Bawag-Chef Byron Haynes hat seine Bank neu ausgerichtet. Der angebliche Verkauf der Bawag wird derzeit als reine Spekulation abgetan.

© Reuters/HEINZ-PETER BADER

Finanzbranche
02/03/2014

Verkaufsgerücht um Bawag

Die spanische Großbank Santander soll Interesse an dem Institut haben.

von Kid Möchel

Die Restrukturierung der Bawag PSK (500 Filialen, 3840 Mitarbeiter) wurde erst kürzlich abgeschlossen, schon verdichten sich die Verkaufsgerüchte. Laut der deutschen Tageszeitung Handelsblatt wird die börsennotierte spanische Banco Santander, eine der größten Banken in der Eurozone, als mögliche Käuferin der Bawag gehandelt. Die Bank aus der gleichnamigen nordspanischen Stadt beschäftigt fast 187.000 Mitarbeiter, hat 102 Millionen Kunden und erzielte im Vorjahr 4,4 Milliarden Euro Gewinn.

In Österreich sind die Spanier mit ihrer Tochter Santander Consumer Bank vertreten, die 2009 das Geschäft von GE Money, dem Finanzdienstleister des US-Konzerns General Electric, übernahm. Die Spanier vergeben hierzulande Privatkredite und betreiben 25 Filialen.

Bereits Ende 2006 galt die Banco Santander als Kauf-Interessent für die damalige Gewerkschaftsbank Bawag, den Zuschlag erhielt aber der US-Finanzinvestor Cerberus.

In der Bawag-Zentrale am Wiener Georg-Coch-Platz gibt man sich in Sachen Verkauf sehr einsilbig. "Ich kann dieses Gerücht nicht bestätigen", sagt Bawag-Sprecherin Sabine Hacker. Und sie verweist auf Aussagen von Bawag-Chef Byron Haynes, der einen Ausstieg des US-Fonds Cerberus, der 52 Prozent der Bawag hält, als "reine Spekulation" bezeichnete.

Ausstieg mit Hürden

Fakt ist: Cerberus ist seit sieben Jahren bei der Bawag an Bord – ein ungewöhnlich langes Engagement für einen Finanzinvestor. "Wenn der Preis attraktiv ist, verkauft auch Cerberus", sagt ein Branchenkenner zum KURIER. Bei zwei Milliarden Euro soll die Latte liegen. Doch einem Verkauf steht der 520 Millionen Euro schwere Rechtsstreit mit der Stadt Linz um die verlustreiche Zins- und Währungswette "Swap 4175" im Weg.

"Mit diesem ungelösten Problem kann man keine Bank verkaufen", sagt ein Investmentbanker. Neben der zivilrechtlichen Schlacht vor dem Wiener Handelsgericht, deren Ausgang offen ist, droht vier (ehemaligen) Bawag-Mitarbeitern Ungemach seitens der Staatsanwaltschaft Linz. Der Verdacht: schwerer Betrug. Laut Aktenlage wirft ihnen der Staatsanwalt vor, "sie hätten die Stadt Linz bei Abschluss des Swaps im Februar 2007 nicht über dessen negativen Anfangswert informiert".

Laut Gutachtern war die Wette schon bei Abschluss mit 16 bis 20 Millionen Euro im Minus – ohne, dass Linz davon wusste. Nun haben die Bawag-Anwälte der Justiz Entlastungsmaterial vorgelegt. "Bei Geschäftsabschluss hat die Bawag keine Berechnung des Marktwertes aus Kundensicht durchgeführt und deshalb war den Mitarbeitern auch kein Anfangswert bekannt", heißt es in einem Schreiben. Auch von etwaigen Aufklärungspflichten wussten die Mitarbeiter nichts. Der Vorwurf der Täuschung gehe ins Leere.

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