Wirtschaft
29.05.2018

Viele Jungmanager halten Schmiergeldzahlung zur Firmen-Rettung für gerechtfertigt

Jeder fünfte Jungmanager hat eine inakzeptable Einstellung zu Schmiergeldzahlungen. Sie sind aber nicht korrupter als ältere.

Österreichs Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Fortschritte beim Kampf gegen Betrug und Korruption gemacht. Nur jedes zehnte Unternehmen ist im Vorjahr Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden, zwei Jahre zuvor war es noch jedes vierte. Weltweiter Spitzenreiter in Sachen Wirtschaftsbetrug ist die Ukraine, gefolgt von Kenia und Belgien. Das ergab eine weltweite Befragung von 2550 Managern durch den internationalen Wirtschaftsprüfer EY.

Erstaunlich ist, welche Risiken die befragten Manager für ihr Unternehmen am meisten fürchten: den Brexit, die Russland- und Iran-Sanktionen und die Tweets von US-Präsident Donald Trump.

Erst mit deutlichem Abstand folgen Risiken wie Cyberattacken oder wettbewerbsrechtliche Probleme. Fakt ist auch, dass die Ehrlichkeit der Manager, Betrugs- und Korruptionsfälle im eigenen Unternehmen einzuräumen, eher bescheiden ist. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagt EY-Experte Benjamin Weissmann. „Laut einer deutschen Studie sind die Fälle eigentlich fünf Mal so hoch als zugegeben.“ Denn Bestechung und Korruption führen für Unternehmen und Manager zu straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen.

„Daher will man das oft unter den Teppich kehren“, sagt EY-Experte Andreas Frohner. Sanktionen gibt es zwar für Mitarbeiter, die das Schmiergeld übergeben haben, aber meist nicht für die Chefetage. Offen bleibt daher die Frage, wie kam der Mitarbeiter an das Schmiergeld?

Risiko Einladungen

Glaubt man den Managern, so ist Korruption in Österreich kein großes Thema mehr. Nur sechs Prozent halten sie nach wie vor für weit verbreitet. Dabei beträgt der Schaden durch Korruption hierzulande rund 17 Milliarden Euro. „Vor allem Einladungen sind eine Grauzone“, sagt Frohner. „Von Einladungen in ein Nobelrestaurant während einer Ausschreibung oder einer Betriebsprüfung ist abzuraten.“

Zwar halten Österreichs Manager die Ethik hoch, aber die unter 35-Jährigen machen Sorgen. Ein Fünftel der Jungmanager meint, dass Barzahlungen, sprich Schmiergelder, gerechtfertigt sind, wenn sie dazu beitragen, ein Unternehmen aus einer Krise zu retten. Frohner: „Ich glaube nicht, dass sie korrupter sind, sie sind sorgloser. Sie denken offenbar, der Zweck heilige die Mittel.“