Schwerer Schlag im Iran-Krieg: VAE treten aus der OPEC aus

Die Emirate kehren der OPEC den Rücken. Der Schritt trifft den Ölverbund mitten in der Energiekrise und legt tiefe politische Risse offen.
UAE announce exit from OPEC and OPEC+

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Dienstag angekündigt, aus der Ölallianz OPEC und ihrer Erweiterung OPEC+ auszutreten. Der Schritt werde am 1. Mai erfolgen, berichteten staatliche Medien. Als Grund für den Austritt wird mangelnde Solidarität zwischen den erdölexportierenden Staaten angesichts des Iran-Kriegs angegeben.

VAE hat Austritt mit niemandem abgesprochen

Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für die Exportländer und deren De-facto-Anführer Saudi-Arabien, zumal der Krieg bereits einen historischen Energieschock ausgelöst und die Weltwirtschaft verunsichert hat.

Der Energieminister der VAE, Suhail Mohamed al-Masrui, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Entscheidung sei nach einer sorgfältigen Prüfung der Energiestrategien getroffen worden. Auf die Frage, ob sich sein Land mit Saudi-Arabien abgestimmt habe, erklärte er, das Thema sei mit keinem anderen Staat besprochen worden. "Dies ist eine politische Entscheidung, die nach einer genauen Prüfung der aktuellen und künftigen Förderpolitik getroffen wurde", sagte der Minister.

OPEC droht nun deutliche Schwächung

Der überraschende Verlust des langjährigen Mitglieds droht die OPEC zu schwächen, die trotz interner Meinungsverschiedenheiten über Geopolitik oder Förderquoten meist um ein geschlossenes Auftreten bemüht war. Al-Masrui zufolge wird der Austritt wegen der Lage in der Straße von Hormuz jedoch keine massiven Auswirkungen auf den Markt haben. Die OPEC-Produzenten am Golf haben wegen iranischer Drohungen und Angriffe auf Schiffe Schwierigkeiten, ihre Exporte durch die schmale Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman abzuwickeln. Dort wird normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssigerdgases verschifft.

Für US-Präsident Donald Trump ist der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate dagegen ein großer Erfolg. Er hatte der Organisation vorgeworfen, den Rest der Welt durch künstlich überhöhte Ölpreise "auszunehmen". Trump hatte zudem die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft: Während die USA die OPEC-Mitglieder verteidigten, würden diese die Situation durch hohe Preise ausnutzen.

"Auf historischem Tiefpunkt"

Dem Austritt war scharfe Kritik der VAE an anderen arabischen Staaten vorausgegangen. Das Land, das als regionales Wirtschaftszentrum und einer der wichtigsten Verbündeten Washingtons gilt, warf seinen Nachbarn vor, es während des Krieges nicht ausreichend vor den zahlreichen iranischen Angriffen geschützt zu haben.

Anwar Gargasch, diplomatischer Berater des Präsidenten der VAE, hatte am Montag auf dem "Gulf Influencers Forum" - einem Treffen regionaler Entscheidungsträger - das Vorgehen der arabischen Staaten und der Golfregion bemängelt. Die Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) hätten einander zwar logistisch unterstützt, politisch und militärisch sei ihre Position jedoch "auf einem historischen Tiefpunkt" gewesen, sagte Gargasch. "Von der Arabischen Liga habe ich diese schwache Haltung erwartet und bin daher nicht überrascht, aber vom Kooperationsrat hätte ich sie nicht erwartet und bin darüber verwundert."

Bedeutender Wandel für die OPEC

Jorge Leon, Analyst beim Beratungsunternehmen Rystad, sieht in dem Austritt der VAE "einen bedeutenden Wandel" für die OPEC. "Neben Saudi-Arabien ist das Land eines der wenigen Mitglieder mit nennenswerten Reservekapazitäten - jenem Instrument, durch das die Gruppe Einfluss auf den Markt ausübt."

Längerfristig dürfte eine strukturell schwächere OPEC die Folge sein. "Außerhalb der Gruppe hätten die VAE sowohl den Anreiz als auch die Fähigkeit, die Förderung auszuweiten", erklärte Leon weiter. Dies werfe grundsätzliche Fragen zur langfristigen Rolle Saudi-Arabiens als zentraler Stabilisator des Marktes auf. Zudem deute es auf einen potenziell volatileren Ölmarkt hin, da die Fähigkeit der OPEC schwinde, Ungleichgewichte beim Angebot auszugleichen.

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