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Wirtschaft
08/01/2019

Verbund mit starkem Halbjahr

Der Stromkonzern profitierte von Mehrerzeugung und besseren Preisen. Der Halbjahresgewinn stieg um die Hälfte.

Dank deutlich höherer Absatzpreise und einer spürbar gesteigerten Stromerzeugung aus Wasser- und Windkraft hat der österreichische Verbund-Konzern sein Halbjahresergebnis um fast die Hälfte auf 338 Mio. Euro gesteigert. Infolgedessen erhöhte der Verbund auch die Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte bis Juni um 36 Prozent auf 686 Mio. Euro zu, und das operative Ergebnis wuchs um 46 Prozent auf 506 Mio. Euro - bei einem Umsatzanstieg um knapp 34 Prozent auf 1,835 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das Konzernergebnis kletterte um beinahe 49 Prozent auf 338 Mio. Euro.

Aufgrund der positiven Entwicklung im ersten Halbjahr erhöhte der Verbund nun die Jahresprognosen - für das EBITDA von zuletzt 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro (im Mai) auf jetzt 1,18 bis 1,25 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis soll 2019 nun zwischen rund 530 und 580 Mio. Euro liegen, nach dem ersten Quartal ging man von 470 bis 540 Mio. Euro aus. Geplant sei eine Ausschüttungsquote zwischen 40 und 45 Prozent, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis; dieses hatte im Halbjahr um 53 Prozent auf 340 Mio. Euro zugelegt.

Eine deutliche Verbesserung zeigte bis Juni auch der operative Cashflow, der um 44 Prozent auf fast 691 Mio. Euro wuchs - und damit die Verschuldung des Konzerns auf historisch niedrige Werte reduzierte. Ende Juni lag der Nettoverschuldungsgrad bei 39,0 Prozent, nach 46,3 Prozent ein Jahr davor.

Der durchschnittliche Personalstand des Verbund wuchs im Jahresabstand leicht um 0,6 Prozent auf 2.754 (2.737).

Geholfen hat dem Verbund im Halbjahr insbesondere eine bessere Wasserführung - der Erzeugungskoeffizient lag mit 1,11 um 11 Prozent über dem langjährigen Schnitt und um drei Prozentpunkte höher als in den ersten zwei Quartalen 2018, die Jahresspeicherkraftwerke erzeugten aber 8,6 Prozent weniger Strom. Im ersten Quartal war der Koeffizient mit 1,21 (Vorjahr 1,17) freilich über dem zweiten gelegen.

Die gesamte Eigenerzeugung des Verbund lag heuer bis Juni mit 17.700 Gigawattstunden (GWh) um 1,0 Prozent über dem Vorjahresvergleichswert. Dabei gab es mit 16.689 GWh um 1,4 Prozent mehr Wasserkraft-Strom, die Windkraftmenge wuchs um fast 14 Prozent auf 515 GWh. Kalorisch erzeugt wurden 497 GWh (-18,3 Prozent oder 112 GWh weniger).

Das zur Fernwärmeproduktion noch bis Winter 2019/20 laufende steirische Kohlekraftwerk Mellach wies eine um 77 GWh geringere Erzeugung aus, das zur Netzstabilisierung eingesetzte Gas-Kombi-Gaskraftwerk Mellach um 35 GWh weniger. Samt 14.304 GWh Fremdbezugsstrom aus Handel und Vertrieb (+17 Prozent) und abzüglich Verlust- und Regelenergie stieg die gesamte Stromaufbringung um 4,1 Prozent auf 33.651 GWh.

Von dieser Gesamtmenge setzte der Verbund 31.644 GWh (+6,1 Prozent oder +1.827 GWh) ab, der Rest entfiel auf Eigenbedarf und Regelenergie. Beim Absatz ging mit 14.080 GWh (+2,4 Prozent) der Löwenanteil an Weiterverteiler, 10.777 GWh (+9,8 Prozent) an Händler und 6.787 GWh (+8,7 Prozent oder +540 GWh) an Endkunden. Im Privatkundenbereich belief sich der Kundenstock per Ende Juni auf rund 478.000 Strom- und Gaskunden, geht aus dem Halbjahresbericht hervor. Ende März waren es lediglich 471.000 gewesen.

56 Prozent des bis Juni verkauften Stroms - nämlich 17.569 GWh (+33 Prozent) - setzte der Verbund am heimischen Markt ab. Der starke Anstieg um ein Drittel resultierte aus der bevorzugten Abgabe in der österreichischen Preiszone, die seit Oktober 2018 nicht mehr mit der deutschen gekoppelt ist. Der deutsche Markt, an dem der Verbund bis Juni mit 12.138 GWh um gut 14 Prozent weniger absetzte, bildete trotz des Rückgangs mit rund 86 Prozent der im Ausland abgesetzten Mengen den Schwerpunkt der internationalen Aktivitäten in Handel und Vertrieb; 1.611 GWh (-4,3 Prozent) gingen nach Frankreich.

Positiv auf die Großhandelspreise für Strom, von denen der Verbund im Halbjahr profitierte, wirkte sich insbesondere ein starker Anstieg bei den Preisen für CO2-Zertifikate aus. Die Großhandelspreisanstiege kompensierten laut Verbund Preisrückgänge bei den Primärenergieträgern Kohle und Gas. Dementsprechend stiegen die Stromerlöse des Verbund in den ersten beiden Quartalen um 421,8 Mio. auf 1,474 Mrd. Euro.

Zudem hätten die in den letzten Jahren durch zahlreiche Effizienzsteigerungsprogramme erreichte niedrige Kostenstruktur bzw. die weitere erfolgreiche Entschuldung des Konzern die positive Geschäftsentwicklung unterstützt - und würden auch die strategische Flexibilität für mögliche Wachstumschancen erhöhen. Die Nettoverschuldung des Konzerns lag Ende Juni mit 2,433 Mrd. Euro um 5 Prozent unter dem Niveau von Ende 2018.

Die börsennotierte Verbund AG gehört zu 51 Prozent der Republik Österreich.