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Wirtschaft
10/14/2020

Post-Corona-Zeit: Die vier Szenarien für die Wirtschaft

Betriebe sollen die Krise als Chance nützen und sich neu aufstellen, meint Beratungshaus EY. Und Staaten sollten ihre Hilfsmaßnahmen überdenken.

von Robert Kleedorfer

Wie es nach Ende der Krise wirtschaftlich weitergehen könnte, hat auch eine Studie des Beratungsunternehmens EY beleuchtet. Annahme ist, dass der Prä-Corona-Zustand bereits keinen optimalen Zustand darstelle. „Ansonsten wäre in jedem Fall eine Rückkehr in diesen Zustand die beste Antwort auf die Krise“, heißt es in dem Papier. Schon vor der Krise seien strukturelle Hausaufgaben nicht gemacht worden, sodass die Krise ein wirtschaftspolitisches Momentum für die Verbindung von Krisenbewältigung und Strukturwandel erzeugt.

Die Studie nennt vier mögliche Szenarien für das weitere Geschehen:

  • 1: Die Wirtschaft kann größtenteils wieder zum Status quo vor Corona zurückkehren. Rund 10 Prozent der Unternehmen können dies jedoch vorerst nicht. Dieses Szenario tritt ein, wenn sich die Krise stetig zurückbildet. „Die Krise wird aber länger dauern, als wir vor einem Monat noch gehofft haben“, sagt Ökonom Henning Vöpel, Direktor des Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), zum KURIER. Daher sei dieses Szenario unwahrscheinlich.
     
  • 2: Hier sind die Folgen des Schocks so groß und nachhaltig, dass strukturelle Veränderungen daraus resultieren würden. Die Wirtschaftspolitik hält den Strukturwandel jedoch mit Maßnahmen wie Förderungen zurück.
     
  • 3: Im dritten Szenario ist der Schock ebenfalls sehr groß, doch nun agiert die Politik wenig bewahrend.
     
  • 4: Dieses tritt ein, wenn es zu wiederholten Schocks mit erneuten Shutdowns kommt, die Wirtschaftspolitik aber mit Kurzarbeit, Bürgschaften und Krediten sogar langfristig destabilisierend wirkt, weil mit jedem Mal der wirtschaftspolitische Spielraum verengt werde.

Vöpel rechnet damit, dass Szenario 2 oder 4 eintreten werde. Er ruft Betriebe dazu auf, die Krise als Chance sehen und nötige Restrukturierungen durchzuführen.

EY- Experte Johannes Schneider nennt als Beispiele die die Entwicklung neuer Technologien, aber auch die Verlagerung oder Zusammenlegung von Werken oder Fusionen und Zukäufe. „Natürlich rumpelt es bei solchen Maßnahmen“, gibt er zu. Aber die Krise zwinge dazu, stärker über Veränderungen nachzudenken, pflichtet ihm Vöpel bei. Denn die Hilfsmaßnahmen würden mit Fortdauer der Krise immer weniger Wirkung zeigen und zudem immer teurer werden.

Die Krise habe schon sehr viel Eigenkapital gekostet. Je länger der Strukturwandel verzögert werde, desto mehr verenge sich der finanzielle Spielraum für ebendiesen. „Kein gutes Geld dem schlechten nachwerfen“, lautet sein Rat. Besser sei es, digitale und nachhaltige Geschäftsmodelle zu unterstützen. „Bei einer überzeugenden Story werden sich auch die Banken nicht verschließen, diese zu finanzieren“, so Schneider. „Die Bereitschaft dazu wäre da.“

Seiner Meinung nach haben die strukturerhaltenden Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Stundungen am Anfang geholfen. Mit Fortdauer der Pandemie würden aber andere Maßnahmen wichtiger, wie etwa Investitionsprämien oder Forschungsförderungen.

Der Innovationsdruck ist laut Vöpel in einigen Ländern geringer, weil die Zinsen tief sind oder wirtschaftlich besser dastehen. Dazu zähle auch Österreich. Dennoch sollte sich Österreich ganz bewusst offensiv ausrichten und konsequent auf Modernisierung und Strukturerneuerung setzen – und zwar in jedem denkbaren Szenario.

Bankenkrisen wahrscheinlich

Unabhängig vom tatsächlich eintretenden Szenario lassen sich bereits einige unmittelbare, wahrscheinliche Entwicklungen erkennen. Die gestiegenen Staatsschulden in Verbindung mit hohen Kreditlasten von Unternehmen und Haushalten machen Folgekrisen wie etwa Bankenkrisen wahrscheinlich.

Die Krise werde zudem das weltwirtschaftliche und geopolitische Umfeld verändern. Bereits jetzt sei erkennbar, dass die Weltwirtschaft im Ausgang der Krise deutlich fragmentierter sein werde. Das gelte auch für Europa. Die schon vor der Krise deutlich erkennbaren, geopolitisch motivierten Tendenzen der Renationalisierung und Deglobalisierung würden sich zu verstärken drohen.

Mikroökonomisch werde sich das Wettbewerbsumfeld deutlich verändern, zum Teil durch Konzentrationsprozesse, weil die margenschwächeren Unternehmen ausscheiden, zum Teil durch Beteiligungen des Staates an Unternehmen und weitere staatswirtschaftliche Markteingriffe.

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