, sagte Eibensteiner.
Auf Schiene
Gut unterwegs ist die voestalpine im Bahnbereich, wo man mit Premiumschienen, Hightech-Weichen und digitalen Monitoringsystemen zuletzt 2,2 Mrd. Euro umsetzte und Weltmarktführer bei Infrastruktursystemen ist. Seit 2016 konnten die Erlöse in dem Bereich um 62 Prozent gesteigert werden, der Gesamtjahresumsatz der Voest betrug 15,7 Mrd. Euro. In den nächsten Jahren rechnet Eibensteiner u. a. durch die Sanierung des maroden deutschen Bahnnetzes, aber auch in der Schweiz, dem Baltikum, Ägypten, China und den USA mit anhaltend hohen Umsätzen in der Sparte.
Wachsen will der Stahlkonzern auch im gut gehenden Lagertechnikgeschäft. Zu den Kunden zählen Ikea, Walmart und auch Amazon. Auch am indischen Markt sieht Eibensteiner viel Potenzial.
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