Wirtschaft 14.06.2018

Verdächtiger Milliardenbetrüger dreht in Dubai das große Rad

© Bild: Poles - Fotolia/Igor Poleshchuk/Fotolia

Schwere Vorwürfe gegen britischen Ex-Banker. Eine Spur führt nun nach Österreich. Tipp kam von Europol

Er steht seit längerer Zeit im Verdacht, einer der größten Steuerbetrüger Europas zu sein, jetzt führen Spuren offenbar nach Spanien und nach Österreich. Das berichtet jedenfalls die Süddeutsche Zeitung. Der 47-jährige Londoner Investmentbanker Sanjay Shah hat sein Handwerk laut eigenen Angaben bei KPMG und Merrill Lynch gelernt und später bei den Banken Credit Suisse, ING, Morgan Stanley und Rabobank im Wertpapier- und Derivatehandel das große Rad gedreht. Im Zuge der Finanzkrise verlor er aber seinen Job und machte sich 2008 mit dem Hedgefonds Solo Capital und weiteren Finanzfirmen selbstständig.

Shah soll einer der Drahtzieher im sogenannten Cum-Ex-Skandal gewesen sein. Dabei sollen bei Wertpapiertransaktionen in den Jahren 2012 bis 2015 Steuerrückerstattungen in Milliardenhöhe unrechtmäßig lukriert worden sein. Gegen Shah, der seinen Lebensmittelpunkt bereits 2009 nach Dubai verlagert hat, wird in mehreren Ländern ermittelt, darunter in Großbritannien, Dänemark, Belgien, Norwegen und Deutschland sowie in den USA. Die dänischen Behörden beziffern den Schaden aus diesem mutmaßlichen Steuerbetrug mit rund 1,65 Milliarden Euro, Belgien mit mehr als 200 Millionen Euro und Deutschland mit 40 Millionen Euro. Zugleich konnte in Belgien verhindert werden, dass weitere 200 Millionen Euro Steuerrückvergütungen ausgezahlt werden.

Tipp von Europol

Tipp von Europol

Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen die Behörden zurzeit keine Angaben machen. In Österreich ist der Finanzzocker kein Unbekannter. Europol hat die heimischen Behörden über seine Aktivitäten informiert und so konnten angeblich unrechtmäßige Steuervergütungen auch hierzulande verhindert werden, wie Polizei-Insider versichern. Dem Vernehmen nach weist Shah alle Vorwürfe zurück. Er fungiert heute als Finanzier in der Filmbranche und widmet sich dem Charity-Projekt AutismRocks.

Sicherer Hafen

Doch Shah scheint nach wie vor in mehreren Firmen als Direktor oder Vorstandschef auf: Solo Capital (Norwich), Honey Jersey ( London), Hydra Capital (London) und Elysium Global (Dubai). Etliche Firmen in den Vereinigten Emiraten hat er mittlerweile aufgelöst. Er war auch Teilhaber einer Hamburger Privatbank.

( kurier.at ) Erstellt am 14.06.2018