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Wirtschaft
08/28/2019

UNIQA erwartet heuer höhreres Ergebnis als im Vorjahr

Weniger neue Auto-Polizzen, aber mehr Prämieneinnahmen im ersten Halbjahr. Kostentreiber Unwetter und IT.

Trotz Niedrigzinsen hat der UNIQA-Konzern sein Kapitalanlageergebnis bis Juni gesteigert. Zu danken war das einem höheren Beitrag der Strabag-Beteiligung sowie Gewinnen aus Festverzinslichen und Immo-Verkäufen. Kranken- und Schaden/Unfall-Geschäft brachten mehr Prämie, Leben etwas weniger. Das Vorsteuerergebnis (EGT) soll auch im Gesamtjahr zulegen, den Casag-Sondereffekt 2018 herausgerechnet.

Die Kapitalanlagen warfen im ersten Halbjahr eine Rendite von 2,9 Prozent ab, sagte UNIQA-Generaldirektor Andreas Brandstetter. Im Gesamtjahr werde die Rendite jedoch um die 2,4 bis 2,5 Prozent liegen. Das Kapitalanlageergebnis stieg um 4,2 Prozent auf netto 301 Mio. Euro - obwohl in den vorjährigen 289 Mio. Euro auch 47 Mio. Euro als positiver Sondereffekt aus dem Verkauf der Casinos-Anteile enthalten waren.

Veranlagung

In der Veranlagung setzt man weiter sehr stark auf alternative Möglichkeiten, aber auch Immo-Investments etwa in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. In die neue Assetklasse Infrastruktur investiert die UNIQA weiter - bisher stecken dort schon 650 Mio. Euro drinnen, Zielgröße ist eine Milliarde Euro. In 20 Start-ups hat man bisher 17,4 Mio. Euro investiert, dabei in 12 direkt, in acht über Fonds; bis Jahresende könnten die Start-ups-Investments auf 30 Mio. Euro steigen; die bisherigen Investments in dem Bereich brachten über zweieinhalb Jahre kumuliert 26 Prozent Wertzuwachs. Man wolle damit also Geld verdienen, aber auch einen Know-how-Transfer. Der Kapitalanlagebestand der UNIQA Group wuchs bis Ende Juni auf 20,51 Mrd. Euro, nach 19,34 Mrd. Euro Ende 2018.

Wegen der anhaltend starken Investments in die Digitalisierung, die IT-Systeme und andere zukunftsträchtige Bereiche legte die Kostenquote im Jahresabstand auf 27,0 (25,3) Prozent zu - samt Schadenquote wuchs die Combined Ratio auf 97,3 (97,1) Prozent; sie soll im Gesamtjahr aber unter 2018 liegen. Durch Naturkatastrophen war die UNIQA heuer bis Juni mit 41 Mio. Euro um 18 Mio. Euro höher belastet als im ersten Halbjahr 2018; allerdings habe man auch schon gewisse Vorsorgen für Herbst-Stürme gebildet, so Brandstetter. Bis Juni hatten UNIQA-Kunden 17.800 Unwetterschäden zu beklagen, über 10.000 davon in Österreich, rund 7.000 in CEE. Bei der Abwicklung der Schäden werde man immer schneller, zuletzt konnte man in Österreich 44 Prozent aller Schäden binnen zwei Tagen erledigen.

Neue Regeln

Aus den "Zukunftsthemen" werde man weiter eine finanzielle Belastung haben, doch sei man hier "on time and budget". Das Programm im Umfang von 500 Mio. Euro sei langfristig angelegt - auf einen 10-Jahres-Zeitraum bis 2026. Als erstes solle das Personenversicherungsgeschäft auf die neue UNIQA Insurance Platform (UIP) gestellt werden, ab 2020 der Schaden/Unfall-Bereich und als letztes die Krankensparte, weil dort der Innovationsdruck am geringsten sei. Auch die IFRS-9/17-Regeln, die 2022 kommen, würden eine Belastung darstellen, über mehrere Jahre zusammen 50 Mio. Euro.

"Daher brauchen wir in anderen Bereichen eine hohe Kostendisziplin", betont der CEO. Für die nächste Solvency-II-Review ab 2020 erhofft er sich Verständnis der neuen EU-Kommission für die Anliegen und die Bedeutung der europäischen Assekuranz; als größter Investor stärke die Branche auch die europäische Volkswirtschaft. Das sollte mitbedacht werden, wenn in Europa über schärfere Eigenkapitalpflichten und Konsumentenschutz diskutiert werde.

Verrechnete Prämien

Bis Juni hat die Gruppe die verrechneten Prämien um 0,6 Prozent auf 2,81 Mrd. Euro gesteigert, getrieben von einem 1,9-Prozent-Plus auf 1,54 Mrd. Euro in Schaden/Unfall, wobei der Zuwachs in Österreich sogar über 3 Prozent lag. Die Krankensparte nahm in der Gruppe mit 586 Mio. Euro um 3,4 Prozent mehr ein, die Lebensversicherung mit 712 Mio. Euro um 4,2 Prozent weniger. Für 2019 rechnet Brandstetter "mit einem ähnlichen Trend", nämlich in Summe mit einem Prozent Wachstum, dabei rund 2 Prozent in Schaden/Unfall und etwa drei Prozent in der Krankenversicherung.

An Versicherungsleistungen im Eigenbehalt fielen 1,85 Mrd. Euro an, um 1,1 Prozent mehr - davon 861 Mio. Euro (+1,6 Prozent) in Schaden/Unfall und 476 Mio. Euro (+3,4 Prozent) in Kranken; in Leben sanken die Leistungen um 1,8 Prozent auf 515 Mio. Euro.

Neuverträge

Im Autogeschäft verzeichnete die UNIQA heuer zwar einen Rückgang bei den Neuverträgen, wobei aber die Durchschnittsprämien gestiegen sind. In der Haftpflicht habe es bei Pkw um 6 Prozent weniger neue Verträge gegeben, die Prämie liege im Schnitt aber ein Prozent höher, so Brandstetter im Gespräch mit der APA. Noch stärker ist dieser Effekt in der Auto-Kasko: Dort sank die Neuvertragszahl um 5 Prozent, die Prämien kletterten im Schnitt aber um 6 Prozent. Das SafeLine-Notfallservice werde rund 1.000 mal pro Monat verkauft. E-Autos konnte man heuer mehr versichern - für rein mit Strom betriebene Fahrzeuge werden in der Haftpflicht 25 Prozent Prämiennachlass gewährt.

Das Produkt Lebensversicherung sei für die UNIQA weiterhin "ein unverzichtbarer Teil unseres Portfolio", betonte der Konzernchef, auch wenn das Niedrigzinsumfeld dafür ungünstig sei: "Es ist hart, aber wir bleiben dran und stehen zu dem Geschäftsfeld." Man wolle nur Produkte verkaufen, die für die Kunden Sinn machen und für die UNIQA ökonomisch vertretbar seien. Man habe die Abschlusskosten stark reduziert, sodass die Produkte nun attraktiver seien. Durch die neue Handhabung der laufenden Kosten gehe gleich mehr Geld in die Veranlagung, das bringe den Kunden mehr Ertrag.

Ohne Garantiezins

In der neuen klassischen Lebensversicherung habe man in Österreich nun 154.000 Polizzen mit 150 Mio. Euro Prämienvolumen unter Vertrag, davon rund 17.000 heuer abgeschlossene. Bei den 6.500 Fondspolizzen (davon 3.000 von heuer) nehme man 10 Mio. Euro ein. Besonders gut ließen sich generell Produkte mit biometrischer Absicherung verkaufen, also etwa bezogen auf Todesfall, Berufsunfähigkeit sowie Krankenversicherungen. Zusätzlich forciere man Fondspolizzen ohne Garantiezins (hauptsächlich gegen laufende Prämie), die seien nicht von den Niedrigzinsen betroffen. Derzeit hat die UNIQA knapp 16.000 Kunden, die monatlich eine Rente ausbezahlt bekommen und so ihre persönliche Pensionslücke verkleinern oder schließen können.

Die UNIQA Group ist in 18 Ländern tätig und hat aktuell insgesamt 10,3 Mio. Kunden. In allen Ländern in CEE sei man im ersten Halbjahr positiv gewesen, so der CEO, auch in Rumänien - wenn auch mit 1,7 Mio. Euro EGT nur knapp positiv. Brandstetter: "Wir sehen, dass unsere Restrukturierungsmaßnahmen dort greifen." Der Mitarbeiterstand der Gruppe auf Vollzeitbasis sank in den ersten sechs Monaten im Jahresabstand im Schnitt auf 12.731 (12.876).

Casinos

Versicherungstechnisch verdiente die UNIQA Group im Halbjahr mit 27 (55) Mio. Euro um die Hälfte weniger, vorwiegend wegen der gestiegenen Kosten. Das operative Ergebnis schrumpfte wegen des höheren Kapitalanlageresultats nur leicht um 4 Prozent auf 164 (172) Mio. Euro. Das Vorsteuerergebnis (EGT) sank um 6 Prozent auf 135,9 Mio. (nach ein Jahr davor 97,6 Mio. ohne Casinos-Einmaleffekt bzw. 145,0 Mio. Euro mit).

2019 soll das EGT über dem um den Casinos-Einmaleffekt bereinigten Wert von 2018 liegen, bekräftigte die UNIQA. Weiterhin beabsichtige man, im Rahmen einer progressiven Dividendenpolitik auch für 2019 die Ausschüttung zu erhöhen - die Titel zählen zu den dividendenstärksten im ATX. Die Combined Ratio soll 2019 besser als 2018 ausfallen.