Blockaden: USA gegen Iran - wer hat beim Ölpreis den längeren Atem?

Die USA wollen dem Iran alle Öllieferungen abdrehen - und Teheran so in die Knie zwingen. Aber der Iran hat bei diesem Kräftemessen noch zwei Wochen Zeit - während der Ölpreis weiter steigt.
Eine Frau vor einer großen Wandmalerei

Bis Sonntag gilt eine Ausnahmeregel der USA, die helfen sollte, um die nach Beginn des Iran-Krieges rasch gestiegenen Energiepreise einzudämmen: So gab es die Genehmigung für die Lieferung und den Verkauf von iranischem Rohöl und anderen Erdölprodukten, die vor dem 20. März auf Schiffe verladen wurden. 

Doch am 19. April ist damit Schluss.

„Die kurzfristige Genehmigung für den Verkauf des bereits im Meer gestrandeten iranischen Öls läuft in wenigen Tagen aus und wird nicht verlängert“, erklärte das US-Finanzministerium in einer Stellungnahme. Eine weitere Fortführung der Lockerungen der Sanktionen sei nicht geplant. Die Lockerungen bei Sanktionen gegen russisches Öl sind bereits diese Woche ausgelaufen. Mit einem weiteren Anstieg der Ölpreise ist also sehr bald zu rechnen.

Die USA wollen so den Druck auf den Iran erhöhen, um das Regime in Teheran bei Gesprächen, die vermutlich bald fortgesetzt werden dürften, zum Einlenken zu zwingen. Zunächst aber trifft die Maßnahme besonders Irans Ölkunden, allen voran die asiatischen Staaten und darunter besonders China.

„Sie werden also nicht an ihr Öl kommen. Sie können Öl bekommen. Aber kein iranisches Öl“, sagte US-Finanzminister Scott Bessent und fügte hinzu, dass China mehr als 90 Prozent des iranischen Öls gekauft habe und dies etwa 8 Prozent ihrer jährlichen Käufe ausmache.

140 Millionen Barrel iranisches Öl

Durch die amerikanische Ausnahmeregelung gelangten seit Kriegsbeginn am 28. Februar rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl auf die Weltmärkte - der Druck auf die Energieversorgung konnte dadurch ein wenig gelindert werden.

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Schiff im Persischen Golf

Doch auf die Sperre der Meerenge von Hormus durch den Iran blockieren nun die USA ebenfalls jene Schiffe, denen der Iran eigentlich freie Fahrt gestatten wollte - also Schiffen aus Staaten, die besonders nach Asien fahren sollten.

Die Maximalblockade soll den Iran wirtschaftlich so schwächen, dass das Regime in die Knie gezwungen wird.

Die Lager werden voll

Bis zur totalen Blockade durch die USA konnte der Iran nach wie vor jeden Tag rund 1,8 Millionen Barrel Öl exportieren - und wegen der gestiegenen Ölpreise mehr Geld als vor dem Krieg lukrieren. Etwa die Hälfte der iranischen Produktion von 3,6 Mio. Barrel pro Tag wird im Inland verbraucht.

Bleibt das Öl nun im Land, muss das geförderte Öl in Lager gefüllt werden - die aber dürften in spätestens zwei Wochen ihr maximales Füllvolumen erreicht haben. Hält die US-Blockade also an, ist unvermeidlich, dass der Iran schon in den kommenden Tagen seine Ölproduktion drosseln muss.

Für den Iran und insbesondere die Revolutionsgarden, die beim Ölverkauf mindestens die Hälfte der Gewinne einstreifen, wäre dies ein schmerzhafter Verlust der Wirtschaftskraft. Doch im Augenblick, so beurteilen es Experten, geht der Iran davon aus, bei diesem Kräftemessen mit den USA den längeren Atem zu haben.

„Die Mentalität des Regimes ist von hartnäckigem Widerstand auf Kosten der Bevölkerung geprägt, aber das wird seinen Preis haben: weitere Legitimitätskrisen und die Bestrafung des Volkes“, sagt Sanam Vakil, Nahost-Direktorin bei Chatham House, gegenüber der Financial Times. „Aber aus psychologischer Sicht können sie länger durchhalten als Präsident Trump. Dies ist eine Prüfung des Willens und der Ausdauer.“

Unklar ist vorerst, ob der Iran seine jüngsten Drohungen wahr machen wird: Irans Militärführung hat angesichts der US-Seeblockade die Wiederaufnahme von Angriffen angekündigt. Sollte die Blockade die Sicherheit von iranischen Handelsschiffen und Öltankern bedrohen, werde sie die Waffenruhe beenden, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung der Militärführung.

Dass angesichts der Verknappung des weltweiten Ölangebotes die Preise weiter steigen werden, darf hingegen als gesichert gelten.

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