Verbund-Chef: "Brauchen mehr Windkraft, Speicher und Tempo"
Verbund-CEO Michael Strugl beim Pressegespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Zusammenfassung
- Verbund-CEO Strugl fordert einen schnellen, koordinierten Ausbau von Windkraft, Speichern und Netzinfrastruktur für mehr Versorgungssicherheit und sinkende Strompreise.
- Ab März bringt Verbund einen neuen Tarif unter 10 Cent/kWh, um den Wettbewerb zu stärken und Kunden zu entlasten.
- Strugl sieht einen Industriestrompreis als sinnvolle Brückenmaßnahme, betont aber langfristig die Notwendigkeit von Systemeffizienz und einem starken europäischen Strombinnenmarkt.
Österreichs Wirtschaft sei derzeit aufgrund der geopolitischen Situation mit einer unglaublichen Unberechenbarkeit konfrontiert. Das Beste, das man tun könnte, um angesichts dessen wettbewerbsfähig zu bleiben, sei so viel Energie wie möglich im eigenen Land zu erzeugen, sagt Michael Strugl bei einem Gespräch mit Wirtschaftsjournalisten am Montag. Der Verbund-CEO äußerte sich dabei auch zur Strompreisdebatte, Bedrohungsszenarien für die Stromversorgung und Gerüchten über eine öffentliche Postenbesetzung - und er kündigt einen günstigeren Stromtarif an.
Stromerzeugung ausbauen statt nach Öl bohren
"Wenn die Amerikaner sagen 'Drill, Baby, drill!' müssen wir sagen: 'Ausbauen!'", meint Strugl. Die eigene Stromerzeugung zu vergrößern, steigere die Resilienz und verringere die Abhängigkeit von kostspieligen Energieimporten. Ein Kraftwerksausbau müsse aber koordiniert und nach einem ganzheitlichen Plan erfolgen. "Eine Transformation kann man kosteneffizient machen oder teuer und schlecht geplant. Der Kostenunterschied liegt bei 30 bis 40 Prozent."
Ausbau der Windkraft ist enorm wichtig
Strugl plädiert für eine Überarbeitung des Österreichischen Netzinfrastrukturplans (ÖNIP). Er überbetone derzeit den Photovoltaik-Ausbau, berücksichtige Speicher nur unzureichend und gehe von überholten Werten bei der Verbrauchsentwicklung aus. Windkraft, die besonders im Winter viel Strom erzeugt, sollte dagegen höher gewichtet werden. "Gestern hatten wir ein starkes Winddargebot. Wir konnten damit den Inlandsbedarf fast zur Gänze decken."
Unter 10 Cent pro Kilowattstunde ab März
Der Verbund stehe voll dahinter, den Strompreis für seine Kunden zu senken. Im März werde es eine Tarifsenkung geben. Ein neuer Österreich-Tarif mit weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde werde für Bestands- und Neukunden kommen. Der Tarif sole auch den oftmals bemängelten Wettbewerb im Lande ankurbeln, sagt Bundeskanzler Christian Stocker in einer Aussendung. Seine Botschaft an andere Stromlieferanten: "Genau diesen Anspruch haben wir auch an alle anderen Energieversorger mit öffentlicher Beteiligung."
Industriestrompreis als Brückenmaßnahme sinnvoll
Einen günstigeren Strompreis für Industrieunternehmen einzuführen, hält Strugl für eine sinnvolle Maßnahme. "Wenn in Deutschland Maßnahmen zur Entlastung getroffen werden, wird Österreich etwas tun müssen." Aber selbst der in Deutschland angekündigte Industriestrompreis von 5 Cent/kWh für drei Jahre sei schwierig zu finanzieren. "Eine Subvention kann nur eine Brücke sein. Längerfristig muss man sich etwas anderes einfallen lassen", sagt Strugl. Die Lösung könne nur in mehr Systemeffizienz und niedrigeren Erzeugungskosten liegen.
Europäischer Binnenmarkt soll gestärkt werden
Mit mehr Systemeffizienz meint der Verbund-Chef auch eine vollständige Umsetzung eines europäischen Strombinnenmarktes. Europa hätte das Potenzial, sich mit Strom selbst zu versorgen. Wenn Österreich Energie importieren müsse, sei es wohl besser, Strom aus Deutschland zu beziehen, als auf Flüssiggaslieferungen aus anderen Weltregionen zu bauen. "Man ist dadurch nicht global gehandelten Rohstoffen ausgeliefert, die geopolitischen Verwerfungen ausgesetzt sind."
Drohnen kann man nicht einfach so abschießen
Apropos Bedrohungslagen: Angesichts des Blackouts in Berlin ist Strugl unbesorgt: "Auch wenn es jemandem gelingt, Anlagen zu zerstören, gibt es Redundanzen. In Berlin war das nicht der Fall." Für die Absicherung gegen Cyberangriffe investiere man viel Geld. Problematisch bleibt nur die Bedrohung durch Drohnen, vor allem weil noch ungeklärt sei, wie man im Notfall vorgehen darf. "Wir brauchen da Klarheit. Es kann ja nicht jeder Drohnen abschießen."
Kaprun-Kraftwerke werden noch 2026 repariert
Die defekten Kraftwerke bei Kaprun (Limberg I und III) werden laut Strugl mit Hochdruck repariert. Alle Generatoren sollten bis Ende des Jahres wieder einsatzbereit sein.
Abtritt als Verbund-CEO ist unwahrscheinlich
Auch zu Gerüchten rund um seine eigene Person nimmt Strugl Stellung. Es klingt nicht so, als ob er Edith Hlawati als Chefin der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖBAG nachfolgt und der Chefsessel der Verbund bald frei würde. "Vor zwei Jahren hat mir der Aufsichtsrat einen fünfjährigen Vertrag angeboten, um in einem sehr unruhigen Umfeld Kontinuität zu gewährleisten. Ich habe dem zugestimmt und werde ihn erfüllen."
Kommentare