© Unilever/Bernhard Noll

Wirtschaft
06/10/2020

Unilever-Chef: "Es kann ja nicht mehr jeder selber kochen"

Warum der Unilever-Chef heuer wohl weniger Jolly- und Magnum-Eis verkaufen wird und das Suppengeschäft in der Gastro wieder anläuft

von Simone Hoepke

Nikolaus Huber ist seit Anfang 2019 Österreich-Geschäftsführer des niederländisch-britischen Konsumgüterriesen Unilever, zu dem Marken wie Eskimo, Lipton, Knorr, Rexona oder Omo gehören. Der Konzern setzt weltweit mehr als 50 Milliarden Euro um, Länderzahlen für Österreich werden nicht veröffentlicht.

KURIER: Gasthäuser hatten wochenlang zu. Das hat Menschen, die sonst nie selbst kochen, auf sich selbst zurückgeworfen. Gingen Knorr-Suppen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln?

Nikolaus Huber: Im März und April hatten wir Zuwachsraten jenseits der 100-Prozent-Marke. Es kann ja nicht mehr jeder selber kochen und irgendwann gehen jedem die Kochrezepte aus. Entsprechend haben sich die Volumina von Fertiggerichten im Zeitraum Mitte März bis Mitte April verdoppelt.

Mittlerweile haben Restaurants wieder aufgesperrt. Spiegelt sich das in der Unilever-Umsatzkurve wider?

Natürlich. Unter anderem springen unsere Gastro-Umsätze wieder an. Sie waren zuletzt ja mehr oder weniger auf Null.

Was verkaufen Sie an die Gastronomie?

Gewürzmischungen, Öle, Suppen, Beilagen, Soßenbinder – wir unterstützen Köche bei der Optimierung ihrer Speisekarten. Wir machen 20 Prozent des Umsatzes in der Gastronomie, haben 30 Außendienstmitarbeiter in diesem Bereich.

Eine Ihrer bekanntesten Marken in Österreich ist Eskimo. Werden Sie heuer weniger Jolly und Magnum verkaufen, weil Touristen ausbleiben?

Ich glaube, dass werden wir eher im Gastro-Food-Bereich sehen. Aber natürlich wird es an uns nicht spurlos vorübergehen, wenn weniger Leute draußen den Sommer genießen, weil es weniger Veranstaltungen und Konzerte gibt. Selbst das Donauinselfest ist abgesagt. Dazu kommt, dass weniger Leute ins Freibad dürfen, das wird sich aufs Geschäft auswirken. Zu Ostern haben wir im Handel übrigens um 50 Prozent mehr Eis verkauft als im Vorjahr. Da hatten aber auch die Eissalons zu.

Gab es in der Corona-Krise Probleme in der Rohstoffversorgung?

Nein, das Problem war eher, dass wir mit der Produktion kaum nachgekommen sind. Die Werke haben rund um die Uhr produziert. Die große Herausforderung war aber der innereuropäische Transport in Zeiten der geschlossenen Grenzen. Hier gibt es jetzt zum Glück eine Entspannung.

Unilever beschäftigt 200 Mitarbeiter in Österreich, davon 150 in Wien. Wann werden die Beschäftigten ins Büro zurückkehren?

Stufenweise ab Mitte Juni. Homeoffice ist für uns nichts Neues, das machen wir seit Jahren und werden es auch weiter machen. Derzeit haben wir im Konzern einen absoluten Reise-Stopp. Es hat sich aber gezeigt, dass Videokonferenzen bestens funktionieren.

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